Archäologie in Serbien – wer zahlt, der gräbt

Amphitheater in Viminacium - Thomas Dapper
Amphitheater in Viminacium - Thomas Dapper
Archäologie kostet Geld. Der serbische Staat verwaltet Defizite, also muss die Kirche ran.

Auf dem heutigen Staatsgebiet Serbiens gäbe es sehr viel zu entdecken. In der Antike trieben sich die Griechen, der Alexander der Makedonier, die Kelten, später die Römer, dann die Hunnen, die von den Serben und Awaren abgelöst wurden, herum. Kaiser Konstantins Geburtstadt Naissos heißt heute Nisch und ist Serbiens drittgrößte Stadt. Doch was wird in Serbien ausgegraben?

Das Kloster Manasija bei Despotovac

Das Kloster wurde festungsartig erbaut. Die Bedrohung durchs Osmanische Reich trieb den Herrscher Stefan Lazarevic ins Hinterland. An einer wirklich gut versteckten Stelle bei Despotovac mitten im Wald und von Bergen umgeben, sollte die größte Kirche ihrer Zeit entstehen. Gestiftet wurden Kloster, Kirche und letztlich auch die Festung 1407 und erbaut wurde der Komplex bis 1418. Also war die Trutzburg der serbischen Fürsten und Kleriker bereits 29 Jahre nach der verlorenen Schlacht auf dem kosovarischen Amselfeld fertig gestellt. Die hohen Mauern wirken uneinnehmbar. Sie schützten Heiligtümer und Schriften. Dennoch konnten türkische Truppen 1427 und letztmalig 1439 dann endgültig das Kloster erobern.

Die heutigen Ausgrabungen werden von der Serbisch-Orthodoxen Kirche finanziert. Zu Tage gefördert werden Alltagsgegenstände aus dem Mittelalter. Gegenstände wie man sie überall in Europas Museen finden kann. Die aktuellen Grabungen finden im Bereich der ehemaligen Klosterküche statt. Das Mittelalter ist allerdings sicher besser dokumentiert als die Antike. Und in Serbien befindet sich mit Viminacium eine der größten Ausgrabungsstätten einer Stadt, die zu Beginn ihrer Existenz Vergleiche zur Geschichte Kölns erlaubt. Die dortigen Ausgrabungen werden – nach Auskunft vor Ort – noch 200 Jahre in Anspruch nehmen.

Ein goldener Helm auf dem Acker

In einem Feld findet ein Bauer einen goldenen Helm. Der ehrliche Finder übergibt ihn den Archäologen. Die bestimmen den Helm als römischen Prachthelm. Ein Herrscher? Ein Kaiser der womöglich seine Kopfbedeckung im Kampf verloren hat? Überall, außer in Serbien würde dem Landwirt eine Entschädigung gezahlt und mit Grabungen begonnen. Doch in Serbien wird der Helm fotografiert und ins Museum gestellt. Das war’s dann. Keine Grabung. Keine weiteren Untersuchungen vor Ort. Einfach nichts.

Die Donau – Außengrenze des römischen Reichs

Von Wien aus, dem alten Vindobona von wo aus man heute die alte und große Römersiedlung Carnuntum erreichen kann, bildete der Pannonische Limes ein engmaschiges Netz aus Städten, Dörfern, Siedlungen, militärischen Anlagen sowie Übergängen über den großen Strom. Auch Budapest blickt auf römische Wurzeln und Spuren zurück. Belgrad hieß seinerzeit Singidunum und Viminacium war die größere Stadt im römischen Reich. Sremska Mitrowica, das ehemalige Sirmium, war ein wichtiges Zentrum zurzeit der Kaiser Diokletian und Konstantin. Damit dürfte mit mehr Funden zu rechnen sein als bislang. Und der Blick auf die Karte vom Panonischen Limes offenbart große Lücken in den bisher gefundenen und erforschten Befestigungsanlagen, die südlich von Subotica bis etwa Belgrad bestehen. Scheinbar interessiert sich der serbische Staat nicht dafür was dort noch in der Erde liegt.

Ein Blick in die Zukunft

Solange in Serbien 90 Prozent aller Ausgaben für Archäologie für die Erforschung mittelalterlicher Klöster ausgegeben werden, wird kaum ein touristischer Magnet damit geschaffen. Demgegenüber böte Viminacium noch idealere Bedingungen als Carnuntum für ein touristisch interessantes Reiseziel. Auf dem Grabungsgelände sind derzeit lediglich eine sehr gut erhaltene Therme, ein Mausoleum und in den nächsten Jahren ein imposantes Amphitheater zu besichtigen. Die Funde sind auf Museen im Umkreis von etwa 200 Kilometern verteilt. Steintafeln stehen auch im Museum in Pancevo, vor allem aber im Garten des Museums in Pozarevac. Das dortige Museum überrascht mit Funden aus Schule, von Ärzten, Kosmetik und Schmuck ist ebenfalls zu besichtigen. Auch Amphoren von Weinhändlern der Antike mit ihren Logos oder Stempeln sind Funde aus Viminacium. Serbien hätte also die große Chance, die Funde und Spuren aus der Römerzeit in ein touristisches Konzept zu implementieren und Menschen aus aller Welt ins Land zu locken. Zudem warten 47 etwa gleich hohe Hügel auf ihre archäologische Untersuchung. Archäologen vor Ort weisen auf die Notwendigkeit der Erforschung hin und bleiben ungehört. Aber ganz offensichtlich gilt den Klöstern die Priorität. So haben Raubgräber vor Ort kaum Probleme zu befürchten und der Staat schaut ohnehin weg.

Quellen:

  • eigene Recherchen
  • Serbien – Unterwegs zu verborgenen Klöstern und Kunstschätzen, Birgitta Gabriela Hannover Moser, Trescher Verlag, ISBN 978-3-89794-144-1
Thomas Dapper, Thomas Dapper & Michael von Aichberger

Thomas Dapper - Seit 1993 bin ich in verschiedenen Positionen für Film und Fernsehen tätig. In der Zeit davor habe ich mich politisch engagiert ...

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