
- Kirche Heilige Familie in Geretsried - Rick Lembke
Dass sich Fotografen gelegentlich auf Motivsuche nach den Besonderheiten in der Architektur aufmachen, ist nichts Neues. Dass es aber jemanden gibt, der so etwas ausgerechnet in Geretsried finden will, macht neugierig. Man kann sich nämlich durchaus fragen, ob er hier nicht am falschen Fleck suche, eilt doch Geretsried, seines Stadtbildes wegen, nicht der beste Ruf voraus. Dieser Jemand ist Fotokünstler Rick Lembke und wer ihn zuhause in seinem kleinen Fotostudio besucht, der staunt nicht schlecht, was er bisher für ungewöhnliche Perspektiven mit seiner Kamera eingefangen hat. Bis im Sommer 2011 will der Fotokünstler sein neues Projekt „Geretsrieder Architekturen“ abschließen und seine Fotodokumentation anschließend in einer Ausstellung präsentieren.
Aus ungewöhnlicher Perspektive fotografiert
Rick Lembke hat einen geschulten Blick für die technischen Details eines Gebäudes, wie Form, Statik und Material. Denn er ist als gelernter Bauingenieur vom Fach. Im ersten Semester seines Studiums entdeckte der heute 50-jährige Geretsrieder die Produkt- und Architekturfotografie für sich. Seither fasziniert ihn daran, wie sich die dreidimensionale Wirklichkeit auf der zweidimensionalen Fotografie in ein völlig neues Bild verwandeln kann. Durch eine ungewöhnliche Perspektive fotografiert, entstünden oft „verschachtelte Winkeln mit eigener Dynamik“ erklärt Lembke und holt einen Abzug aus seinem Fotoordner heraus. Darauf zu sehen ist ein Haus mit kleinen Fensterquadraten, runden Ecken und einem Glaskubus, der wie ein Keil das Bauwerk in zwei symmetrische Hälften teilt. „Ach so sieht der Hinterhalt in Gelting aus?“ Solche Reaktionen auf seine Bilder bekomme er oft, sagt Lembke und seine These dazu ist: „Am Alltäglichen geht man eben achtlos vorüber.“
Tonwert der Bilder mit High Dynamic Range verändern
Die Fotografie ist für Rick Lembke ein intensives Hobby geworden, das ihm einen Ausgleich zum Beruf bietet. Auf zahlreichen Kursen eignete sich der Autodidakt das Können an. High Dynamic Range etwa heißt eine besondere Technik, die den Tonwert des Bildes aus einer Belichtungsreihe zusammen komponiert und daraus eine Aufnahme zaubert, die vom Farbenspiel fast schon an Malerei erinnert. So poetisch diese Fototechnik klingt, so nüchtern wählt der Künstler die Motive aus – es sind zwei Geretsrieder Tankstellen im Morgengrauen. Rick Lembke ist früh mit Kamera und Stativ auf den Beinen, nutzt die Zeit, wo noch niemand unterwegs ist. „Ich will die nackten Gebäude haben.“ Menschen vor der Kamera interessieren ihn bei dieser Bilderserie nicht, eher die Spuren, die sie hinterlassen. So heißt eine weitere Reihe „AUSgenutzt“. Es sind fotografische Stillleben, die er in Ruinen oder leeren Fabrikgebäuden findet, Zeitzeugnisse vergangener Tage, wie Schmutzränder die von der ehemaligen Einrichtung erzählen oder vergammelte Gegenstände, die auf die Herkunft der einstigen Bewohner hinweisen. Es sei nicht leicht, so ein Motiv zu finden, weiß der Künstler. Oftmals sind jene Orte der Abrissbirne zum Opfer gefallen, ehe er mit seiner Ausrüstung zurück gekehrt ist. Deshalb ist Rick Lembke für jeden Tipp dankbar, wenn er sich wieder auf Motivsuche von „ausgenutzten“ und noch benutzten Architekturen in Geretsried macht.
