
- Windmühle - © Daniela Zenth
Windmühlen sind mechanische Gebäude zur Verrichtung verschiedenster Arbeiten mit Hilfe von windgetriebenen Flügeln. Meist ist dies das Mahlen von Getreide zu Mehl und Schrot, aber sie dienen auch als Ölmühle, als Sägewerk oder Pumpe. Lange war sie neben der Wassermühle die einzige Arbeitsmaschine, die der Menschheit zur Verfügung stand. Erst die Erfindung der Dampfmaschine brach ihre Vormachtstellung.
Historisches
Das erste, windgetriebene Gerät war eine Orgel. Erbaut von Heron von Alexandria (geborenen wahrscheinlich im ersten Jahrhundert). Er entwarf ein hochkant stehendes Rad mit Schaufeln, gleich einem Wassermühlenrad, und trieb mit dieser Konstruktion den Blasebalg einer Orgel an.
Erste funktionelle Windmühlen wurden in China gebaut, etwa im zweiten Jahrhundert. Chinesische Windmühlen sehen einem Karussell ähnlich. Eine senkrechte Rotationsachse hält eine waagerechte Plattform. Auf dieser werden sternförmig um den Mittelpunkt mehrere, aufrecht stehende Dschunkensegel flexibel angebracht, die sich automatisch nach dem Wind ausrichten.
Ähnlich funktionieren persische Windmühlen aus dem siebten Jahrhundert. Auch sie bestehen aus einem karussellähnlichen Konstrukt mit senkrechten, jedoch starr eingebauten Flügeln. Die Hälfte der Mühle musste deshalb mit einer halbrunden Windfangmauer umgeben werden, die den Wind in die Segel lenkt.
Architekturformen
Um 1180 wurden in Belgien und Nordfrankreich die ersten Bockwindmühlen gebaut, die man als echtes Gebäude bezeichnen kann. Bei dieser Windmühlenart befindet sich die gesamte Mühle mit Mühlstein und Maschinerie in einem turmartigen Gebäude. Dieses ist auf einen Bock gelagert, dreht sich also als Ganzes im Wind. Lange Zeit wurde sie vor allem in Norddeutschland gebaut und betrieben. Daher hat sie auch ihren bekannteren Namen, Deutsche Windmühle.
Im 14. Jahrhundert wurde die Turmwindmühle komplett aus Stein gebaut, vor allem im Mittelmeerraum. Sie besaß 4, 6 oder 8 Flügel und konnte nicht gedreht werden. Die Windrichtung musste also noch bei der Planung berücksichtigt werden.
Die Köcherwindmühle, auch Holländische Jungfer, Koker-, Wipp- oder Spinnkopfmühle genannt. Etwa um 1410 wurde dieser Typ in Holland nach Vorbild der Bockwindmühle gebaut. Zunächst wurde ein aus Stein gefertigter Sockel errichtet, der auch als Wohnhaus diente. Hierauf wurde dann auf einer drehbaren Achse ein hölzernes, turmartiges Gebäude mit der Mühlenmaschinerie gesetzt. Nicht mehr das gesamte Gebäude drehte sich also im Wind, sondern nur der Oberbau.
Daraus abgeleitet wurde im 15. Jahrhundert die Turmholländerwindmühle Die Maschinerie wurde wieder in das eigentliche Gebäude verlegt. Nur die obere Kappe mit der Rotationsachse und den Flügeln konnte gedreht werden. Dies erhöhte natürlich die Effizienz der Bauwerke.
Ein Jahrhundert später wurde die kleinste Windmühle gebaut, die Fluttermühle, die primär dem vertikalen Wassertransport dient. Sie besteht aus einer Archimedischen Schraube mit einem angebrachten Windflügelkreus von nur anderthalb bis sieben Meter Durchmesser, der um die 30 Grad schrägt steht.
Im gleichen Zeitraum konstruierte man die Holländerwindmühle. Auf einem soliden, steinernen Fundament wurde ein hölzernes, turmartiges Bauwerk gesetzt. Auch hier war nur die obere Kappe mit den Flügeln drehbar. Da Holz leichter ist als Stein, konnte man die Mühlen so immer höher bauen und mit immer größeren Flügeln ausstatten.
43 Meter hoch wurden manche Galerie-Holländer – da sie wesentlich größer waren als früher, konnte man die Flügel nicht mehr vom Boden aus erreichen. Also baute man zwischen Fundament und eigentlicher Mühle eine Art Balkon, eine Galerie. Solche Windmühlen werden mit acht bis zwölf Ecken gebaut. Dadurch unterscheidet man auch die einzelnen Typen, zum Beispiel den Achteck-Gallerie-Holländer. Ein Beispiel für einen Achteck-Galerieholländer ist die Hollicher Mühle in Steinfurt.
Abwandlungen davon sind der Erdholländer oder Grundsegler, bei dem auf das Fundament verzichtet wurde. Ihre Flügel reichen wieder fast bis zum Boden. Sie stehen hauptsächlich in Gegenden ohne Windbehinderung, beispielsweise in Ostfriesland. Eine weitere Abart ist der Durchfahrtholländer. Hier ist das Fundament so hoch gebaut, dass man tunnelähnliche Durchfahrten hinein bauen konnte.
Parallel zum Holländer wurde in Deutschland die Paltrockwindmühle konstruiert, indem man die Bockwindmühle umbaute. Man verzichtete auf den hölzernen Bock und setzte den Mühlenturm auf einen Rollenkranz am Boden. Dies erhöhte die Stabilität der Mühle. Kostengünstiger als die holländische Konkurrenz war sie auch noch.
Einige Sonderformen gibt es natürlich auch noch. Zum Beispiel die Windwassermühle. Wenn am Standort einer Wassermühle auch genügend Wind wehte, wurde sie einfach um eine aufgesetzte Windmühle ergänzt.
Westernmill und Windrad sind die jüngsten Windmühlentypen. Die Westernmill, Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA konstruiert, besteht aus einem hohen Holzgerüst, auf dessen Spitze eine drehbare Kappe mit mehreren Flügeln sitzt. Die neuzeitlichen Windräder sind ihre stählernen Verwandten. Beide dienen der Stromerzeugung.
Weltweit einzigartig ist die Scheunenwindmühle Saalow aus dem 19. Jahrhundert bei Dresden. In jede Wand des viereckigen Gebäudes wurde ein mit einer Tür verschließbares Windrand eingebaut. Je nach Windrichtung werden diese geöffnet oder geschlossen. Fachleute nennen diese Mühle hölzerne Windturbine.
Foto: Daniela Zenth “Windmühle” Some rights reserved.
