ARD Komödie "Ein blaues Wunder": Klaus Steinbacher im Porträt

Filmszene: Klaus Steinbacher und Lotte - Andrea Weber
Filmszene: Klaus Steinbacher und Lotte - Andrea Weber
Zurzeit wird im Münchner Süden die bayerische Komödie „Ein blaues Wunder" gedreht, im Auftrag der ARD Degeto und des Bayerischen Fernsehens.

Lotte ist störrisch, steht da und geht keinen Schritt weiter. Leonard fängt an zu stottern, während er Lotte gut zuredet. Sie will partout nicht an den beiden ungehobelten Dorfburschen mit ihren Mofas vorbei, die an der Kirchenmauer warten und jetzt erst recht ihre Motoren laut aufheulen lassen. Lotte sieht gut aus, mit dem Blumenkranz auf ihrem Haupt. Sie ist ein Rindvieh aus dem Stall der Fenzlbäuerin Kathi aus Merching und Leonard ist Kathis Sohn. Er hat einen Sprachfehler. Beim „K“, beim „P“ und beim „W“ kommt Leonard immer ins Stolpern, dafür hänseln ihn die Dorfjungen. Leonard heißt in Wahrheit Klaus Steinbacher, ist 16 Jahre alt und ein Nachwuchsschauspieler aus Reichertsbeuern bei Bad Tölz. Das Bild mit ihm, Lotte und den Dorfjungen ist die erste Szene in der neuen bayerischen Komödie „Ein blaues Wunder“, die 2011 in der ARD ausgestrahlt werden wird.

Mit der Nebenrolle in Rosenmüllers Film „Wer früher stirbt, ist länger tot“ fing für Steinbacher alles an

Es ist kalt am Set in Linden, einem Ortsteil von Dietramszell. Der nasse Bodennebel will sich nicht auflockern. Das ist ein Problem für Regisseur Thomas Kronthaler, denn dieses Bild ist eine Anschlussszene des letzten Drehtags und da hatte die Sonne geschienen. Also wird abgewartet und Klaus Steinbacher bleibt Zeit im Kantinenwagen etwas zu Mittag zu essen. Es ist seine erste große Filmrolle. Regisseur Thomas Kronthaler hat ihn über die Agentur gebucht. Steinbachers Karriere begann 2005 mit der Nebenrolle als Toni in Rosenmüllers Film „Wer früher stirbt, ist länger tot“. „Die san zu uns in’d Schui käma und ham an boarischen Buam g‘suacht, der sich was traut“, erzählt Steinbacher. Er traute sich und wurde genommen. Beim Casting habe er ein Gedicht aufsagen müssen – einmal lustig, einmal traurig und schockierend, erzählt Steinbacher. Für die Hauptrolle hat er nicht gepasst, aber die Nebenrolle des Toni hat er bekommen. Danach ging es mit Filmangeboten Schlag auf Schlag weiter: Im zweiten Rosenmüllerfilm „Schwere Jungs“ bekam Steinbacher eine kleine Nebenrolle und danach folgten weitere Rollen in der Krimiserie „Siska“, beim „Marienhof“ und beim Komödienstadel. Und sogar seinen ersten Werbespot für Ehrmann-Jogurts unter der Regie von Hans Steinbichler hat der 16-Jährige schon hinter sich.

Immer noch hängt der Nebel über Linden. Lotte und ein Kälbchen stehen mit ihren Besitzern am Set und warten auf ihren Einsatz, während sich drinnen im Kantinenwagen die Darsteller wärmen. Neben Klaus Steinbacher sitzt Schauspielerin Jule Ronstedt. Sie war die Lehrerin in „Wer früher stirbt, ist länger tot“ und spielt jetzt seine Filmmutter Kathi. Der Hauptdrehort ist der Wagnerhof in Eulenschwang bei Egling. Im Film heißt das Dorf Merching.

Die Filmhandlung von „Ein blaues Wunder“: Ein Regentropfen wird zur Sensation

In Merching gibt es keine Sehenswürdigkeiten oder Badeseen, die Besucher anlocken würden. Der Bürgermeister vom Nachbarort (Stephan Zinner) beschließt deshalb, das kleine Dorf einzugemeinden. Die Bäuerin Kathi vom Fenzlhof will vermeiden, dass sie und die Bewohner im Ort ihr Heimat verlieren und beschließt eine Aktion zu starten. Ihr kommt die Idee der weinenden Maria, als sie in der kleinen Kapelle den Hergott um Hilfe bittet. Denn ein Regentropfen fiel just in dem Augenblick auf das Antlitz der Mutter Gottes. Als dies bekannt wird, zieht die Sensation schnell ihre Kreise und Pilgerscharen kommen nach Merching. Sie alle hoffen auf Heilung ihrer Gebrechen. Und in der Tat, obwohl Leonard das Geheimnis um das Wunder kennt, hört auch er auf zu stottern.

Neunzehn Drehtage spielt der Gymnasiast aus Bad Tölz mit, dafür hat er extra schulfrei bekommen. In die Rolle eines anderen Menschen zu schlüpfen, dass mache für ihn den Reiz am Schauspielern aus, sagt er. Er kann sich heute durchaus vorstellen, daraus später einen Beruf zu machen. Noch aber ist er ein Schüler und hat zwei Jahre Zeit bis zum Abitur. Noch ist er ein Autodidakt, aber mit echtem Talent, wie Regisseur Thomas Kronthaler findet: „Der Klaus kann sich so schön differenziert in bairisch ausdrücken – richtig derb sein und dann wieder ganz fein. Und er kann die Anschlüsse exakt setzen, das ist sehr wichtig beim Film.“ Denn anders als beim Theaterspielen müssen die Schauspieler immer an der gleichen Stelle das Gleiche tun und das Gleiche sagen, damit nachher die Bilder auch zusammen passen.

Drehort Linden im Tölzer Land

Inzwischen ist klar, der Nebel über Linden wird sich nicht mehr verziehen. Kronthaler presst die Lippen aufeinander. „Beim letzten Dreh hat Leonard die Kuh beim Sonnenlicht aus dem Stall geführt, dann kann sie ja jetzt nicht im Nebel weitergehen“, erklärt der Regisseur. Die Lichttechniker sollen es richten, denn so ein Drehtag kostet bares Geld. Man rechnet durchschnittlich 100.000 Euro für eine Filmkomödie wie diese. Das halbe Dorf Linden wurde abgesperrt, der Dorffußballplatz sieht aus wie ein Campingplatz, mit LKWs und Anhängern für Technik, Schminke und Verpflegung.

An der Dorfstraße, die an der Kirchenmauer entlang führt, sind jetzt die Kameras in Position gestellt und metallisch-reflektierende Stoffwände sollen das Schattenspiel der vermissten Sonne imitieren. „Bitte Ruhe jetzt, wir drehen!“ Leonard streicht Lotte noch einmal sanft übers Haupt und geht los. Lotte folgt ihm brav an seiner Seite. Leonard hat den Blick gesenkt, als er an den Dorfjungen vorbei kommt und nur er weiß, dass sie noch ihr „blaues Wunder“ erleben werden.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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