Argentinien als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2010

Gastland Argentinien - Frankfurter Buchmesse
Gastland Argentinien - Frankfurter Buchmesse
Das lateinamerikanische Land konnte dem Messepublikum seinen Buchmarkt, seine Literatur, seine Kultur und Geschichte präsentieren.

So nach und doch so fern: Obwohl wir in unserer modernen Welt scheinbar problemlos an sämtliche Informationen herankommen, wissen wir doch oftmals viel zu wenig über andere Länder und Kulturen. Den besonderen Reiz und den Reichtum fremder Erfahrungswelten aber erkundet und verwandelt seit jeher die Literatur. Damit ermöglichen uns Übersetzungen von Bücher aus fernen Ländern, im Geiste selbst auf Reisen zu gehen und Neuland zu erkunden.

Argentinische Literatur und Kultur bei der Frankfurter Buchmesse

Bei der Frankfurter Buchmesse bildet seit 1976 der jährlich wechselnde Ehrengast einen Schwerpunkt, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentieren kann. In diesem Jahr war Argentinien an der Reihe – ein Land das vielen als das europäischste der lateinamerikanischen Ländern gilt, quasi als Brücke zwischen dem alten Europa und dem südamerikanischen Kontinent.

Aufarbeitung der Geschichte Argentiniens in der Literatur

Argentinien feiert in diesem Jahr das 200jährige Jubiläum seiner Unabhängigkeit und setzte seinen thematischen Schwerpunkt bei der Frankfurter Buchmesse 2010 auf „Kultur in Bewegung“: „Als sich Lateinamerika 1976 als erstes Schwerpunktland in Frankfurt präsentierte, war Argentinien noch eine Militärdiktatur. Seit dieser Zeit hat sich dort viel verändert, sowohl in politischer, als auch in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht“, gibt Jürgen Boss, Direktor der Frankfurter Buchmesse, zu bedenken.

Die Zeit der Militärdiktatur von 1976 bis 1983, die Erfahrungen mit politischer Unterdrückung, Menschenrechtsverletzungen und Exil wirken bis heute in Argentinien nach.

Die 30.000 „desaparecidos“ (Verschwundene), haben ebenso eine Lücke in der Gesellschaft hinterlassen wie die Kinder, die entführt wurden. Die Aufarbeitung der Geschichte nimmt auch in der Literatur Argentiniens eine ganz wichtige Rolle ein.

Förderung von Übersetzungen argentinischer Literatur

Mehr als 60 Autoren reisten zur Frankfurter Buchmesse 2010 aus Argentinien an, rund 300 Veranstaltungen zu Kultur, Literatur und Politik des Landes standen auf dem Programm. Ein Ziel des Ehrengast-Programms ist es, die Anzahl der Übersetzungen aus dem Land zu steigern. Mit Hilfe des so genannten SUR-Programms zur Übersetzungsförderung kommen anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2010 insgesamt 292 Werke argentinischer Schriftsteller in 31 verschiedene Sprachen zur Übersetzung.

Zwei Beispiele argentinischer Werke:

Laura Alcoba (* 1968) erzählt in ihrem Erstlingswerk „Das Kaninchenhaus“ (Inselverlag) von der argentinischen Militärdiktatur aus der Sicht eines kleinen Mädchens. Eine Geschichte, die berührt!

Marcelo Figueras (*1962) setzt sich in seinem Roman „Der Spion der Zeit“ (Nagel & Kimche Verlag) mit der argentinischen Gesichte in Form eines politischen und philosophischen Thrillers über ein imaginäres Land auseinander. Sehr Spannend!

Ehrengast 2011 bei der Frankfurter Buchmesse: Das „sagenhafte Irland“

Literatur verbindet. Wie der türkische Schriftsteller Ferit Edgü („Ein Winter in Hakkari“, Unionsverlag) es so schön formulierte: „Denn zum Verstehen gehört die gemeinsame Sprache. Und gemeinsame Sprache heißt gemeinsames Leben / gemeinsames Wesen / gemeinsame Erfahrung / gemeinsamer Traum“. Geschichten sollten keine Grenzen kennen. 2011 wird das „sagenhafte Irland“ Gastland der Frankfurter Buchmesse sein.

Karin Martin, Karin Martin

Karin Martin - ... geboren und aufgewachsen in Wien absovierte ich eben dort mein Romanistik- und Publizistik-Studium. Später zog ich mit meiner ...

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