Arik Braun – Deutscher Meister im Schach

Wer sagt, dass alle Meisterspieler am Schachbrett Exzentriker sind?

Arik Braun im Portrait - Arik Braun
Arik Braun im Portrait - Arik Braun
Arik Braun, ein Großmeister des Schachs und trotzdem kein typischer Schachspieler. Der 21-Jährige aus Allmersbach ist ein etwas anderer Meister abseits des Schachbretts.

Erfolgreiche Schachspieler sind angeblich immer Individualisten oder Exzentriker und tun sich mit dem alltäglichen Leben schwer. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen: Eine davon ist Arik Braun. Er ist der neue deutsche Meister und angeblich überhaupt kein typischer Schachspieler.

Arik Braun – kein gewöhnlicher Schachspieler

Ein ganz normaler, sympathischer Kerl soll er sein. „Ich traf ihn auf einem Turnier. 15 Uhr war Spielbeginn, alle Spieler saßen gebannt vor ihren Schachbrettern. Wir standen draußen vor der Türe, und Arik machte sich erst 15 Minuten später ganz entspannt auf der Weg an seinen Tisch“, erinnert sich Thomas Hirsch, 1. Vorsitzender des Schachclubs Erdmannhausen. Auch an diesem Abend lässt sich der Schachmeister Zeit, aber nicht weil er überheblich geworden ist, sondern weil er einfach nicht den Weg zum Interview gefunden hat. Die Verspätung ist Braun deshalb äußerst unangenehm.

Großmeister im Schach

Arik Braun aus Allmersbach bei Backnang ist im Februar deutscher Schachmeister geworden. 2006 hatte er sich bereits den Titel des U18-Jugendweltmeisters in Georgien geholt. Weitere Medaillen sicherte er sich schon während seiner Kindheit in den jeweiligen Altersklassen und gehört bis heute zu den besten Spielern Deutschlands. Seit November 2008 darf er sich sogar Großmeister nennen – eine Ehre auf Lebenszeit. Genau deshalb freut er sich über diese Ernennung: „Den Titel nimmt mir niemand mehr weg. Ich werde immer Großmeister bleiben, und das ist eben nicht jeder“, freut sich Braun. Spricht man ihn auf seine zahlreichen Spielerfolge an, bleibt er eher zurückhaltend und winkt ab: „Es gibt viele, die noch besser sind als ich.“ Eben ein zurückhaltender junger Kerl.

Der Meisterspieler gibt Tipps an die Jugend weiter

Braun, der Hauptgefreite, der bis Ende Mai der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehört, gibt seine Spielzüge auch gerne an die Jugend weiter. So möchte der Großmeister beispielsweise den Schachspieler in Ermannhausen ab sofort etwa ein Mal im Monat mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Ich hoffe, ich kann alle Fragen beantworten und den Spielern ein paar Züge erlernen“, gibt sich Braun wiederum bescheiden. Immerhin habe er schon einmal Trainingsstunden gegeben, die Teilnehmer haben zwar berichtet, wie hilfreich diese Lehrstunden waren, doch Braun zweifelt: „Wer weiß, vielleicht haben die das auch nur gesagt, um mich nicht zu enttäuschen.“ Es scheint, als glaube der 21-Jährige nicht wirklich an sich und sein Talent. Doch sitzt er erst am Schachbrett, redet über Spielzüge und lässt die Figuren nur so übers Brett huschen, spürt man seine Begabung und seine Freude beim Spiel.

Mit fünf Jahren fesselte Arik Braun das Schachbrett

Lässig, doch gleichermaßen befangen erklärt er den Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren die Entwicklung einer Schachpartie, Einstiegsmöglichkeiten und wie sie am besten Druck ausüben können. Braun weiß, wie wichtig ein guter Trainer in jungen Jahren ist. Er selbst lernte das Spiel mit Bauer, Springer und Dame im Alter von fünf Jahren. „Ich war mit meiner Schwester auf Erkundungstour durchs Haus, da haben wir das Brett entdeckt und wollten wissen, was damit gespielt wird“, erinnert Braun sich zurück. Das Spiel mit den 32 Figuren ließ ihn von da an nicht mehr los. Mit sechs Jahren ging er in Backnang in den Verein. Der Trainer erkannte schnell sein Talent und förderte es. „Zum Glück, denn die jungen Lehrjahre sind wichtig“, weiß er aus eigener Erfahrung. Aus diesem Grunde möchte Braun die Jugend in Erdmannhausen lehren und vorantreiben, um erfolgreich im Schach zu werden.

Ein Talent, das kein Profispieler werden will

Braun seinerseits sieht seine Zukunft nicht als Profischachspieler. Er möchte ab Oktober studieren. Was, weiß er nicht, jedenfalls keine Sprachen. Das Studium wird ihm dann allerdings wichtiger sein als das strategische Brettspiel. „Mit dem Schach kann ich vielleicht das Studium finanzieren, aber davon Leben kann ich nicht. Da müsste ich ein Topspieler der Weltelite werden“, weiß Braun. Und das strebt der zurückhaltende Allmersbacher im Moment nicht an. Er möchte der bleiben, der er ist – eben ein ganz normaler, sympathischer Kerl und kein klischeehafter Schachspieler.

Melanie Bürkle, Melanie Bürkle

Melanie Bürkle - Hallo! Seit November 2008 gehöre auch ich als Freie Autorin zu den Suite101-Autoren. Nach meinem Abitur 1999 absolvierte ich ...

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