Armadillos - Gürteltiere wie Kugelgürteltier und Riesengürteltier

Gürteltier - Miroslav
Gürteltier - Miroslav
Die Mitglieder der Familie der Gürteltiere stellen sich vor. Ein näherer Einblick in die Verschiedenartigkeit der einzelnen Arten der Dasypodidae.

Sie umspielen eine ganze Bandbreite; vom kleinsten Gürteltier, dem Gürtelmull, knapp hamstergroß, reicht es bis zum schafgroßen Riesengürteltier; allesamt mit Panzer versehene Säugetiere der südamerikanischen Tierwelt.

Systematik nach der Einteilung von McKenna & Bell 1997

  • Klasse: Säugetiere (Mammalia)
  • Überordnung: Nebengelenktiere (Xenarthra)
  • Ordnung: gepanzerte Nebengelenker (Cingulata)
  • Familie: Gürteltiere (Dasypodidae)
  • Tribus: Weichgürteltiere (Dasypodini)
  • Tribus: Borstengürteltiere und Gürtelmulle (Euphractini)
  • Tribus: Riesen- und Nacktschwanzgürteltiere (Priodontini)
  • Tribus: Kugelgürteltiere (Tolypeutini)

Eine Tribus (Mehrzahl: Tribus oder Triben) ist in der Systematik der Biologie eine Rangstufe zwischen Unterfamilie und Gattung. Der wissenschaftliche Name einer Tribus endet in der Zoologie auf -ini.

Die Familie der Gürteltiere (Dasypodidae)

Die Gürteltiere, die kleinen gepanzerten Rittern ähneln, gehören innerhalb der Säugetiere zu den Nebengelenktieren. Ökologisch gesehen sind die Nebengelenktiere, dazu gehören noch Ameisenbär und das Faultier, eine nicht sehr erfolgreiche Gruppe der Säugetiere: Sie stellen lediglich einen kleinen Prozentsatz der Artenvielfalt der höheren Säugetiere dar und haben ein kleines Verbreitungsgebiet. Die Gürteltiere sind eine Tiergruppe der südamerikanischen Fauna. Ihr spanischer Name "Armadillos", was soviel heißt, wie "die Gepanzerten", weist schon auf ihr spezielles Körpermerkmal hin. Einige Arten haben sich bis in die südlichsten Gebiete Nordamerikas verbreitet. Alle Gürteltiere bevorzugen eher trockene Lebensräume, wie Halbwüsten, Savannen, Steppen.

Innerhalb der Familie der Gürteltiere gibt es 20 Arten. Allen gemeinsam ist der in Gürteln und Schilde unterteilte Panzer, der je nach Art in der Anzahl der Gürtel, von 2 bis 25 Gürteln (cinctus), variieren kann. Schilde und Gürtel sind durch Hautfalten beweglich miteinander verbunden, was ihnen ermöglicht sich blitzschnell zusammen zu rollen. Ihre spezielle Nahrung sind Insekten, die sie mit ihrer langen klebrigen Zunge auflecken. Darauf deutet auch ihre meist röhrenförmig verlängerte Schnauze mit den wurzellosen Zähnen hin (Zahnarme=Pilosa). Die Gürteltiere haben eine ungewöhnlich niedrige Körpertemperatur, weshalb sie in der medizinischen Forschung auch als Versuchstiere für Lepraforschung gefragt sind. Manche Gürteltierarten sind als leicht zu zähmende Haustiere beliebt, auch weil sie gute Schädlingsbekämpfer sind. Andererseits werden sie wegen ihres Fleisches auch bejagt (Schweinefleisch der Armen) und die Panzer der toten Tiere werden als exotische Körbe an Touristen verkauft.

Weichgürteltiere (Dasypodini)

  • Gattung: Weichgürteltiere (Dasypus)
  • Art: Kappler-Weichgürteltier (Dasypus kappleri)
  • Art: Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus)
  • Art: Pelzgürteltier (Dasypus pilosus)
  • Art: Siebenbinden-Gürteltier (Dasypus septemcinctus)
  • Art: Dasypus hybridus
  • Art: Dasypus sabanicola

Weichgürteltiere haben einen eher leichten dünnen Panzer. Sie sind gelblich bis schwarzbraun. Sie sind in der Dämmerung und nachts aktiv. Den Tag verschlafen sie oft zu mehreren (aber immer nur Weibchen oder nur Männchen gemeinsam) in Bauten. Sie kommen bis zu 3.000 m Höhe vor. Ihre Verbreitung reicht von Mittelargentinien bis Kansas und Missouri. Das bekannteste Gürteltier dieser Gattung ist das Neunbindengürteltier (Dasypus novemcintus). Das Neunbindengürteltier hat es sogar auf das Staatswappen von Texas gebracht. Bei diesem Gürteltier ist vor allem die immer erfolgende Vierlingsgeburt bemerkenswert (Polyembryonie). Bei der Polyembryonie wird nur ein Ei befruchtet, das sich zu mehreren Embryonen teilt. Die Jungtiere sind also immer eineiige Mehrlinge. Forscher gehen davon aus, dass sich die Jungtiere beim Aufwachsen gegenseitig helfen. Altruistisches Verhalten erweist sich evolutionär als besonders günstig. Ein enger Kontakt ist jedoch nur bei Jungtieren zu beobachten. Man vermutet, dass das besonders enge soziale Zusammenspiel der Jungtiere sich als so erfolgreich erwiesen hat, dass es beibehalten wurde.

Borstengürteltiere und Gürtelmulle (Euphractini) mit dem kleinsten Gürteltier, dem Gürtelmull

  • Gattung: Gürtelmulle (Chlamyphorus)
  • Art: Gürtelmull (Chlamyphorus truncatus) Argentinien
  • Art: Burmeister-Gürtelmull (Chlamyphorus retusus) Bolivien
  • Gattung: Zaedyus
  • Art: Zwerggürteltier (Zaedyus pichiy)
  • Gattung: Euphractus
  • Art: Sechsbindengürteltier (Euphractus sexcinctus) auch Weißborsten-Gürteltier
  • Gattung: Chaetophractus
  • Art: Braunborsten-Gürteltier (Chaetophractus villosus)
  • Art: Chaetophractus nationi
  • Art: Chaetophractus vellerosus

Die Gürtelmulle, die Winzlinge unter den Gürteltieren, leben vorwiegend unterirdisch. Der Rückenschild ist nur locker verwachsen, dafür ist der Beckenschild stärker ausgeprägt. Die Augen sind sehr klein und die Ohren bestehen nur aus winzigen Hautfalten. Die Nasenlöcher schauen am verhornten Schnauzenende nach unten und sind von innen verschließbar. Die Gürtelmulle leben im Sandboden der mit Kakteen und Dornbüschen bestandenen Ebenen. Sie kommen nur in den niederschlagsarmen Gebieten vor. An die Oberfläche kommen sie nur nachts. Ameisen, Termiten, Insektenlarven, Würmer und Schnecken sind ihre Speisekarte. Gefährdet sind sie durch Veränderungen in ihrem Lebensraum.

Sechsbindengürteltier und Braunborsten-Gürteltier ähneln großen Kellerasseln, sie sind sehr flach. Zwischen den Rückenpanzerplatten stehen Borsten heraus. Diese Tiere leben in mit Gras ausgepolsterten unterirdischen Bauten. Sie streifen sowohl tags, als auch nachts umher, sind auch in Feldern und Gärten anzutreffen. Da sie oft unterirdische Gänge nahe der Oberfläche bauen, in die Bauern oder Gauchos dann einbrechen, sind sie bei den Menschen äußerst unbeliebt. Als einzige Art fressen sie auch Aas und Schlangen. Ein besonderes Verhalten wiederum weist das in Patagonien lebende Zwerggürteltier (Zaedyus pichiy) auf, denn es hält sogar eine Art Winterschlaf.

Riesen- und Nacktschwanzgürteltiere (Priodontini) mit dem größten Gürteltier, dem Riesengürteltier

  • Gattung: Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous)
  • Art: Kleines Nacktschwanzgürteltier (Cabassous chacoensis)
  • Art: Cabassous tatouay
  • Art: Cabassous centralis
  • Art: Großes Nacktschwanzgürteltier (Cabassous unicinctus)
  • Gattung: Priodontes
  • Art: Riesengürteltier (Priodontes giganteus)

Das Riesengürteltier ist mit seiner Größe von etwa 100 cm Länge, 50 cm Schwanzlänge und einem Gewicht von bis zu 60 kg der Riese unter den rezenten Gürteltieren. Es hat relativ kurze stämmige Beine. Das Besondere am Riesengürteltier, außer der Größe, ist die dritte Vorderfußkralle, die sowohl als Grabklaue, als auch zum Aufreißen von Termitenbauten dient. Sie kann zwischen 15 und 20 cm lang werden und ist die größte Kralle im Tierreich. Im Gegensatz zum Ameisenbären zerstört das Riesengürteltier auf seinem Weg den ganzen Termitenbau. Auf Schwanz und Hinterbeine gestützt kann es sich sogar aufrichten. Es ist sehr menschenscheu, Vorkommen von Venezuela bis Nordostargentiniern und Uruguay.

Kugelgürteltiere (Tolypeutini)

  • Gattung: Kugelgürteltiere (Tolypeutes)
  • Art: Kugelgürteltier (Tolypeutes matacus)
  • Art: Dreibinden-Kugelgürteltier (Tolypeutes tricinctus)

Die Kugelgürteltiere bewohnen bevorzugt offenes Grasland, ihr Verbreitungsraum reicht von Bolivien bis Mittelargentiniern. Der Schulter- und der Kruppenschild sind durch zwei bis vier Gürtel verbunden und können so eng zusammen gezogen werden, dass sie eine hermetisch geschlossene Kugel bilden. Damit ihnen kein Bauchfett im Wege ist, hat diese Art das Fett am Rücken gelagert. Das einzige Tier, das imstande ist, ihren zur Kugel gerollten Panzer aufzubrechen, ist der Jaguar. Das Kugelgürteltier benutzt nur Mulden zum Schlafen und Ruhen, errichtet selber keine Erdbauten. Zum Abschluss noch ein Video eines besonders unterhaltsamen Gürteltiers.

Quellen: Bertelsmann Tierlexikon; www.uniprotokolle.de

Bilder: Miroslav, pixelio.de

Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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