Torrijas in Spanien eine Fastenspeise

Spanische Arme Ritter - eine internationale Süßspeise

Torrijas mit Aguamiel - Margit Kunzke
Torrijas mit Aguamiel - Margit Kunzke
Was in Deutschland einst ein Resteessen für altbackenes Brot war, ist in Spanien ein typischer Nachttisch in der Fastenzeit. Schnell gemacht, schmackhaft und sättigend.

Arme Ritter steht für eine klassische, bekannte Süßspeise. Arme Ritter sind nicht nur international sondern auch uralt. Schon die Römer kannten sie.

Der römische Feinschmecker Apicius beschreibt die Zubereitung der Armen Ritter bereits vor 2.000 Jahren in seinem Kochbuch: „Zerbrich abgeriebene Siligenen (ein Weizengebäck), mache größere Häppchen, tauche sie in Milch, röste sie in Öl, übergieße sie mit Honig und serviere sie.“

Im „Buch von guter spyse“ einem Kochbuch aus dem 14. Jahrhundert, werden die Armen Ritter erstmals im deutschprachigen Raum schriftlich erwähnt „„snit denne aht snitten arme ritter und backe die in smalze nicht zu trüge.“

Die Gebrüder Grimm erwähnen das in ihrem Deutschen Wörterbuch. Die Bezeichnung Arme Ritter für die Süßspeise soll am Ende des Mittelalters entstanden sein. Da waren offenbar viele Rittergeschlechter so verarmt, daß Brot für sie das einzige bezahlbare Nahrungsmittel war.

Eine internationale Süßspeise mit vielen Namen

Schon im deutschsprachigen Raum kommen die Armen Ritter in vielen Namensversionen daher: Rostige Ritter, Weckschnitten, Gebackener Weck, Semmelschnitten, Kartäuserklöße oder Blinder Fisch werden sie genannt.

Als Süßspeise sind sie ziemlich international. Die Engländer kennen sie als Poor Knights of Windsor, die Amerikaner als French Toast, die Franzosen als Pain Perdu und die Spanier als Torrijas, in der Schweiz sagt man Fotzelschnitten, in Bayern und in Österreich sind es die Pofesen oder Pavesen.

In Portugal werden die Armen Ritter Rabanadas benannt und sind ein traditionelles Weihnachtsgebäck, das Heiligabend und über die Weihnachtstage gegessen wird.

Torrijas als sättigende Fastenspeise

In den Jahrhunderten der Existenz der Armen Ritter enstanden auch etliche Varianten, mal süß, mal pikant oder deftig. Die traditionellen Grundzutaten sind jedoch immer gleich: Altbackenes Brot in gewürzter Milch eingeweicht, in verrührte Eier getaucht und in Butterschmalz oder Öl ausgebraten.

Sehr sättigend ist die spanische Version Torrijas. Sie wird deshalb gern in der Fastenzeit gegessen. Die Brotscheiben werden zunächst in mit Zucker gesüßter und mit Zimt gewürzter Milch eingeweicht, danach in leicht geschlagenem Ei gewendet und schließlich in einer Pfanne gebraten. Zum Schluss werden sie in Weißwein, einem süßem Wein oder Likör getränkt und mit einer Mischung aus Wasser und Honig (aguamiel) beträufelt.

Rezepte für Arme Ritter - spanische Torrijas mit Wein und Honig

Zutaten für 4 Personen

16 Scheiben altbackenes Weißbrot ohne Kruste

375 ml trockener Sherry

375 ml Pedro Ximénez Wein

6 Eier

4 EL Orangenblütenhonig

1/4 l Honig

1 /4 l Wasser

1 Zimtstange

1/4 l Olivenöl

Zucker und Zimt

Sherry und Pedro Ximénez Wein in einen Topf geben und mit der Zimtstange auf kleiner Flamme solange kochen, bis die Flüssigkeit um die Hälfte reduziert ist. Zimtstange entfernen. Abkühlen lassen.

Das Brot in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Die Eier mit etwas Zucker schaumig schlagen. Olivenöl erhitzen. Die Brotscheiben erst durch den Wein ziehen, dann durch die Eier. In reichlich heißem Olivenöl auf beiden Seiten goldbraun backen. Auf Küchenpapier legen und abtropfen lassen.

Honig und Wasser mit etwas Zucker für den Glanz auf kleinem Feuer solange kochen, bis das Honigwasser dickflüssig wird. Vom Feuer nehmen und die Torrijas damit beträufeln. Mit Zimt überpudern und sofort servieren.

Arme Ritter klassisch

für 6 Personen

300 ml Milch

2 Eier

50 g Zucker

¼ TL Zimt

6 Scheiben altbackenes Weißbrot ca. 2 cm dick

50 g Butterschmalz oder 5 EL Sonnenblumenöl

Nach Geschmack Honig oder Ahornsirup

Die Milch mit Eiern, Zucker und Zimt verrühren. Kastenweißbrot in einen tiefen Teller legen. Mit der Eiermilch übergießen und einweichen, dabei ein- bis zweimal vorsichtig wenden, bis die Milch aufgesogen ist. Die Scheiben dürfen aber nicht zu weich werden.

Butterschmalz oder Öl in einer Pfanne erhitzen. Die Brotscheiben darin portionsweise bei mittlerer Hitze von beiden Seiten in etwa 8 Min. knusprig braun braten. Auf Küchenpapier kurz abtropfen lassen.

Die Armen Ritter heiß servieren.

Wer mag, kann sie mit Honig oder Ahornsirup beträufeln. Auch Pflaumenkompott oder Apfelmus schmecken gut dazu.

Für eine pikante Version der Armen Ritter lässt man Zucker und Zimt weg und würzt die Eier-Milch mit feingehackten Kräutern und etwas Salz. Mit einem knackgen Salat ist das ein deftiges Mittaggessen.

Eher für Erwachsene ist diese alkoholische Version gedacht:

Versoffene Jungfrau

6 altbackene ca. 2 cm dicke Weißbrotscheiben

300 ml Rotwein

1 Zimtstange, 2 Nelken

1 Stück Zitronenschale

50 g Zucker

5 EL Öl

Rotwein, Zimtstange, Nelken, Zitronenschale und Zucker kurz aufkochen.In einen tiefen Teller gießen. Brotscheiben darin einweichen. Dabei das Brot einmal umdrehen.

Öl in einer Pfanne erhitzen. Eingeweichte Brotscheiben darin portionsweise von beiden Seiten in circa 8 Min. knusprig braun braten.

Margit Kunzke, Margit Kunzke

Margit Kunzke - Fast ein Vierteljahrhundert lebe und arbeite ich in Spanien als Journalistin. Gelernt habe ich mein journalistisches Handwerk nach dem ...

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