Armut in der Wohlstandsgesellschaft in Deutschland

Armut in der Wohlstandsgesellschaft - Stefan Dassler
Armut in der Wohlstandsgesellschaft - Stefan Dassler
Was Armut ist, variiert von Gesellschaft zu Gesellschaft und historisch von Zeitabschnitt zu Zeitabschnitt.

Heute unterscheidet man zwischen existenzieller Armut (beispielsweise in Entwicklungsländern) und Einkommensarmut (beispielsweise in Europa). Existenziell arm sind Menschen, die um das Überleben kämpfen, weil für sie Nahrung und Trinkwasser knapp sind. Nach den Statistiken der OECD gilt als existenziell arm, wer ein verfügbares Einkommen von weniger als 1 US-Dollar pro Tag hat.

Was ist Einkommensarmut?

Einkommensarmut in Europa definiert der Rat der Europäischen Union in unserer Wohlstandsgesellschaft folgendermaßen: Von Armut betroffen sind Einzelpersonen, Familien oder Personengruppen, die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist. Für die europäische vergleichende Armutsforschung gilt als „streng arm“, wer mit weniger als 40 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens auskommen muss.

Die offizielle Armutsgrenze in Deutschland wird oftmals mit dem Mindestbedarf, der durch Sozialhilfe garantiert ist gleichgesetzt. In den folgenden Jahren betrug die Anzahl der Sozialhilfeempfänger:

1991: 1,82 Millionen

1994: 2,50 Millionen

1997: 2,89 Millionen

2000: 2,68 Millionen

2003: 2,81 Millionen

(Quelle: Statistisches Bundesamt)

Die Sozialhilfestatistik erfasst jedoch nicht die „Dunkelziffer der Armut“. Viele arme Menschen scheuen den Gang zum Sozialamt.

Welche Risikogruppen für Armut gibt es in Deutschland?

Als Risikogruppen für Armut werden in der Wohlstandgesellschaft Bevölkerungsgruppen mit einem besonders hohen Anteil von Armen bezeichnet.

1960er/1970er Jahre: Alte Menschen; allein erziehende Frauen.

1980er Jahre: Arbeitslose.

2000er Jahre: Kinder und Jugendliche; Migranten; Hartz-IV-Empfänger.

Trainingsaufgabe:

Textauszug/Interview: Frau Friedrich, ist das Thema Armut in Deutschland medial überhöht?

Gerdlin Friedrich: Nein, konkrete Armut existiert. Manchmal tritt sie gar nicht in Erscheinung. Ich habe einmal eine Familie kennen gelernt, da lebten acht Personen in zwei Zimmern, vier Kinder schliefen in einem Bett, ein kleiner Schrank war das einzige Mobiliar. Der Vater, ein Kurde, lebte vom Rosenverkauf. Er beantragte keine Sozialhilfe, nichts, denn es entsprach nicht seinem Verständnis von Würde, vom Staat etwas anzunehmen. Lieber ließ er die Familie in tiefer Armut leben. Die Kinder hatten nur eine Jacke, eine Hose, waren schmutzig, lebten isoliert und völlig aus der Welt.

(Quelle: Internet http://www.bpb.de/publikationen/5EKME5.html vom 20.08.2008)

1. Nennen Sie weitere Beispiele für konkrete Armut in Deutschland.

2. Wie wirkt sich Armut in der Wohlstandsgesellschaft auf das Bildungsverhalten aus?

3. Welche Faktoren beeinflussen die Berufswahl in der Wohlstandsgesellschaft?

4. Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen der Wohlstandgesellschaft und sozialer Mobilität? Beziehen Sie sich auch auf das Beispiel in dem Interview.

Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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