
- Traditionelle indische Hochzeit - Harpreet Padam auf stock.xchng
Trotz des Modernisierungs-Booms in Wirtschaft und Gesellschaft bleiben in Indien arrangierte Ehen die Norm. In der Regel sind es dabei die Eltern, die eine aktive Rolle bei der Partnersuche ihrer Kinder übernehmen, oft sind aber die ganze Familie und sogar Bekannte einbezogen. Die Gründe für diese Tradition liegen unter anderem in der indischen Kultur mit ihrer strengen Geschlechtertrennung, die zum Beispiel romantische Verabredungen vor der Ehe in traditionell gesinnten Familien ausschließen.
Der perfekte Bräutigam und die vollkommene Braut
Bei der arrangierten Ehe gibt es viele verschiedene Eigenschaften bei der Partnerwahl zu beachten: Religionszugehörigkeit, Sprache, Wohnort, soziale Stellung, Bildung, Kaste, Alter, Größe und Hautfarbe. Aber Eltern potentieller Bräute oder Bräutigame schauen auch nach inneren Qualitäten und Werten: Wird der potentielle Ehepartner eine guter, verantwortungsvoller Ehemann und liebevoller Vater sein? Kann er eine Familie versorgen? Wird die zukünftige Ehefrau eine liebevolle Partnerin und fürsorgliche Mutter sein? Kann sie einen Haushalt führen? Und vor allem: Wird sie gut mit den Schwiegereltern kooperieren?
Verschiedene Arten der arrangierten Ehe
Die Spannbreite der arrangierten Ehen reicht von Zwangsheirat-ähnlichen Formen, bei der die potentiellen Eheleute nur wenig Wahlmöglichkeiten haben beziehungsweise von Eltern und Verwandten unter Druck gesetzt werden bis zu modern-liberalen Formen mit großer Wahlfreiheit, Eigenbestimmung und einem gewissen Schuss Romantik. Allen Formen der arrangierten Ehe gemeinsam ist, dass die Eltern und oft auch die Großfamilie eine wichtige Rolle bei der Partnersuche spielen.
Vetorecht und Mitwirkung
Ein oft genanntes Argument für die arrangierte Ehe ist, dass Eltern durch ihre größere Erfahrung und Reife besser in der Lage sind, einen geeignete/n Partner/in für ihre Kinder zu finden als die potentiellen Eheleute selbst. Mündliche Empfehlungen und Tipps spielen bei der arrangierten Partnersuche ebenso eine Rolle wie Heiratsanzeigen (sowohl in Zeitungen als auch im Internet). Es ist heutzutage üblich, dass die jungen Leute zumindest gefragt werden, ob sie mit der Auswahl der Eltern einverstanden sind. Neben einem passiven Vetorecht wird es aber zunehmend üblich, dass junge Heiratswillige selbst aktiv bei der Partnersuche mitwirken, was durch Heiratsanzeigen und vor allem Online-Partnerbörsen problemlos möglich ist.
Liberale Formen der arrangierten Ehe
Viele liberale Eltern sind gerne bereit, die Vorschläge ihrer heiratswilligen Kinder zu berücksichtigen. Welche Variante auch immer gewählt wird, es muss dabei die ganze Familie inklusive Großeltern und naher Verwandter einbezogen werden, da eine Ehe in Indien nicht bloß als Verbindung zwischen zwei Individuen, sondern zwischen zwei Familien gesehen wird. Man könnte die indische Form der arrangierten Ehe auch als gut organisierte, inter-familiäre Partnervermittlung mit Eheberatung bezeichnen.
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