ARTE zeigt Schönbergs "Moses und Aron"

Willy Decker hat die Oper für die Ruhrtriennale inszeniert

Szenenbild moses und aron - Ruhrtriennale 2009-2011
Szenenbild moses und aron - Ruhrtriennale 2009-2011
Die Aufzeichnung dokumentiert eindrucksvoll die ungewöhnliche Einstudierung um das Ringen um Gottes Gegenwart in seinen Gesetzen.

Der in Wien geborene Komponist Arnold Schönberg (1874-1951) hat seine monumentale, erst posthum 1957 uraufgeführte Zwölf-Ton-Oper „Moses und Aaron“ nicht vollendet. Aber auch das knapp zwei Stunden dauernde Fragment manifestiert die tiefe Frömmigkeit des jüdischen Musikers.

Der Intendant der Ruhrtriennale, Willy Decker (als Opernregisseur international renommiert), hat das selten gespielte Werk im August 2009 zur Eröffnung inszeniert. Die Aufführung in der Bochumer Jahrhunderthalle ist von der Kritik einhellig gelobt worden. Am 16. November 2009 zeigt der deutsch-französische Kulturkanal ARTE eine Aufzeichnung – der brutal-realistischen Blut- und Sexorgie gegen Schluss wegen gezwungenermaßen zu sehr später Stunde. Jugendfrei ist die Inszenierung gewiss nicht…

Massenspektakel mit 200 Mitwirkenden

Decker stehen herausragende Solisten und im von Rupert Huber einstudierten Chorwerk Ruhr eine gewaltige Masse von zweihundert Mitwirkenden zur Verfügung. Dem Regisseur sind ungemein beeindruckende Bilder gelungen, die in der Fernsehaufzeichnung durch die Bild-Regie von Hannes Rosacher noch um Etliches gewinnen.

Schon die Anordnung des von dem Generalmusikdirektor des Gran Teatre del Liceu in Barcelona Michael Boder geleiteten Bochumer Symphonieorchesters beiderseits eines zur riesigen Bühne gehörenden Podiums ist ungewöhnlich. Musiker und Mitwirkende spielen teilweise unmittelbar vor den ersten Zuschauern, teilweise verlagert sich die Handlung auch unter diese.

Das unerbittliche Gesetz Gottes muss umgesetzt werden

Und diese Handlung ist atemberaubend. Schönberg setzt das 1. Buch Mose in Bildern und Klängen um. Moses (Dale Duesing) ist bei ihm die Personifizierung des unerbittlichen Gesetzes Gottes, Aaron Andreas Conrad) dagegen der charismatische Volksführer. Beide ringen um die Macht im Volk Israel, Beiden geht es um die Vermittlung des Unvermittelbaren: Der Gegenwart des einen Gottes – einzig, allmächtig, unvorstellbar. Eine Aufgabe, an der insbesondere Moses schier verzweifelt.

Das Volk aber ist durchaus nicht so erpicht darauf, die Strenge der Gesetze dieses Gottes zu beachten. Es will seinen Vergnügungen nachgehen – ein Vergnügen, das in einer überaus realistischen, mit viel-Theaterblut ausgestatteten Opfer- und Sexorgie kumuliert. Ein Volk, das auch wenig davon hält, dass es sich keine Bilder machen darf und das für die Zehn Gebote nur Verachtung hat. Ilse Eerens, Finnur Bjamarson, Boris Grappe, Renatus Mészár, Karolina Guzmos, Boris Grappe und Michael Smallwood als Vertreter dieses Volkes sind großartige Sänger und herausragende Darsteller. Wie denn überhaupt die Massenszenen von großer Eindringlichkeit sind.

Zwölf-Ton-Sprache konsequent umgesetzt

Sicher – Schönbergs Musiksprache ist gewöhnungsbedürftig, aber auch von großer Wucht. Über weite Strecken lässt der Komponist seine Zuhörer kaum Luft zum Atmen. Eine märchenhafte Aufführung hat der Rezensent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung diese Inszenierung genannt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Arnold Schönberg hat nach konservativen Anfängen noch vor dem Ersten Weltkrieg mit der von ihm geschaffenen Zwölf-Ton-Technik etwas epochal Neues erdacht. Damit hat er anfänglich seine Zeitgenossen arg verschreckt.

Arnold Schönberg, Moses und Aaron, Montag, 16. November 2009, 23.05 Uhr, auf ARTE

Horst Schinzel, Valentina Jermakova

Horst Schinzel - Ich bin seit mehr als fünfzig Jahren journalistisch und publizistisch tätig. In den Siebziger Jahren habe ich einen Kleinverlag ...

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