Krallenschärfen, Verscharren und Markieren

Die natürlichen Bedürfnisse der Katze besser verstehen

Verhalten dient Konfliktvermeidung - Ruth Lisa Knapp
Verhalten dient Konfliktvermeidung - Ruth Lisa Knapp
Katzen leben ihre angeborenen Bedürfnisse auch beim Zusammenleben mit Menschen aus, teils zur Freude, teils zum Leidwesen ihrer Besitzer. Warum sie es tun:

Viele liebenswerte Eigenschaften zeichnen unsere kätzischen Hausgenossen aus, aber auch einige Verhaltensweisen, die wir in unseren Wohnungen nicht so gerne haben. Hilfreich zu wissen, dass das alles von Natur aus sinnvoll und nicht gegen uns gerichtet ist.

Das Krallenschärfen

Das Schärfen der Krallen ist eine Tätigkeit, deren Sinn sofort einleuchtet: Der Jäger muss seine Waffen zum Ergreifen der Beute jederzeit einsatzbereit haben. Dabei wird der Streck- und Beugemechanismus trainiert und die äußere Hornhülle abgestreift, so dass die Krallen wieder frisch und spitz sind. Zum prophylaktischen Kratzen benutzt die Katze draußen meist Baumstämme oder Zaunpfähle, in der Wohnung Türpfosten, Teppiche und Möbel. Doch lassen sich die meisten Katzen dazu erziehen, geeignete Kratzbretter oder Kratzbäume zu benutzen und Omas Sofa in Frieden zu lassen. Beim Kratzen wird gleichzeitig das Terrain markiert, und zwar optisch durch die sichtbaren Kratzspuren und olfaktorisch durch den Duft aus den Drüsen, die sich zwischen den Ballen der Vorderpfoten befinden. So imprägniert die Katze die Kratzstelle mit ihrem Eigengeruch und drückt damit aus: Das ist mein Kratzbaum, mein Heim, mein Territorium.

Das Verscharren der Exkremente

Wer kennt das nicht: Wenn die Katze mal muss, gräbt sie zunächst ein Loch, setzt sich darüber, entleert sich und scharrt es ordentlich wieder zu. Auch innerhalb der Wohnung, auf dem Katzenklo, verhält sie sich so und steht daher in dem Ruf, besonders sauberkeitsliebend zu sein. Diese uns Menschen sehr willkommene Verhaltensweise hat allerdings nichts mit einem ausgeprägten Sinn für Hygiene zu tun. Katzen vergraben ihren Kot und Urin und verhindern so die Ausbreitung des penetranten Geruchs, um andere Artgenossen nicht zu provozieren. Der Geruch verschwindet ja nicht ganz, denn ein gewisses Signal, ein bescheidenes „Ich-war-da“ sendet auch das verscharrte Geschäft aus.

Bei frei lebenden Katzen wurde beobachtet, dass dominante Kater ihren Kot nicht verscharren, sondern ihn gern offen auf Bodenerhebungen platzieren, so dass sich der Gestank weithin ausbreiten kann. Daraus schloss man, dass das Verscharren eine Geste der Unterordnung ist. Als solche dient es der friedlichen Koexistenz mit Artgenossen und erspart manchen Kampf. Bei der domestizierten Katze kann man es als Unterordnung unter den Menschen deuten, der ihr eindeutig physisch überlegen und von dem sie als Hauskatze futtermäßig abhängig ist.

Das Markieren: Duftmarken kennzeichnen das Territorium der Katze

Markieren gehört zum Kommunikations-, nicht zum Ausscheidungsverhalten und dient dem Kennzeichnen des eigenen Territoriums. Gemeint ist das wiederholte Versprühen kleiner Mengen konzentrierten Urins an markanten, strategisch wichtigen Stellen. Die Katze beschnuppert eine vertikale Fläche, dreht sich um und spritzt im Stehen und mit erhobenem Schwanz, dessen Spitze zittert, gegen die Stelle, die die Duftmarke erhalten soll. Gescharrt wird nicht. Das würde auch keinen Sinn machen, man möchte ja gerochen werden. Bevorzugte Orte im Haus sind Türpfosten, Möbelkanten, der Lieblingssessel oder einfach eine Wand. Beliebt sind auch Elektrogeräte, die wegen ihrer Wärmeausstrahlung den Geruch besonders gut konservieren. Manchmal werden Kleidungsstücke, Taschen oder andere persönliche Gegenstände des Menschen besprüht. Die Katze möchte so ihre Zugehörigkeit zu dieser Person betonen.

Nicht nur viele potente Kater markieren, sondern gelegentlich auch kastrierte und sogar manche Kätzin während der Rolligkeit, aber in viel geringerem Umfang. Kastration hilft also nicht immer gegen das Problem des üblen Geruchs. Unterdrücken lässt sich dieses vom Instinkt gesteuerte Verhalten nicht, höchstens durch konsequente Umgewöhnung nach draußen verlagern. - Aber wenn man bedenkt, dass wir Menschen nicht nur Mauern und Schließanlagen brauchen, um unseren Besitz abzugrenzen, sondern auch umfangreiche Gesetzeswerke, Polizei und Gerichte, dann scheint der Gebietsschutz, den die Katzen durch ihre Duftmarken praktizieren, doch eine kluge und sehr ökonomische Maßnahme zu sein.

Vom Sinn willkommener Verhaltensweisen wie Schnurren und Köpfchengeben handelt ein weiterer Artikel.

Ruth Lisa Knapp, Ruth Lisa Knapp

Ruth Lisa Knapp - Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie war ich als Lehrerin im In- und Ausland tätig, später als ...

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