
- Arbeitsagenturen können Arbeitslosigkeit verkürzen - Arbeitsagentur
Der Begriff Arbeitslosigkeit wird im Sozialgesetzbuch (SGB) definiert und beschreibt die Beschäftigungslosigkeit eines Teils der arbeitswilligen und arbeitsfähigen Bevölkerung. Ursache dafür können zum Beispiel mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage (Beschäftigungsdefizit) oder ein Überschussangebot an Arbeitskräften sein. Die Unterscheidung der verschiedenen Arten der Arbeitslosigkeit ist insofern wichtig, als dass sie unterschiedlicher Gegenmaßnahmen bedürfen.
Definition des Begriffs Arbeitslosigkeit
Als arbeitslos werden laut §119 SGB III Arbeitnehmer angesehen, die weniger als 15 Stunden wöchentlich arbeiten oder in überhaupt keinem Beschäftigungsverhältnis stehen. Neben dem Recht auf Leistungen, haben sie auch Pflichten. Dazu gehören:
- Bemühung zur Beendigung der Beschäftigungslosigkeit
- Verpflichtung, alle Möglichkeiten beruflicher Eingliederung wahrzunehmen und dabei mitzuwirken
- Agentur für Arbeit bei ihren Bemühungen eine neue Beschäftigung zu finden, zur Verfügung zu stehen.
Friktionelle Arbeitslosigkeit
Als friktionelle Arbeitslosigkeit wird die Zeit zwischen der Aufgabe der alten und Aufnahme einer neuen Beschäftigung genannt. Um die Dauer der friktionellen Arbeitslosigkeit so kurz wie möglich zu halten, bedarf es einer gut funktionierenden Arbeitsvermittlung und einer gewissen Flexibilität der Arbeitnehmer. Daneben haben auch folgende Faktoren Einfluss auf die Dauer der friktionellen Arbeitslosigkeit:
- Eigenkündigung oder Kündigung durch den Arbeitgeber
- Qualifikationen
- Anzahl von Arbeitsstellen in der Region
Konjunkturelle Arbeitslosigkeit
Finden Unternehmen aufgrund eines wirtschaftlichen Abschwungs keine ausreichenden Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Arbeitnehmer, kommt es zu konjunktureller Arbeitslosigkeit. Sie ist in Deutschland eine der am weitesten verbreiteten Arten der Arbeitslosigkeit. Zur Bekämpfung der konjunkturellen Arbeitslosigkeit können zum Beispiel folgende arbeitsmarktpolitischen Instrumente eingesetzte werden:
- antizyklische Fiskalpolitik
- Kurzarbeitergeld
- Staatsaufträge
Strukturelle Arbeitslosigkeit
Entsprechen die verfügbaren Arbeitskräfte nicht den Anforderungen der Unternehmen (z.B. was Alter, Gesundheit und Qualifikation betrifft), kommt es zu struktureller Arbeitslosigkeit. In Deutschland ist sie eine der am weitesten verbreiteten Arten der Arbeitslosigkeit. Da es sich bei der strukturellen Arbeitslosigkeit um ein langfristiges Problem handelt, kann ihr hauptsächlich mit arbeitsmarktpolitischen Instrumenten begegnet werden. Dazu zählen:
- Bildungsmaßnahmen und Umschulungen
- Beihilfen für Umzüge
- Pendlerpauschale
- Eingliederungszuschüsse
Saisonale Arbeitslosigkeit
Aufgrund der klimatischen Verhältnisse oder einem saisonalen Nachfragerückgang kommt es zu saisonaler Arbeitslosigkeit. Hierzu zählen beispielsweise die Landwirtschaft und das Baugewerbe im Winter, sowie die Tourismusbranche in der Nebensaison. Die saisonale Arbeitslosigkeit ist von der gesamtwirtschaftlichen Lage weitestgehend unabhängig und tritt jedes Jahr wiederkehrend auf. Möglichkeiten ihr entgegenzuwirken sind zum Beispiel Saison-Kurzarbeitergeld, Staatsaufträge und eine gut funktionierende Arbeitsvermittlung. Allerdings kommt ihrer Bekämpfung weniger Aufmerksamkeit zu als es zum Beispiel bei der strukturellen oder der konjunkturellen Arbeitslosigkeit der Fall ist.
Weitere Arten der Arbeitslosigkeit
Neben den bereits genannten, können noch weitere Arten der Arbeitslosigkeit unterschieden werden. Allerdings ist ihr Anteil an der Arbeitslosenquote relativ gering.
- freiwillige Arbeitslosigkeit - zur Besetzung der Stelle können keine Arbeitnehmer gefunden werden, weil die Löhne zu niedrig oder die Anfahrtswege zu lang sind
- Sockelarbeitslosigkeit - kann selbst bei Vollbeschäftigung (Arbeitslosenquote niedriger als zwei Prozent) nicht vermieden werden, da es immer Arbeitnehmer gibt, die kündigen oder gekündigt werden und daher ohne Beschäftigung sind. Von einer sich erhöhenden Sockelarbeitslosigkeit ist die Rede, wenn während einer Boomphase das Arbeitslosenniveau vor dem Abschwung nicht mehr erreicht werden kann.
- versteckte Arbeitslosigkeit - hierzu zählen Arbeitnehmer, die zwar keiner Beschäftigung nachgehen, jedoch nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen. Etwa weil sie sich nicht arbeitslos melden oder an einer Umschulungsmaßnahme teilnehmen.
- latente Arbeitslosigkeit - Arbeitnehmer die arbeitslos wären, würde ihr Unternehmen sein Humankapital effizienter einsetzen, Arbeitnehmer die in ihrer derzeitigen Position nicht ausgelastet sind, sowie Arbeitnehmer die in ihrer Position überlastet sind
- Wachstumsdefizit Arbeitslosigkeit - entsteht zum Beispiel bei Nachfragedefiziten aufgrund eines Anstiegs der Sparquote oder einer zunehmenden Marktsättigung aufgrund mangelnder Produktinnovationen
Quellen:
Katrin Alisch, Eggert Winter, Ute Arentzen: Gabler Wirtschaftslexikon. Gabler Verlag, 2004. Taschenbuch, 3478 Seiten. Euro 179.
N. Gregory Mankiw: Makroökonomik. Schäffer-Pöschel Verlag, 2003. Broschiert, 628 Seiten. Euro 29,95.
Bundeszentrale für politische Bildung
