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Artenvielfalt in Deutschland weiterhin bedroht

Bundesamt für Naturschutz stellt Rote Liste gefährdeter Arten vor

Storch - Clara Diercks
Storch - Clara Diercks
Die aktuelle Rote Liste der gefährdeten Arten zeigt, dass trotz Biodiversitäts-Konvention in Deutschland auch weiterhin viele Arten vom Aussterben bedroht sind.

In diesen Tagen veröffentlicht das Bundesamt für Naturschutz seine Rote Liste der gefährdeten Arten. Diese umfassende Studie, die nur alle zehn Jahre mit Hilfe vieler ehrenamtlicher Helfer erarbeitet wird, dokumentiert die aktuelle Gefährdungssituation der Tier- und Pflanzenarten in Deutschland und bilanziert so die bisherigen Anstrengungen für den Artenschutz.

Rote Liste für Wirbeltiere

Band I: Wirbeltiere. Dieser zuerst veröffentlichte Teil des umfangreichen Gesamtberichts beschreibt die aktuelle Gefährdungssituation der heimischen Wirbeltiere. Diese machen zwar nur weniger als ein Prozent der in Deutschland lebenden Arten aus; Trotzdem sorgt diese Gruppe stets für besonders viel Aufmerksamkeit, da die Wirbeltiere, zu denen auch Vögel, Fische und Nagetiere gehören, in der Öffentlichkeit die bekanntesten und beliebtesten Lebewesen darstellen. „Bei vielen Arten zeigt der Vergleich ihrer Bestandsentwicklung während der letzten Jahre mit dem vorausgegangenen langfristigen Trend eine erfreuliche Verbesserung ihrer Situation. Durch konsequenten Naturschutz konnten beispielsweise die Vorkommen des Fischotters stabilisiert werden“, fasste BfN-Präsidentin Beate Jessel bei der Vorstellung des Berichts die positiven Entwicklungen zusammen. Prominentestes Beispiel dieser Erholung sind sicherlich die Wölfe, die heute wieder in einigen Regionen frei leben.

Handlungsbedarf für den Artenschutz

Aber dies darf keinesfalls als Entwarnung gedeutet werden: „Bei vielen anderen Arten beobachten wir fortschreitende Rückgänge, die weiteren Handlungsbedarf zeigen. Nach gegenwärtigem Stand wird Deutschland das 2010-Ziel der EU, den Rückgang der biologischen Vielfalt zu stoppen, für den Bereich des Artenschutzes deutlich verfehlen.“ Diese Feststellung ist sicherlich auch als Hinweis für die gerade stattfindenden Koalitionsverhandlungen in Berlin zu verstehen. Und die Zahlen des BfN-Berichts unterstreichen den Handlungsbedarf: Fast ein Drittel der untersuchten Arten wurde als „bestandsgefährdet“ eingestuft. Neun Prozent stehen kurz davor, diesen Status zu erhalten. Und weitere sieben Prozent sind bereits verschwunden.

Vielfältige Gründe für das anhaltende Artensterben

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Nach wie vor gefährdend wirkt sich die anhaltende Zersiedlung der Landschaft und die damit verbundenen Freiflächenverluste aus. Auch der Straßenbau trägt weiterhin maßgeblich zur Zerstörung beziehungsweise Zerschneidung von Lebensräumen bei. Zu diesen altbekannten Problemen gesellen sich heute noch die direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels: So werden immer mehr Tiere und Pflanzen durch die zunehmende Austrocknung einiger Regionen in den Sommermonaten gefährdet. Außerdem hat der durch den Klimawandel angetriebene Energiepflanzenboom zu einer Ausweitung der Landwirtschaft geführt. Viele Felder werden heute intensiver bewirtschaftete als früher üblich. Auch werden einige Flächen, die schon landwirtschaftlich stillgelegt waren und die so als Lebensraum für Tiere und Pflanzen dienten, heute wieder in Betrieb genommen.

Viele gute Vorsätze

Bereits 1992, vor mehr als 17 Jahren, hat Deutschland bei der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro offiziell der Biodiversitäts-Konvention der Vereinten Nationen zugestimmt. Diesem völkerrechtlich bindenden Vertrag folgten weitere Regelwerke wie die 2001 beschlossenen sogenannten „2010-Ziele für die Erhaltung der Biodiversität“ der Europäischen Union und die deutsche Biodiversitätsstrategie aus dem Jahr 2007. Die Rote Liste des Bundesamtes für Naturschutz verdeutlicht aber, dass auch Deutschland trotz all dieser guten Vorsätze noch weit davon entfernt ist, einen angemessenen Beitrag zum weltweiten Artenschutz zu leisten.

Stefan Heimann, Stefan Heimann

Stefan Heimann - Ich habe Elektrotechnik und Philosophie in Aachen und Berlin studiert und beschäftige mich sehr viel mit Umwelt- und Klimaschutz und ...

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