Generell sollte man Arzneitmittel nicht mit Milchprodukten,Milch oder gar Alkohol einnehmen. Diese Grundregel kennen viele. Aber auch z.B. Brokkoli, Rotwein und Käse können gefährliche Wechselwirkungen mit ganz bestimmten Arzneimitteln eingehen.
Bei welchen Arzneimitteln muss man als Patient besonders vorsichtig sein?
Vitamin K- Antagonisten
Zu Gruppe der heiklen Arzneimittel gehören die Vitamin- K- Antagonisten. Die Vitamin K- Antagonisten sind Blutgerinnungshemmer(Antikoagulantien). Dazu gehören z.B. Phenprocoumon (Markumar®) oder Warfarin. Diese Arzneimittel heben die Wirkung von Vitamin K in der Leber auf. Mit Hilfe von Vitamin K synthetisiert der Körper Gerinnungsfaktoren in der Leber. Wird nun ein Vitamin K - Antagonist gegeben, werden in der Leber weniger Gerinnungsfaktoren produziert. Die Folge: die Gerinnungsfähigkeit des Blutes wird herabgesetzt. Gewünscht ist dieser Effekt der Vitamin- K- Antagonisten bei Vorhofflimmern oder künstlichen Herzklappen oder speziell bei Erkrankungen, bei denen die Gefahr der Thrombenbildung besteht. Da Vitamin K umgekehrt die Wirkung von Vitamin- K- Antagonisten aufheben kann, sollte die Ernährung wenig Vitamin K enthalten. Nahrungsmittel mit viel Vitamin K: Broccoli, Leber, Sauerkraut, Spinat und Kohl.
Monoaminooxidasehemmer (MAO- Hemmer): Tranylcypromin
Monoaminooxidasehemmer z.B. Tranylcypromin gehören zu der Gruppe der Antidepressiva. Der antidepressive Effekt entsteht durch einen Anstieg von Serotonin, einem Glückshormon und Nervenbotenstoff sowie durch einen Anstieg von Noradrenalin, einem weiteren Nervenbotenstoff im Gehirn.
Wie entsteht die antidepressive Wirkung genau? Normalerweise baut das körpereigene Enzym Monoaminooxidase u.a. Serotonin und Noradrenalin ab. Trancylpromin, ein Monoaminooxidasehemmer, verhindert den Abbau von Serotonin und Noradrenalin. Die Folge: die Konzentrationen vom "Glückshormon" Serotonin und Noradrenalin im Gehirn steigen an und führen zum gewünschten antidepressiven Effekt.
Problematisch wird diese Therapie wenn Nahrungsmitteln, die Tyramin, ein biogenes Amin, enthalten konsumiert werden. Tyramin entsteht bei der Zersetzung von Eiweiß und bei der Fermentation von Lebensmitteln. Lebensmittel mit einem hohen Tyramingehalt sind u.a. Käse, Salami und Rotwein.
Wie wirkt Tyramin im Körper? Tyramin wirkt im Körper blutdruckerhöhend. Normalerweise wird das Tyramin vom körpereigenen Enzym der Monoaminooxidase abgebaut. Wird jedoch dieses körpereigene Enzym durch Tranylcypromin, einem Monoaminooxidasehemmer (MAO- Hemmer) blockiert, so kann sich das Tyramin im Körper anreichern und damit eine gefährliche Blutdruckerhöhung auslösen. Tyraminhaltige Lebensmittel sind daher bei einer gleichzeitigen Tranylcypromintherapie zu meiden.
Antibiotika - Tetrazykline
Tetrazykline z.B. Doxycyclin gehören zu der Gruppe der Antibiotika. Sie sollten nie gleichzeitig zusammen mit Milch oder Milchprodukten eingenommen werden. Das problematische an dieser Kombination: Das in der Milch enthaltene Calcium geht eine Verbindung mit dem Tetracylin ein. Die Folge: Dieser Komplex kann nicht mehr vom Körper aus dem Darm in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Damit geht die Wirksamkeit von Doxycyclin gegen eine bakterielle Infektion verloren. Wer dennoch auf Milchprodukte während einer Doxycylintherapie nicht verzichten möchte, sollte die Tabletten zeitversetzt zum Milchkonsum einnehmen. Mindestabstand: 2 Stunden vor oder nach Arzneimitteleinnahme.
Bisphosphonate
Bisphosphonate (z.B. Zoledronsäure) werden in der Osteoporosetherapie eingesetzt. Die Bisphosphonate hemmen die Osteoklastentätigkeit und damit den Knochenabbau. Auch sind es hier wieder das Calcium in Milchprodukten, das die problematische Wechselwirkungen eingeht. Das Calcium verbindet sich mit dem Bisphosphonat zu einer schwerlöslichen Verbindungen, die der Körper nur noch schwer aufnehmen kann. Wie beim Doxycylin gilt auch hier die Regel: Keine Milchprodukte zwei Stunden vor oder nach Arzneimitteleinnahme. Weiter gilt die Regel, dass Bisphosphonate morgens nüchtern und mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück und in aufrechter Haltung wegen möglicher Speiseröhrenreizungen eingenommen werden sollten.
Kein Grapefruitsaft mit Nifedipin und Verapamil
Calciumantagonisten z.B. Nifedipin und Verapamil werden gegen arteriellen Bluthochdruck verordnet. Nifedipin und Verapamil sollten nicht gleichzeitig mit Grapefruitsaft konsumiert werden. Die Flavonoide im Grapefruitsaft hemmen bestimmte Enzyme in der Leber (Cytochrom P450- Enzyme), die für den Abbau von Nifedipin und Verapamil verantwortlich sind. Durch die Hemmung des Abbaus wird die Wirkdauer dieser Blutdrucksenker erhöht und damit ihre Wirksamkeit verstärkt. Mögliche Reaktionen: starker Blutdruckabfall, Kopfschmerzen und erhöhter Herzschlag.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel niemals ärztlichen Rat ersetzen kann!
