Süßholz, ursprünglich aus China und Indien kommend, wird hierzulande mit zweierlei in Verbindung gebracht: Zum einen mit der Süßigkeit "Lakritze“ und zum anderen findet sich das Wort "Süßholz“ in der Redewendung "Süßholz raspeln“, was soviel heißt wie "jemanden schmeicheln“, sich "beliebt machen“. Die Redewendung vom Süßholz raspeln kommt wahrscheinlich daher, weil früher aus geraspeltem Süßholz nicht nur Drogen, sondern auch Süßwaren hergestellt wurden. Da Süßes früher reiner Luxus war, konnte man damit leicht jemanden für sich gewinnen.

Süßholz wird seit 3.000 Jahren als Arzneimittel verwendet. Im Mittelalter war Süßholz so begehrt, dass es hierzulande - vor allem im süddeutschen Raum, in großen Mengen angebaut wurde. Im Laufe der Zeit und der Erschließung neuer Handelswege ging der Anbau stark zurück. Heute wird der Anbau von Süßholz mehr oder weniger nur noch als Hobby betrieben. Aus dem vormals großen Anbau von Süßholz in der Gegend um Bamberg ist die "Bamberger Süßholz-Gesellschaft“ hervorgegangen, die den Anbau wieder aufleben lassen möchte. Das Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg wählte zusammen mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) das Süßholz aufgrund seiner vielseitigen Verwendung zur Arzneipflanze des Jahres 2012.

Die Wurzel des Süßholzes birgt eine hoch dosierte Süße in sich

Der Süßholzstrauch (botanisch: Glycyrrhiza glabra) zählt zu den Schmetterlingsblütlern und ist in Zentralasien und China beheimatet, kommt aber auch in Vorderasien und rund um das Mittelmeer vor. Das Süßholz ist eine mehrjährige bis zu zwei Meter hohe Staude, die von Juni bis Juli blüht. Die kräftigen gelben holzigen Wurzeln treiben meterlange Ausläufer. Daraus wachsen an der Erdoberfläche kantige Triebe. Diese tragen wechselständige, unpaarig gefiederte Laubblätter, die auf der Unterseite klebrige Drüsen haben. Die blass-violetten fünf Kronblätter stehen in Blattachseln in vielblütigen Trauben.

Die bisher etwa 400 entdeckten Inhaltsstoffe der Pflanze werden nicht nur für Medikamente verwendet. Der Bestandteil Glycyrrhizin ist 50 Mal süßer als Rohrzucker und somit auch für die Lebensmittelindustrie interessant. Der eingedickte Wurzelsaft - Lakritz - ist auch Zutat in Süßigkeiten und Kräuterlikören. In der Medizin wird die Süßholzwurzel vor allem bei Entzündungen der oberen Luftwege und bei Magen- und Darmbeschwerden eingesetzt. Süßholz wird aber auch bei Nikotinentwöhnung benutzt. Der Wurzel wird zudem entzündungshemmende und antiallergische Wirkung nachgesagt. Nicht zuletzt soll sie sogar "schlauer" machen. Einen Versuch ist es allemal wert, die beliebte schwarze Süßigkeit "Lakritze“ - egal, ob in Form von Schnecken, Pastillen oder Stangen, immer wieder mal zu naschen. Den Rekord im Lakritzverbrauch halten übrigens die Niederländer mit jährlich zwei Kilo.

Die Wunder-Wurzel macht sich rar

Die weltweit große Nachfrage nach Süßholz hat zur Folge, dass die Pflanze immer seltener in der freien Natur anzutreffen ist. Allein in Deutschland sollen jährlich 500 Tonnen Süßholzwurzeln importiert werden. Von den 20 bis 30 Süßholzarten seien mittlerweile einige bedroht und dabei, als Wildpflanzen aus der Artenvielfalt zu verschwinden, so die Umweltschutzorganisation Traffic. Zahlreiche Forschungsaktivitäten führen einerseits dazu, dass die Heilpflanze künftig auf weiteren medizinischen Gebieten Anwendung findet. Andererseits ergibt sich daraus eine starke Übernutzung. In Indien etwa steht Süßholz in einigen Bundesstaaten bereits auf der roten Liste bedrohter Pflanzenarten. In China zählt Süßholz bis heute zu den zehn wichtigsten Heilpflanzen. Süßholz wird außer in China auch in Japan, Korea und Vietnam medizinisch angewendet. - Bleibt zu hoffen, dass diese vielseitige Arzneipflanze, die 3.000 Jahre lang den Menschen Heilung brachte, dies auch die nächsten tausend Jahre tun kann.

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