Der "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Universität Würzburg wählte das Süßholz zur Arzneipflanze 2012. Diese Auszeichnung erhalten nur Heilpflanzen mit interessanter Medizin- und Kulturgeschichte und solche, deren Wirkung bewiesen ist. Dieses Mal war auch der WWF (Worldwide Fund for Nature) an der Wahl beteiligt, da eine große Nachfrage nach der Süßholzwurzel besteht. Der WWF will sich daher für eine nachhaltige, kontrollierte Sammlung der Heilpflanze einsetzen.
Ob der Ausdruck „Süßholz raspeln“ daher kommt, dass die Pflanze dem Hals guttut und somit die Stimme weicher macht, ist nicht sicher. Sicher ist jedoch, dass die Süßholzwurzel in ihrer Wirkung ein wahrer Alleskönner ist und daher nicht nur für die Herstellung von Lakritz eingesetzt wird. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gehört sie zu den fünfzig Basiskräutern.
Name und Herkunft der Süßholzwurzel
Der Süßholzstrauch stammt ursprünglich aus China und Indien, ist aber traditionell auch in Vorderasien und rund um das östliche Mittelmeer bekannt. Das Süßholz gelangte auf dem Seeweg aus dem Vorderen Orient nach Europa. Der Strauch stammt aus der Familie der Schmetterlingsblütler und ist fünfzig Mal süßer als Zucker. Die Pflanze wird im März und April, die Wurzel im September und Oktober gesammelt. Medizinisch bekannt ist sie als Liquiritae radix. Der Volksmund nennt sie auch Lakritzenwurzel oder Russisches Süßholz.
Bereits im alten Ägypten, China und im antiken Rom war das Süßholz eine bedeutende Pflanze. Auch im Mittelalter wird sie schon in vielen Kräuterbüchern erwähnt. Die Süßholzwurzel enthält als Hauptinhaltsstoff mit bis zu 15% das Saponin Glycyrrhizin. Die Glycyrrhizinsäure ist maßgeblich für die wohltuende Wirkung der Wurzel verantwortlich: Sie wirkt entzündungshemmend und löst den Schleim.
Die Verwendung von Süßholzwurzeln
Der Saft der Süßholzwurzel ist der Ausgangsstoff für Lakritz. Bei dem Verzehr der süß-würzig schmeckenden Süßigkeit sind die Niederländer mit zwei Kilo Lakritzkonsum im Jahr schon lange rekordverdächtig. Aber auch in der Naturheilkunde ist die Süßholzwurzel schon seit vielen Jahren bekannt. Die Hauptanwendungsgebiete sind Katarrhe der Luftwege und Beschwerden im Magen- und Darmbereich. Hierbei sind die Eigenschaften der Wurzel vor allem schleimlösend und entzündungshemmend. Als Tee eingesetzt ist die Süßholzwurzel in diesen Anwendungsgebieten besonders wirksam. Diese Tees wirken beispielsweise beruhigend, hemmen mögliche Entzündungen und lösen Krämpfe in Magen und Darm. Kein Wunder also, dass allein auf dem deutschen Markt pro Jahr etwa 100 Tonnen Süßholzwurzeln als Bestandteil von Arzneitees verbraucht werden.
Doch die Süßholzwurzel wird nicht nur für Lakritze, Kräuterliköre und Tees genutzt, sondern in Zukunft vielleicht auch für Medikamente gegen Virusinfektionen. Davon geht zumindest der "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Universität Würzburg aus.
