Arztbewertungsportale im Internet: Wie gut sind sie?

Mediziner - Vergleiche im Internet  - Alexandra H./Pixelio.de
Mediziner - Vergleiche im Internet - Alexandra H./Pixelio.de
Im World Wide Web findet sich mittlerweile eine Vielzahl von Vergleichs- und Beurteilungsportalen. Wie sinnvoll und aussagekräftig sind diese?

Es gibt seit 2007 eine Vielzahl von Homepages wie zum Beispiel sanego.de, esando.de, docinsider.de oder jameda.de, auf der man Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser bewerten kann, um eine vermeintliche Orientierungshilfe für andere Patienten zu bieten. Die Stiftung Warentest hat diese Portale einem Test unterzogen und einige negative Aspekte festgestellt, die die Aussagekraft von Bewertungsportalen für Ärzte und Krankenhäuser in Frage stellen.

Kritikpunkte der Stiftung Warentest an Arztbewertungsportalen

In ihrem Artikel vom 11. März 2011 nennt die Stiftung Warentest die folgenden Kritikpunkte:

  • Nur wenige Bewertungen. Es stellt sich die Frage, wie aussagekräftig beispielsweise ein einziges oder auch zwei oder drei vorhandene Statements über einen Arzt sind, egal ob die Kritik positiv oder negativ ausgefallen ist. Manche Ärzte haben gar keine Bewertung vorzuweisen, was aber nicht unbedingt Rückschlüsse auf ihre Arbeitsweise und die ihrer Praxismitarbeiter zulässt.
  • Durch Ärzte käufliche Einträge. Wird ein Arzt Premium-Mitglied bei einem Bewertungsportal, so wird seine Praxis besonders beworben, zudem hat er vielfach die Möglichkeit, negative Bewertungen, auch wenn diese fundiert und sachlich formuliert sind, zu löschen beziehungsweise vom Betreiber der Seite löschen zu lassen.
  • Ungenaue Bewertungskriterien. Auch wenn den Patienten neben den Multiple-Choice-Fragen zu Freundlichkeit des Arztes/der Station oder der Praxismitarbeiter, Ausstattung und Wartezeit vielfach Raum für Patienten zur Verfügung steht, Kommentare abzugeben, so helfen auch pauschale Aussagen wie „unfreundlicher Arzt“, „hat keine Ahnung“ oder „Super-Gynäkologin – die Beste, die ich kenne“ nur bedingt weiter, zumal Beurteilungen nicht immer nur sachliche Informationen, sondern auch subjektive Werturteile beinhalten. Dem Einen ist das Essen im Krankenhaus vielleicht nicht so wichtig, sondern ausschließlich die medizinische Versorgung, der Andere wünscht bei einem Krankenhausaufenthalt am besten ein Vier-Sterne-Menü und blendet total aus, wenn er es mit freundlichen, kompetenten Ärzten und Schwestern zu tun hat, sodass das schlechte Essen allein die Beurteilung der gesamten Station nach unten zieht.

Fehlende Aktualität mancher Arzteinträge

Oft kommt auch fehlende Aktualität der Einträge hinzu. Bei einem niedergelassenen Arzt mit eigener Praxis ist dies noch relativ einfach nachzuvollziehen, wenn er mit seiner Praxis umzieht, aber wenn ein Arzt, der in einem Krankenhaus tätig ist, irgendwann im Laufe seines Berufslebens von Klinik X zu Klinik Y wechselt, so ist dies für Außenstehende oft nicht erkennbar beziehungsweise sie fragen sich, wie sie einen Arzt beurteilen sollen, der lediglich unter veralteten Einträgen aufzufinden ist.

Gleichwohl sind auch nicht alle Ärzte unter den Bewertungsportalen gelistet – wenn auf einer Station beispielsweise insgesamt zehn Ärzte – Chefarzt, zwei Oberärzte, sieben Assistenzärzte – tätig sind, dann finden sich am ehesten noch Einträge zum Chefarzt und zu den Oberärzten, die Assistenz- und Stationsärzte werden vielfach gar nicht genannt, obwohl sie am häufigsten mit den Patienten zu tun haben.

Vordergründig positiv: Vorkehrungen gegen Schummeleien

Um zu verhindern, dass ein Arzt sich ständig selbst positive Beurteilungen ins Portal schreibt, ist eine Beurteilung von Ärzten nur für registrierte Nutzer möglich. Dennoch gibt es natürlich Mittel und Wege, auch das zu umgehen – ein und derselbe Arzt kann sich ja als Patient ausgeben und sich unter drei verschiedenen Nicknames registrieren.

Schutz vor Schmähkritiken

Manche Portale beschäftigen Lektoren, die gegebenenfalls unsachliche Schmähkritiken aus dem Netz entfernen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage – sowohl auf Seiten der Portalbetreiber als auch auf Seiten der Patienten, die Eintragungen zu einem Arzt oder einer Klinik machen – wo fängt eine Schmähkritik an oder was ist zwar eine negative Beurteilung, aber trotzdem keine Schmähkritik? Eindeutig als Schmähkritik sind natürlich Sätze wie „Dr. XY war unfähig, dem sollte man die Approbation entziehen“, womöglich noch ohne nähere Begründung, zu werten. Wenn jemand aber in einem längeren Beitrag sachlich darstellt, dass der betreffende Arzt an der einen oder anderen Stelle einen Fehler gemacht hat oder dass es sonst unangenehme Vorkommnisse während der Behandlung beziehungsweise des Krankenhausaufenthaltes gab, ist dies keine Schmähkritik, sondern lediglich eine vielfach berechtigte negative Beurteilung, die jedoch gerade von kommerziell betriebenen Portalen schnell als Schmähkritik abqualifiziert und entsprechend entfernt wird. Hierüber beklagt sich eine Reihe von Nutzern.

Kommerzielle und nichtkommerzielle Arztbewertungsportale

Als einziges nichtkommerzielles Portal ist arzt-auskunft.de zu nennen, die übrigen acht wie etwa docinsider.de oder insider.de funktionieren auf kommerzieller Basis. Das Portal weisse-liste.de ist ebenfalls kommerziell und wird von der Bertelsmann-Stiftung unterstützt, wobei manche Internet-Nutzer es offen (geplante) Manipulation nennen.

Fazit: Was bringen Arztbewertungsportale für den einzelnen Patienten?

Aufgrund fehlender Transparenz, häufig mangelnder Aktualität, vielfach ungenauer Kriterien bei der Abfrage zur Zufriedenheit und der Möglichkeit gerade bei kommerziell betriebenen Portalen, auch berechtigte, sachliche negative Statements als Schmähkritik abzuqualifizieren und entsprechend zu entfernen, sind die Bewertungsportale eher kritisch zu sehen. Häufig ist es hilfreicher, sich über Empfehlungen von Freunden, Kollegen, Familie oder Nachbarn einen geeigneten niedergelassenen Facharzt zu suchen. Bei Ärzten in Krankenhäusern ist dies natürlich nicht möglich, vor allem nicht, wenn ein Patient als Notfall eingeliefert wird, aber auch da besteht die Option, sich sein eigenes Urteil über den behandelnden Arzt zu erlauben, auch vor dem Hintergrund, dass manch negative Bewertung auch durch Frustration, persönliche Motive, gekränkte Eitelkeit und ähnliches zustande kommt.

Quellen u. a.:

  • Artikel der Stiftung Warentest „Arztbewertungen: Das bringen die Portale“ vom 11. März 2011
  • Arztbewertungsportale wie sanego.de, jameda.de, esando.de, arzt-auskunft.de
Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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