Ashoka, der Herrscher des Maurya-Großreichs

Wie aus einem blutrünstigen Feldherrn ein heiliger Staatsmann wurde

Fast 30 Jahre regierte Ashoka das Großreich Maurya. Dabei eroberte er anfangs Nachbarreiche mit äußerster Brutalität, bis er nach der Schlacht von Kalinga Pazifist wurde.

In der gesamten indischen Geschichte gibt es wohl keinen Herrscher, der so zweigesichtig war wie Ashoka. Ashoka wurde 304 vor Christus in Nord-Indien geboren und gehörte zur Maurya-Dynastie. Er war der Sohn von Bindusara. Ashokas Großvater Chandragupta (321 bis 297 vor Christus) gründete das Reich etwa 320 und war in Griechenland unter dem Namen Sandrokottos bekannt. Er konvertierte später zum Jainismus und hungerte sich angeblich zu Tode.

Ashokas blutige Seite

Ashoka verdrängte seine Brüder in einem Staatsstreich und übernahm 268 vor Christus die Macht, die er bis 297 behielt. Er war als ein äußerst brutaler und harter Feldherr bekannt, der dem wachsenden Maurya-Großreich weitere Gebiete eroberte. Schließlich schuf er das größte Reich in der indischen Antike. Maurya umfasste fast das ganze heutige Indien, mit Ausnahme der südlichen dravidischen Staaten, dazu Pakistan und Afghanistan.

Zuletzt eroberte er die Provinz Kalinga, wie immer ohne Skrupel und äußerst blutig. Viele zigtausend Zivilisten und Soldaten kamen ums Leben. Als er die Auswirkungen auf dem Schlachtfeld sah, stürzte Ashoka in eine tiefe seelische und psychische Krise, die ihn schließlich zum Buddhismus konvertieren ließ. Einer Legende zufolge bat ihn eine Mutter: Ihr habt so viel Macht, dass Ihr Tausende töten könnt. Dann habt Ihr sicher auch genügend Macht, um mir meine toten Kinder zurückzugeben.

Ein militärischer Sieg ist sinnlos, bedeutend ist nur der Sieg des Daseins. Das steht in einer vier Jahre später von ihm gehauenen Felsinschrift.

Der Wandel zum Frieden

Ashoka stellte alle Aggressionen unverzüglich ein und lehnte fortan jegliche Gewalt ab. Das ganze Reich sollte auf die Lehren Buddhas umgestellt werden. Ashoka propagierte den Vegetarismus, verbot Tieropfer und ermahnte seine Untergebenen zum völligen Gewaltverzicht. Er strebte Frieden mit bisherigen Todfeinden an, zum Beispiel mit den Seleukiden und den Griechen in Baktrien.

Ashokas Ziel war die Errichtung eines sozialen Wohlfahrtstaates. Zu diesem Zweck unterstellte er die Verwaltung dem Staat, beendete die Willkür und vereinheitlichte das Steuerrecht. Er ließ öffentliche Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Tierhospitäler errichten. Auch förderte er die gerechte Verteilung von Landbesitz. Natürlich hatte er dabei mit Widerstand von Großgrundbesitzern und hohen Generälen zu kämpfen, die um ihre Macht fürchteten.

Buddhas Lehren wurden in den sogenannten Säulen-Edikten des Ashoka festgehalten. Um diese Lehren zu verbreiten, setzte er hohe Beamte als Dhamma-Mahamatras ein, Großinspektoren der buddhistischen Lehre. Auch entsendete er buddhistische Gestandschaften unter anderem nach Sri Lanka, Burma, dem Land der Seleukiden, Antiochia, der damaligen Hauptstadt Ägyptens, Alexandria, und nach Persien.

Die höchste Tugend im neuen Maurya-Großreich hieß Toleranz. Obwohl Ashoka selbst zu diesem Zeitpunkt strenggläubiger Buddhist war, duldete er auch andere Religionen und Lehren im Staat, so etwa den Hinduismus und den Jainismus. Trotz seinem religiösen Anliegen vergaß er aber auch seine Pflichten als Herrscher nicht. Er verweigerte zeitlebens die Unabhängigkeit der Provinz Kalinga.

Auswirkungen bis heute

Über die letzten Jahre Ashokas ist nichts bekannt. Seine Nachfahren hielten das Reich noch etwa 50 Jahre lang zusammen, ehe es mit der Ermordung Birhadrathas im Jahre 185 vor Christus auseinander brach.

Ashokas frühen Jahre waren von Gewalt, Krieg, Mord und Eroberung geprägt. Dennoch wird der antike Regent von den heutigen Indern für seine Friedfertigkeit verehrt wie sonst nur Mahatma Gandhi (eigentlich Mohandas Karamchand Gandhi, geboren 2. Oktober 1869, gestorben 30. Januar 1948), der zum gewaltlosen Widerstand gegen die Briten aufrief.

Volker Korte - Hallo! Freut mich sehr, Sie bei meiner Arbeit begrüßen zu dürfen. Ich lebe in Steinfurt (NRW) und habe zuletzt ...

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