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Erdbeben in Haiti und Japan, Wirbelstürme in Burma oder riesige Überschwemmungen in Pakistan und in den USA: Immerzu berichten Medien über schrecklichen Naturkatastrophen und über die dadurch in Not geratenen Menschen. Bestimmte Weltteile und Völker haben besonders stark mit Naturkatastrophen zu kämpfen. Doch gleich, von welcher Art von Naturkatastrophen mit Sachschäden und Todesfällen gesprochen wird: fast alle ereignen sich in Asien.
Asien ist besonders gefährdet
Vor allem die Menschen in Asien sind von zahlreichen Naturrisiken betroffen. Einerseits liegt das daran, weil die afrikanisch-indische Erdplatte stets weiter nach Norden auf den asiatischen Kontinent driftet und sich langsam unter den Himalaya schiebt. Das führt zu extremen Spannungen und verursacht immer wieder schwere Erdbeben. Andererseits ist die Bevölkerungsdichte in Asien sehr hoch und die Gebäude werden selten erdbebensicher gebaut. Das Gleiche gilt auch für Haiti, wo im Jänner 2010 über 250.000 Menschen starben.
Aus den zuvor genannten Gründen sind in Asien Tsunamis besonders verheerend. Im Jahr 2004 forderte der durch ein Erdbeben ausgelöste Tsunami vor Sumatra an die 230.000 Todesopfer.
Besonders der Südpazifik, Nord- und Mittelamerika, die Ostküste Afrikas und Asien sind von Wirbelstürmen betroffen. In Nordamerika werden sie Hurrikane genannt, in Asien Taifune. 2008 forderte der Zyklon „Nargis“ in Burma 138.000 Todesopfer.
Da Warnsysteme für Wirbelstürme jedoch besser als für andere bevorstehende Naturgefahren funktionieren, sind bei solchen Katastrophen meist mehr Sachschäden als Todesfälle zu beklagen. Verursacht werden die Schäden durch hohe Windgeschwindigkeiten und starken Regenfällen, die zu Überschwemmungen führen.
Überschwemmungen gehören übrigens zu den häufigsten Naturkatastrophen. Schätzungen nach, sind 60 Prozent der Todesfälle auf Überschwemmungen zurückzuführen. Im August 2010 waren in Pakistan etwa 20 Millionen Menschen von solch einer Katastrophe betroffen, über 1.700 Menschen starben. Neben diesen Naturrisiken können Erdrutsche, Vulkanausbrüche und sintflutartige Regenfälle dazugezählt werden.
Dürre macht vor Asien nicht halt
Eine besondere Form der Naturkatastrophen ist die Dürre. Normalerweise brechen die genannten Katastrophen plötzlich über die Menschheit herein. Bei den Dürreperioden ist dies nicht der Fall. Sie sind eher "schleichende" Katastrophen. Eine der am stärksten von Dürre betroffenen Region der Welt ist das Horn von Afrika. Unter Dürre versteht man oft eine ausgetrocknete Landschaft und verdorrte Vegetation, aber auch Missernten und Hungersnöte. Die Folgen von Dürren sind Ernteausfälle und Trinkwasserknappheit. Dürreperioden in halbtrockenen Gebieten sind normal. Allerdings fördert der Mensch durch seine Lebensweise eine Dürre, die zu einer Naturkatastrophe wird. Wüstenbildung entsteht hauptsächlich durch menschliches Handeln.
Dieses Problem ist nicht nur auf Afrika beschränkt. Mehr als 30 Prozent der Erdoberfläche der USA ist von Verödung bedroht. Ein Viertel der Fläche Lateinamerikas und der Karibik ist Wüsten- und Dürregebiet. Ein Fünftel Spaniens ist gefährdet zu veröden. In Asien erlebte Zentralchina 2011 die schwerste Dürre seit mehr als 50 Jahren. Hauptgrund für die Dürre war der Mangel an Regen. Allerdings griff der Mensch so in die Natur ein, dass natürliche Wasserspeicher zerstört wurden. Durch den Bau des Dreischluchtenstaudamms, wird das Situation noch verschlimmert.
Urbanisierung fördert die Zunahmen von Naturkatastrophen in Asien
Asien ist der von Erdbeben und Vulkanausbrüchen am meist betroffene Kontinent der Erde. In meteorologischer Hinsicht gibt es hier viele Wirbelstürme. Außerdem wird dort der Monsunregen regelmäßig durch Veränderungen der Meeresströme, wie El Niño und La Niña verstärkt. Dazu kommt, dass 60 Prozent der Erdbevölkerung in Asien lebt. Allein schon deshalb sind mehr Menschen gefährdet. Besonders hoch ist die Bevölkerungsdichte im Norden Chinas, am Fuß des Himalayas und den Mündungsgebieten der Flüsse. Die fruchtbaren Gebiete bei den Flussmündungen sind stark von Überschwemmungen bedroht, wie zum Beispiel Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch.
Die Urbanisierung ist ein zusätzlicher Auslöser für die Zunahme von Naturkatastrophen in Asien. Die Städte Karachi, Mumbai, Delhi, Kolkata, Dhaka, Jakarta, Peking, Seoul, Tokyo, Schanghai, Guangzhou und Manila hatten 2010 mehr als 10 Millionen Einwohner. Vor allem durch die Landflucht werden diese Ballungsräume immer größer. Es wurde festgestellt, dass in diesen Megastädten die Bedrohung an Naturkatastrophen am Meisten zunimmt. Flächen der Feucht- und Überschwemmungsgebiete werden zubetoniert und asphaltiert. Dadurch wird der Boden undurchlässig gemacht und das Regenwasser kann nicht mehr einsickern. Die Gefahr von Überschwemmungen, Erdrutschen und Schlammlawinen steigt.
Am schlimmsten trifft es die Menschen in den Slums
Naturkatastrophen in Slums sind besonders verheerend. Dort herrscht nicht nur Armut, sondern es mangelt an Vorbeugungen, genügend Notfallhilfen und ausreichenden Versicherungsschutz. Die Behausungen der Menschen sind einfach und halten Erdbeben nicht stand. Dadurch sind die Ärmsten Naturkatastrophen am Meisten ausgesetzt und erholen sich am schwierigsten davon. Die meisten betroffenen Elendsviertel befinden sich in Asien, wie zum Beispiel in Mumbai (Indien).
Naturkatastrophen fördern die Armut der Entwicklungsländer
Die Zahl der Todesfälle bei Naturkatastrophen hängt sehr viel weniger von der Gefahr ab, als vom Entwicklungsstand eines Landes. Dies zeigt das Beispiel Philippinen-Japan: Bei einer gleichen Stärke von Wirbelstürmen ist die Sterblichkeit auf den Philippinen 17 Mal so hoch wie in Japan, obwohl in der parlamentarischen Monarchie mehr Menschen von tropischen Wirbelstürmen bedroht sind als auf den Philippinen.
Man erhält das gleiche Verhältnis hinsichtlich der wirtschaftlichen und materiellen Schäden. Eine höheren Entwicklung entsprechen im Allgemeinen Gebäude, die einen sicheren Schutz vor Naturkatastrophen bieten, besser ausgestattete und funktionierende Notfalldienste, eine bessere Vorbereitung der Bevölkerung auf Naturkatastrophen und besser entwickelte Versicherungssysteme. Außerdem werden Entwicklungsländer durch erneute Naturkatastrophen in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung um Jahre zurückgeworfen und noch schutzloser.
arte-tv: Mit offenen Karten (Sa, 27.08.2011)
Website über Naturkatastrophen
