Asozial und Antisozial

Die psychologische und soziologische Definition beider Begriffe

„Du bist doch total asi," sagen Jugendliche häufig, wenn sich ein Gleichaltriger in ihren Augen total daneben benimmt.

Auch wenn „asi“ eine häufig gebrauchte Abkürzung für asozial ist, ist mit Asozialität im Volksmund eigentlich eher das gemeint, was unter antisozialem bzw. dissozialem Verhalten zu verstehen ist.

Unter dem Adjektiv „asozial“ ist gesellschaftsfern, aber nicht zwingend gesellschaftsfeindlich zu verstehen. Als Beispiel für eine asoziale Lebensform kann ein Eremit angeführt werden, der nicht in einer Wohnung oder einem Haus in der Stadt bzw. im Dorf lebt, sondern beispielsweise abgeschieden und zurückgezogen im Wald, der einige Kilometer von der nächsten Stadt entfernt liegt. Trotz der räumlichen und sozialen Entfernung steht derjenige der Gesellschaft an sich jedoch nicht feindlich gegenüber – er lebt sein Leben, er lässt die Anderen jedoch ihr Leben in der Stadt/im Dorf leben, ohne sie zu diffamieren, zu beleidigen, zu diskriminieren oder zu attackieren.

Mit „antisozial“ ist hingegen gesellschafts- und gemeinschaftsfeindlich gemeint, d. h. antisoziales Verhalten ist durch Diskriminierung, Gewaltbereitschaft und auch die direkte Ausübung von Gewalt gekennzeichnet, die sich gegen Einzelpersonen, aber auch gegen ganze Bevölkerungsgruppen richten kann. Als Beispiel hierfür können Skinheads angeführt werden, die ethnischen Minderheiten feindlich gesonnen sind. Das antisoziale Verhalten äußert sich vielfach in brutalen Straftaten wie etwa das Jagen von Ausländern durch die Stadt, Anwendung körperlicher Gewalt gegen Ausländer, Brandstiftung in Asylantenwohnheimen u. ä.

Antisoziales bzw. dissoziales Verhalten

Als Ursache für dieses Verhalten wird vielfach die so genannte dissoziale Persönlichkeitsstörung angegeben. Abgesehen von einer hohen Gewaltbereitschaft und -ausübung ist diese Form der Persönlichkeitsstörung durch fehlende Empathie gegenüber ihren Opfern gekennzeichnet, d. h. der oder die Täter nehmen auch den Tod des Opfers ohne jedwede Gefühlsregung oder Reue billigend in Kauf. In der Konsequenz wird auf das Opfer eingeschlagen oder eingetreten, bis es sich aufgrund von Bewusstlosigkeit oder sogar dem Eintritt des Todes nicht mehr rührt, normalerweise vorhandene Hemmungen wie die Hilflosigkeit eines Menschen, der bereits am Boden liegt, Blut, Schmerzlaute des Opfers u. ä. sind bei Menschen mit dissozialer Persönlichkeitsstörung nicht vorhanden. Häufig führen Schmerzensschreie oder das Flehen des Opfers, endlich aufzuhören, sogar noch zu einer Verstärkung der Gewalteinwirkung, da das Opfer „offensichtlich noch nicht genug hat“. Meist können Leute, die dissoziales Verhalten in Verbindung mit massiver Gewalteinwirkung zeigen, nur von Dritten gestoppt werden oder eben von der Überzeugung, ihr Opfer tatsächlich ermordet zu haben.

Exkurs Persönlichkeitsstörungen

Viele Eigenschaften, die eine der verschiedenen Persönlichkeitsstörungen kennzeichnen (z. B. schizoid, sensitiv, hysterisch, passiv-aggressiv, dissozial, narzisstisch), sind auch dem gesunden Erleben nicht fremd. Ein zentrales Kennzeichen der sensitiven Persönlichkeitsstörung ist Selbstunsicherheit; auch jeder gesunde Mensch erlebt Situationen, in denen er sich unsicher fühlt. Von einer Persönlichkeitsstörung spricht man jedoch, wenn eine Persönlichkeit aufgrund verschiedener Eigenschaften so stark akzentuiert ist, dass sich hieraus ernsthafte Leidens- und Konfliktzustände ergeben. Letzteres trifft insbesondere auf die dissoziale Persönlichkeitsstörung zu, da begangene Straftaten weitere Konflikte mit der Polizei und Staatsanwaltschaft nach sich ziehen.

Allerdings weisen Tölle/Windgassen darauf hin, dass die Diagnose „Persönlichkeitsstörung“ allein an sich nicht sinnvoll ist, sondern grundsätzlich im Zusammenhang mit anderen psychischen Störungen gesehen werden sollte. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist die Diagnose „Persönlichkeitsstörung“ nicht sinnvoll, da deren psychosoziale Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, so dass sich Gemüts-, Krankheits- und Leidenszustände rasch verändern können.

Ursachen für die Ausbildung einer dissozialen Persönlichkeitsstörung

Als Entstehungsbedingung wird vielfach ein liebloses, vernachlässigendes Elternhaus genannt, häufig in Verbindung mit häuslicher Gewalt in jedweder Form. Gefühlsäußerungen des Kindes wurden nicht gebilligt, vielfach wurde von den Eltern darauf mit Anschreien, Prügel oder Gleichgültigkeit reagiert, so dass sich die Empathie gegenüber Dritten niemals adäquat herausbilden konnte. In einigen Fällen kommen hirnorganische Schädigungen (z. B. durch Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft), unterdurchschnittliche Intelligenz und/oder genetische Dispositionen hinzu.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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