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Astrid Lindgren im Porträt

Vom Bauernmädchen zur berühmtesten Kinderbuchautorin der Welt

Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter - Oetinger Verlag
Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter - Oetinger Verlag
In den Geschichten um Michel, Pippi und Madita verewigte sie ihre idyllische Kindheit im ländlichen Småland. Am 14. November wäre Astrid Lindgren 102 Jahre alt geworden.

Es war die unbeschwerte Kindheit auf dem Land, von der Astrid Lindgren, geborene Ericsson, im Laufe ihres langen Lebens immer wieder erzählte. Und das in Geschichten, deren Figuren in ihrer Vitalität und Eindringlichkeit bis heute jedes Kinderherz im Sturm erobern und auch in den Erwachsenen die Sehnsucht nach einer Zeit schüren, die schon lange vergangen ist. Ob Ronja Räubertochter oder Kalle Blomquist, ob Krümel Löwenherz, Mio oder Lotta aus der Krachmacherstraße: Astrid Lindgrens Figuren eint die Atmosphäre einer warmherzigen Aufrichtigkeit, die über bloße Kinderspiele hinausgeht und existenzielle Themen berührt, ohne sich in ihnen zu verlieren.

Von Vimmerby nach Stockholm

1907 auf dem Näs-Hof als zweites von vier Kindern geboren, erfuhr die Bauerntochter Astrid eine Erziehung, die von Freiheit und Geborgenheit gleichermaßen geprägt war. Die harmonische Ehe ihrer Eltern, die Natur als ganzjähriger Abenteuerspielplatz, aber auch die Arbeit auf dem Hof prägten ihre Kindheit.

Nach einem Volontariat bei der "Vimmerby Tidningen" zog Astrid Ericsson mit 19 Jahren nach Stockholm, um sich zur Sekretärin ausbilden zu lassen. Im Dezember 1926 kam ihr unehelicher Sohn Lars zur Welt, der die ersten beiden Jahre bei einer Pflegefamilie in Kopenhagen verbrachte, bevor seine junge, berufstätige Mutter ihn zu sich holte. Als Sekretärin des Königlichen Automobilclubs lernte Astrid Ericsson den Angestellten Sture Lindgren kennen und heiratete ihn im April 1931. Drei Jahre später wurde die gemeinsame Tochter Karin geboren.

Mit Pippi Langstrumpf fing es an

Astrid Lindgren begann ihre Karriere als Kinderbuchautorin 1944 mit einem verstauchten Knöchel. Sie vertrieb sich die lange Genesungszeit mit der Niederschrift einer Geschichte um ein rothaariges Mädchen mit übermenschlichen Kräften, die sie ihrer Tochter zum Geburtstag schenkte. Spaßeshalber schickte sie einem Verlag eine Kopie. Der lehnte ab. Astrid Lindgren schrieb weiter und erhielt noch im selben Jahr den 2. Preis für ihr Mädchenbuch "Britt-Mari erleichtert ihr Herz". Veranstalter war der schwedische Verlag Raben & Sjögren, der wenig später auch "Pippi Langstrumpf" für sich entdeckte. Das selbstbestimmte Über-Kind provozierte eine kontroverse Debatte über Kindererziehung; Astrid Lindgren wurde zu einer öffentlichen Person. Erste Auszeichnungen und Lesungen folgten.

Astrid Lindgren als Verlegerin in der Nachkriegszeit

Von 1946 bis 1970 arbeitete Astrid Lindgren als Lektorin für Raben & Sjögren. Unter ihrer Leitung entstand eine Kinderbuchabteilung, zu der bald auch deutsche Autoren wie Erich Kästner und Peter Härtling gehörten. Über die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Verleger Friedrich Oetinger gelangten, neben "Pippi Langstrumpf", viele schwedische Kinderbücher nach Deutschland. In Zeiten des Wiederaufbaus wurde der Kinderliteratur eine bedeutende Rolle beigemessen, sollte sie den jungen Lesern doch ein demokratisches Bewusstsein vermitteln. Astrid Lindgrens Arbeit als Autorin und Verlegerin hinterließ dabei tiefe Spuren, die wegweisend waren.

Von Bullerbü nach Nangijala

In den 50er Jahren entstanden viele ihrer berühmten Romane, darunter "Meisterdetektiv Blomquist" und die "Bullerbü"-Trilogie, die als Spiegel der Lindgrenschen Kindheit in Näs betrachtet werden kann. Ihrem Vater, Samuel August Ericsson, setzte die Autorin in einigen Vater-Figuren ein besonderes Denkmal, so in der starken und zuverlässigen Figur des Märchenvaters in "Mio, mein Mio", der vorlebt, wie die Liebe zu einem Kind sein soll: bedingungslos, unabhängig von guten Leistungen oder weniger guten Taten.

Auch in den 1970 erschienenen Geschichten um "Michel aus Lönneberga" finden sich die Kindheitserlebnisse des Vaters wieder. In dem Märchen "Die Brüder Löwenherz" hingegen erfolgt eine Auseinandersetzung mit den sensiblen Themen Krankheit und Tod, bevor "Ronja Räubertochter" 1981 mit einer allumfassenden Liebeserklärung an das Leben das umfangreiche Werk der Autorin beschließt.

Ausgezeichnet mit unzähligen in- und ausländischen Preisen und Ehrungen, verstarb Astrid Lindgren, im Alter von 94 Jahren, am 28. Januar 2002 in ihrer Stockholmer Wohnung.

Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter. Oetinger Verlag 1982. Gebunden, 240 Seiten. Euro 14,90.