Auf den ersten Blick scheinen sie so gar nicht zueinander zu passen, das esoterische Wissen der Astrologie und der christliche Glaube. Man denke nur an die Verfolgung weiser Frauen durch die Kirche. Wurden Handlungen, die nach Magie und faulem Zauber rochen, von offiziellen Vertretern aus Kirche und Politik nicht schon seit dem Altertum immer wieder abgelehnt und bisweilen mit schweren Strafen belegt? Und doch gibt es eine Epoche in der Geschichte, in der die Astrologie nicht zuletzt dank die Fürsprache von Kirchenoberhäuptern als redliche Wissenschaft betrachtet wurde: die Renaissance.
Astrologie im Vatikan
Die ersten Päpste, die sich intensiv mit der Astrologie beschäftigten, waren Sixtus IV. und Julius II. Mit Julius Nachfolger Leo X. zogen gar ganze Schwärme von Astrologen ein. Der erste Papst der Gegenreformation, Paul III. (1468 bis 1549), holte sich den Rat der Astrologen ein, um die Stunden seiner Kirchengerichte zu datieren. Es wird davon ausgegangen, dass Martin Luther auf protestantischer Seite nicht zuletzt deshalb so entschieden gegen die Astrologie war, weil sie im Vatikan so beliebt war. Urban VIII. erließ zwar eine Bulle gegen diverse Methoden der Astrologie, war jedoch selbst Mäzen einiger Astrologen, die ihn in privaten und politischen Anliegen berieten.
Mächtige Hofastrologen und berühmte Hellseher
An den großen europäischen Königshöfen sah das nicht anders aus: Elisabeth I. von England konsultierte täglich den legendären Dr. Dee. So spielte der Alchemist, Wahrsager und Mystiker John Dee eine nicht unwichtige Rolle in der Elisabethanischen Politik. Auch am Hofe von Christian IV. von Dänemark, Sigismund III. von Schweden und Friedrich V. wurden Astrologen zu den persönlichen Beratern ihrer Regenten.
Der französische Arzt und Apotheker Michel de Nostredame erlangte dank der Unterstützung von Katharina von Medici am Hofe von Heinrich II. schließlich einen über die Landesgrenze berühmten Namen: Nostradamus. Mehr ein Geisterbeschwörer als Astrologe, führte er mit der Königin viele nächtliche Séancen durch und sagte ihr die Zukunft voraus.
Almanache für das Volk
Bereits 1493 erschien der volkstümliche „Kalender and Compost of Shepherds“, der der Astrologie einen großen Einfluss auf das tägliche Leben aller Menschen einräumte. Er enthielt Ratschläge für alle Lebenslagen. Mit der zunehmenden Verbreitung der Schrift tauchten überall in Europa solche Almanache auf, die sich vorwiegend an bäuerliches Publikum richteten. Günstige Zeiten für Aussaat und Ernte, Hochzeiten und Reisen wurden hier anhand der Beobachtung von Himmelskörpern bestimmt. Obwohl die gebundenen Bücher teuer waren, machte ihr Inhalt die Runde. So wurde die Astrologie bis ins 17. Jahrhundert hinein immer populärer. Erst durch die Aufklärung verlor sie zunehmend an Glaubwürdigkeit. Heute wird die Astrologie aus Mangeln an Beweisen den Para- oder Pseudowissenschaften zugerechnet.
