
- Sternenhimmel_Banner - Richard Nachtigall
Zwar geht das Internationale Jahr der Astronomie allmählich zu Ende. Dennoch bieten Sternwarten und Planetarien auch in den verbleibenden zehn Wochen ein vielfältiges Programm. Wer dort erst einmal durch ein Teleskop geschaut hat oder die faszinierende ESA-Präsentation „Augen im All“ gesehen hat, wird sicher öfter einen Blick zum Sternenhimmel werfen mögen. Herbst und Winter sind die ideale Jahreszeit für Himmelsbeobachtungen. Es wird früher dunkel, was praktisch ist, um Planeten oder Sterne mit Kindern zu betrachten. Außerdem ist die Atmosphäre weniger „diesig“ als an warmen Sommerabenden. Und es ist mehr „los“ am Nachthimmel. Zumindest hat man als Anfänger dieses Gefühl, da die auffälligen Objekte wie Pegasus und Orion etwas leichter zu finden sind, als manche Sommersternbilder. Man kann entweder im „Kosmos Himmelsjahr“ nachschlagen oder im Internet den "Sternenhimmel" besuchen, um zu sehen, wo an dem betreffenden Abend um die oder jene Uhrzeit die Sterne am Himmel stehen.
Noch einfacher geht es mit einer drehbaren Sternenkarte. Man wählt am Rand des Grundblatts das entsprechende Datum auf der Skala mit der Kalendereinteilung. Dann dreht man die kleinere Scheibe mit der 24-Stundeneinteilung, bis die gewünschte Uhrzeit exakt darunter steht. Dabei ist zwischen März und Oktober 2009 eine Stunde für die Sommerzeit abzuziehen! Der ovale Kartenausschnitt zeigt dann den Teil des Nachthimmels zum Beobachtungszeitpunkt. Die Sternenkarte ist so zu halten, dass die gewünschte Blickrichtung stets nach unten zeigt. Möchte man also schauen, welche Sternbilder gerade im Osten aufgehen, dann zeigt Osten nach unten. Zur einfacheren Abgleichung mit dem Nachthimmel hält man sich die Karte dabei über den Kopf. Wem es in fremder Umgebung schwer fällt, die Himmelsrichtungen zu bestimmen, der orientiert sich am besten am Sternbild des „Großen Wagen“ (siehe unten).
Es gibt auch Karten, die in der Dunkelheit leuchten, was sehr praktisch ist für die Anwendung im Freien. Nützlich sind ansonsten eine Taschenlampe und auch ein Fernglas. Vieles lässt sich schon mit bloßem Auge erkunden. Wer jedoch die Himmelsbeobachtung zum Hobby macht, wird wohl früher oder später über die Anschaffung eines Teleskops nachdenken. Dabei gilt generell für die Benutzung von Fernglas und Teleskop am Tag: niemals und unter keinen Umständen damit in die Sonne sehen! Da niemand seinen Blick so schnell von dem gleißenden Licht abwenden kann, wie das Auge Schaden nimmt, sollte man vermeiden, diese Hilfsmittel auch nur in Sonnennähe zu richten. Sonst drohen ernste Augenschädigungen bis zur sofortigen Erblindung! Da besteht ja glücklicherweise in der Nacht keine Gefahr und Himmelsbeobachtungen sind auch ohne Teleskop interessant. Für den Anfang reichen eine Sternenkarte und zwei offene Augen, um die folgenden Sternbilder am Himmel zu finden.
Den großen Bären „jagen“ und das W am Himmel suchen
Auf manchen Sternenkarten ist ein Kreis eingezeichnet. In diesem finden wir die sogenannten Zirkumpolarsterne der Nordhalbkugel. Diese Sternbilder gehen in unseren Breiten im Laufe der Nacht nie unter. Deshalb sind sie auch für den Anfänger leicht zu beobachten. Am bekanntesten ist wohl der „Große Wagen“. Dabei handelt es sich um die sieben hellsten Sterne im „Großen Bären“ – lateinisch Ursus Major - der im Herbst tief am Horizont des Nordhimmels steht. Wer genauer auf die Deichsel des Wagens sieht, wird feststellen, dass der helle Stern Mizar einen engen Begleiter hat, Alkor das „Reiterlein“. Mit guten Augen erkennt man diesen angeblichen Doppelstern sogar ohne Fernglas. Doch der Eindruck täuscht, tatsächlich trennen die beiden Sterne mehr als drei Lichtjahre.
Ebenso leicht zu finden ist Kassiopeia, denn auch sie geht nie unter. Dieses Sternbild wird Himmels-W genannt und sieht genauso aus. Die mittlere Spitze des W weist auf den Polarstern, den hellsten Stern im „Kleinen Wagen“ nahe beim Himmelsnordpol. Leider kann man nur in sehr klaren Nächten sehen, wie sich das Band unserer Galaxie der Milchstraße durch Kassiopeia zieht.
Mit Pegasus über den Herbsthimmel reiten
Herbstnächte sind ideal, um Pegasus nördlich des Himmelsäquators zu entdecken. Doch das geflügelte Pferd steht auf dem Kopf. Betrachtet man die Umgebung des Kopfes näher, lässt sich schon durch ein Fernglas der Kugelsternhaufen M 15 als neblige Struktur erkennen. Doch erst im Teleskop mit einer Öffnung von mindestens 15 Zentimeter werden Einzelsterne sichtbar. Das Sternbild Pegasus ist Teil des charakteristischen Herbstvierecks, zu dem auch ein Stern der benachbarten Andromeda gehört.
Andromeda - zu Besuch bei unserer Nachbarin
Die Sternenkette Andromeda gehört noch zu unserer Galaxie. Nördlich davon finden wir den Andromeda-Nebel M 31. Dieser bildet die Nachbargalaxie unserer Milchstraße. Das klingt nahe, ist es aber nicht. Rund 2,7 Millionen Lichtjahre liegen dazwischen. Was wir dort im Moment beobachten, liegt also stets in ferner Vergangenheit.
Orion – Herrscher am winterlichen Sternenhimmel
Orion beherrscht den Nachthimmel zwischen Spätherbst und Beginn des Frühjahrs. Mit den hellen Sternen Beteigeuze und Rigel als Eckpunkte ist er leicht zu finden. Das majestätische Sternbild wurde im Altertum großer Himmelsjäger genannt und bietet schon mit bloßem Auge einen eindrucksvollen Anblick. Doch nur im Fernglas oder Teleskop lässt sich unterhalb der drei sogenannten Gürtelsterne der schwach leuchtende Orion-Nebel (M42) entdecken. Dieser ist ein Geburtsort für neue Sterne.
Die Plejaden – sieben auf einen Streich bestaunen
Die Plejaden sind kein Sternbild im eigentlichen Sinne, sondern ein Sternhaufen namens M45 im Sternbild Stier unterhalb von Perseus. Siebengestirn werden sie genannt, weil sich mit bloßem (gutem) Auge mindestens sieben Sterne erkennen lassen. Tatsächlich aber sind es an die fünfhundert, die fast vierhundert Lichtjahre von unserer Galaxie entfernt sind. Der Anblick dieses offenen Sternhaufens im Fernglas ist faszinierend. Abschließend noch ein Tipp zum Jahresende: am 29. Dezember 2009 wird sich der Mond über das Siebengestirn schieben. Die Bedeckung ist zwischen 2:30 und 5 Uhr morgens sichtbar.
