Athen - Die Mutter der Demokratie

Götter, Bauten und viel Geschichte

Die Akropolis in Athen - François Maher Presley
Die Akropolis in Athen - François Maher Presley
Die Geschichte des antiken Athens ist die Europas. Noch heute begeistert die Architektur, sind die Götter-Sagen Gegenstand der Literatur, lebt Europa seine Demokratie.

Wer an Griechenland (offizieller Name: Hellenische Republik) denkt, denkt an Athen, denkt natürlich auch gleich an die Akropolis, an jene Bauten, die vor etwa 2.500 Jahren auf dem seit ca. 3.000 Jahren besiedelten Akropolis Felsen entstanden sind und die noch heute mit ihren Überresten das Sinnbild für Hochkultur und Demokratie darstellen. In der mykenischen Zeit, als dieser Platz beherrschend für die Stadt wurde, stand auf dem Felsen ein Königspalast. Von dem ist heute, außer einigen Resten der Befestigungsmauer, nichts mehr übrig.

Geschichte, Götter, Architektur

Im Altertum glaubte man, dass dieses für damalige Verhältnisse gewaltige Bollwerk von den Kyklopen erbaut wurde. Ohnehin soll ganz Athen so entstanden sein. Der aus dem Erdboden erwachsene König Kekrops gilt als Ahnherr und Urkönig, der im Streit zwischen Poseidon und Athene um die Herrschaft über Attika der Athene den Sieg zusprach und somit die Stadt Athinai nach ihr benannt wurde. Poseidon ließ, um dem Wassermangel abzuhelfen, eine Quelle sprudeln, Athene dagegen pflanzte den Ölbaum, der den Wohlstand Attikas begründete. Das Grab des Königs soll übrigens zwischen eben diesen beiden Sinnbildern stehen, wo 1.000 Jahre später Perikles das Erechtheion bauen ließ.

Um 800 v. Chr. wurde die Akropolis zum heiligen Bezirk, in dem man diversen Göttern huldigte. Doch das fand sein Ende, als 480 v. Chr. die Perser die Tempel ausplünderten und nieder brannten. Erst 1865 entdeckte man unter dem Schutt u.a. die Koren (Akropolis Museum). Die Bauten, die wir heute sehen, entstanden erst im 5. Jh., dem Goldenen oder perikleischen Zeitalter. In nur vier Jahrzehnten entstanden Parthenon, Propyläen, Niketempel und Erechtheion, ein gigantisches und teures Bauprogramm, dass von da an die Architektur der gesamten antiken Welt und sogar noch die des 19. Jahrhunderts prägte. Selbst das Brandenburger Tor in Berlin hat als Vorbild die Propyläen.

In der römischen Zeit kamen weitere Bauten auf den Hügel. So entstand im 3. Jahrhundert das Beulé-Tor, durch das man die Akropolis betritt und das Ernest Beulé 1852 unter den türkischen Befestigungen entdeckte.

Unterschiedliche Kulturen veränderten Athen

Mit den herrschenden Kulturen veränderten sich auch die Sinngebung und das Gesicht der Akropolis. Die Byzantiner, Athen war ärmlich und bedeutungslos geworden, wandelten die Großbauten in Kirchen um, die Propyläen waren Amtssitz des Bischofs. Im 15. Jahrhundert bauten die Venezianer Propyläen und Erechtheion zu Palästen um und errichteten den 27 m hohen Frankenturm, der leider 1874 abgerissen wurde, um die Akropolis in ihren klassischen Zustand zu versetzen. Und mit den Türken wurde dann 1458 das Parthenon eine Moschee und später ein Pulvermagazin. In eben dieses Magazin fiel eine Kanonenkugel, die ein deutscher Soldat mit dem Namen Schwarz aus Lüneburg als Teil eines Söldnerheeres, das die Akropolis belagerte, abschoss und die am 26. September 1687 zu großer Zerstörung auf dem Hügel führte.

Die Zerstörung und Rückentwicklung der Akropolis

Doch die endgültige Zerstörung erfolgte durch Reisende des 18. Jahrhunderts und ganz dramatisch dann von 1799 bis 1803 durch den britischen Botschafter Lord Elgin, der Skulpturen, Friese und Metopen von den Bauten entfernen und nach Großbritannien bringen und verkaufen ließ. Dieser entschuldigte sich damit, dass die grobe Demontage wenigstens einige der Schätze der Menschheit erhalten konnte. Auch heute noch glauben Archäologen, dass es viele Objekte nicht mehr gäbe, wären sie, wie die noch vorhandenen Bauten, in Athen geblieben.

Als die Türken 1822 abzogen, begann man die Akropolis von allem “Fremden” zu befreien und sie in ihren “ursprünglichen” Zustand zu versetzen. Geblieben sind eigentlich Ruinen, die in keinem wirklichen Zusammenhang zueinander stehen und die sehr viel weniger beeindruckend sind als man es weitläufig annimmt. Nun allerdings setzte die größte Zerstörungswelle ein, die des Smog und des sauren Regens einer überwältigenden Metropole mit Namen Athen. Will man etwas über das wunderbare antike Athen erfahren, muss man in die Museen gehen und darauf hoffen, dass man Eintritt bekommt. Es ist schwer, in Athen zum richtigen Zeitpunkt in die Museen zu wollen. Entweder ein Gebäude wird restauriert, saniert, eine Sammlung umgestellt, es wird gestreikt, sich versammelt, man hat Urlaub, Mittagspause oder es besteht hitzefrei.

Die heutige Großstadt Athen

Die Großstadt Athen besteht mit ihren 4 Millionen Einwohnern (fast 30 % aller Griechen) eigentlich aus über 37 Städten und Vororten bis hin zum Hafen von Piräus, die im Laufe der letzten Jahrzehnte zusammengewachsen sind und sich zu der Metropole Athen verdichtet haben, dessen Häusermeer sich heute über das gesamte Attische Becken hinzieht und sogar vor den die Stadt an drei Seiten umgebenden und eingrenzenden Bergen nicht mehr Halt macht.

Athen ist flächig, doch alles, was die Stadt an Sehenswürdigkeiten baulicher Art bietet, ist schnell absolviert und liegt im Zentrum, nämlich dem ehemaligen Athen selbst. 60 % der Industrie des kleinen Griechenlands (knapp 11 Mio. Einwohner) sitzt in und um Athen. Alle Gesellschaften aus dem Handel und der Energiewirtschaft, dem Bank- oder Versicherungswesen haben ihren Sitz in der Hauptstadt, in der auch drei Viertel des Flugverkehrs des ganzen Landes abgewickelt werden und die größte Handelsflotte der Welt ihr zu Hause hat.

Das alles klingt fast unvorstellbar, bedenkt man, dass Athen noch um 1800 ein Dorf mit 6.000 Einwohnern war, das von dem guten König Otto aus Bayern, der als griechischer Monarch von den Schutzmächten eingesetzt wurde, als Residenzstadt mit 50.000 Einwohnern geplant und von seinen bayrischen Architekten entsprechend ausgebaut und umgestaltet wurde. Bereits um 1900 lebten 100.000 Menschen in der Stadt, ganz entgegen der Planung, heute ist sie eine der Metropolen in Südeuropa, und wieder veränderte ein Deutscher mit dem Namen Otto das Lebensgefühl bei den Hellenen.

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

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