Das Atlantis-Rätsel ist für die heutige Forschung einerseits ein rotes Tuch, andererseits jedoch auch ein interessantes seriöses Forschungsfeld. Leider dringt seriöse Forschung zu dem Themenkomplex nicht durch, da die Atlantisforschung geprägt wird von selbsternannten Atlantologen und Menschen die durch das Ausrufen einer neuen Theorie schnell zu Medienruhm und Berühmtheit gelangen. Das Thema Atlantis bietet all diesen sogenannten Atlantologen ein reges Betätigungsfeld und keine noch so abstruse Theorie gilt in den Kreisen der Atlantisforscher als abwegig. Seriöse Wissenschaftler meiden das Thema daher wie der Teufel das Weihwasser, um nicht in den Strudel der Unseriösität hineingezogen zu werden, dabei ist das Thema durchaus würdig von der seriösen Wissenschaft beleuchtet, zu werden.
Atlantis-Real oder Fiktion?
Gab es Atlantis oder ist es nur eine Fiktion? Die glühenden Anhänger die Atlantis für real halten oder hielten beginnen bei Namen wie Otto Muck, Jürgen Spanuth, Arn Strohmeyer und enden bei Eberhard Zangger. Die seriöse Wissenschaft sieht Atlantis als Teil einer erzählten Geschichte, um die Vorzüge des Staatswesens, wie Platon es verstanden hat, zu verdeutlichen. Die Atlantisgeschichte ist demnach nur als Metapher für ein staatstreues Leben im Sinne Platons zu verstehen. Lässt sich das Rätsel Atlantis so einfach als Spinnerei abtun oder gibt es doch einen wahren Kern?
Spärliche Quellenlage
Zunächst einmal gibt es nur zwei Quellen, die überhaupt von Atlantis berichten, nämlich die Dialoge von Kritias und Timaios. Der Dialog von Kritias bricht an der Stelle ab, als Zeus die Götter zur Versammlung zusammenruft. Reichen diese zwei Quellen aus, um die Existenz von Atlantis zu belegen? Seriöse Wissenschaftler verneinen dies. Die so kritisierten Anhänger der Atlantisgeschichte wehren sich hingegen mit dem Argument „Homers Troja“. Galt diese Geschichte nicht auch als nur erfunden? Ist das Atlantisrätsel also unlösbar? Wenn man sich die Dialoge in Platons Kritias genau ansieht, dann treten einige Dinge ins Auge, die von Bedeutung sind. Zunächst einmal wird die Zeit um 9600 vor Platon als Zeitrahmen der Existenz von Atlantis bezeichnet. In den südlichen Teilen Europas und Kleinasien herrschte zu dieser Zeit das frühe Neolithikum vor, in einigen Teilen Nordeuropas war gerade die Eiszeit überwunden, in dieser Zeit soll also eine Insel existiert haben, deren Waffen aus Schwertern, deren Dächer mit Gold und Silber verziert waren, soweit die Erzählung von Platon. Platon selbst beschreibt Atlantis in dem Dialog des Kritias als Volk, das Zeus und andere hellenistische Götter verehrt hat. Genau genommen hat Platon die Information selbst nur aus dritter Hand, die Information selbst stamme aus Ägypten von einem Priester, dieser hat dem Staatsmann Solon, der selbst fast 300 Jahre vor Platon lebte, die Geschichte erzählt. Soweit die These von Atlantis, wenn die 9600 Jahre als authentisch anzusehen sind. Der „Atlantisforscher“ Jürgen Spanuth hat durch die Einbringung der Theorie der Mondjahre die Legende von Atlantis weiter am Leben erhalten. Demnach sprach Platon von einer Insel, die um 1500-1200 vor Christus untergegangen sein muss, so die These von Spanuth. Allerdings war ein ägyptisches Mondjahr nur unwesentlich kürzer als ein Sonnenjahr, sodass bezogen auf die Jahrtausende allenfalls eine Zeitverschiebung um einige Hundert Jahre möglich gewesen wäre.
Bekanntes Staatswesen
Sämtliche Angaben von Platon beschreiben Atlantis als den griechischen Völkern bekanntes Staatsgebilde, auch die Angaben zur Lage von Atlantis beschreiben die angeblich untergegangene Insel als den Griechen von der Lage her bekanntes Gebiet. Platon hat somit in den Dialogen von Kritias und Timaios seine Sichtweise eines perfekten Staatsgebildes beschreiben können und beschrieben was passiert, wenn sein Staatsverständnis von den Einwohnern untergraben wird und nur das Trachten nach Reichtum und die Gier Einzug halten. Letztlich erinnert die Geschichte von Platon an eine sehr bekannte Geschichte, nämlich an die Vertreibung aus dem Paradies des alten Testaments. Die von Platon beschriebenen paradiesischen Zustände auf der Insel Atlantis umschreiben genau die Zustände, wie sie Adam und Eva erlebt haben. Die mannigfaltigen Früchte und die Schönheit der Gegend wird ebenso beschrieben wie die Fülle der vorhandenen Früchte. Es handelte sich demnach gleichsam um das Land, wo Milch und Honig fließen. Auch die Entstehungsgeschichte von Adam und Eva findet sich in der von Platon beschriebenen Geschichte. So wurde Euenor ebenso wie seine Frau Leukippe aus der Erde geformt (Adam wurde in der Genesis aus Erde geformt). Ebenso wird von Platon von der Ausstattung der Insel mit allem was das Herz begehrt gesprochen. Letztlich lehnen sich die Menschen gegen die göttliche Ordnung auf und werden durch ein Erdbeben aus ihrem Paradies vertrieben. Die Gemeinsamkeiten zwischen der Genesis der Bibel und Platons Bericht sind offensichtlich. Platon nutzt scheinbar jedoch Elemente von ihm bekannten ehemaligen Völkern wie das der Minoer und setzt diese in seiner Erzählung so ein, dass die Geschichte gleichsam Betroffenheit bei den Zuhörern auslöst, und diese zur Staatsräson bringen soll. Die Atlantisgeschichte basiert somit auf einer mutmaßlich identischen Quelle wie die Genesis des Alten Testaments und beschreibt Elemente der Minoischen Kultur, wie den Stierkult und weitere Besonderheiten der Minoer, wie das Attribut der Delfine.
Atlantis-Real und doch Fiktion
Die Atlantisgeschichte ist somit wahr und unwahr zugleich. Sie basiert auf einer scheinbar identischen Quelle wie die Genesis und beschreibt zudem eine Insel wie Kreta und ein Volk wie das der Minoer. Kreta ist somit Atlantis und ist es dennoch nicht, denn Atlantis ist gleichsam in der Bibel in der Genesis lebendig. Atlantis ist somit ein Fall für Historiker, aber nicht für Archäologen, denn die Insel und die Gesellschaft, wie sie von Platon beschrieben wurde, findet sich in der alten antiken griechischen Gesellschaftsordnung wieder, die historische Urquelle selbst sollte die christliche Archäologie und die Ägyptologie erforschen und damit sollte die Akte „Atlantis“ ein für allemal geschlossen werden, denn für Atlantis gab es ein reales Vorbild, aber Atlantis selbst gab es nicht, da helfen keine Mondjahre oder andere unsinnige Rechentricks um sich die Wahrheit so zu biegen, wie man sie gerne hätte.
Quellen:
- S. Frey 2011: Atlantis. Die reale Fiction. Eine seriöse wissenschaftliche Untersuchung, (i. Druck).
- Platon: Kritias
- Platon: Timaios
- Platon: der Staat. A. Kröner Verlag (Stuttgart 1955).
- Die Bibel, Genesis
