Wenn man sich dazu entschlossen hat, ein Kernkraftwerk abzuschalten, weil es alt und störanfällig und seine Betriebszeit abgelaufen ist, oder man sich für eine alternative, günstigere und sicherere Form der Energiegewinnung entschieden hat, kann man den verseuchten Koloss nicht einfach wie ein baufälliges Haus abreißen. Der Rückbau eines ausgedienten Atomkraftwerkes ist aufwändig und die Entsorgung kostet ein Vermögen.

Der Atomausstieg bedeutet für Rückbauunternehmen ein lukratives Geschäft

Ein Kernkraftwerk wird zwar per Knopfdruck ausgeschaltet, aber bis es wirklich stillgelegt ist, dauert es noch viele Jahre lang. Erst läuft der Nachbetrieb, um den Abbau der nuklearen Anlagenteile technisch vorzubereiten und dann der Restbetrieb, um die für die Stilllegungs- und Rückbauarbeiten notwendigen Systeme weiter betreiben zu können. In der ersten Phase des Rückbaus werden die hochradioaktiven Brennelemente aus dem Reaktor in ein eigens dafür errichtetes oder angemietetes Zwischenlager transportiert, um dort in den nächsten 30 bis 40 Jahren weiter abzukühlen. In der „heißen Phase“ werden alle hoch- und mittelradioaktiv verseuchten Teile von Spezialisten aus der Anlage entfernt, erklärt Peter Klimmek, Pressesprecher des Kernkraftwerkes Würgassen. In der Regel handelt es sich dabei um kernnahe Bauteile, die während des Reaktorbetriebes durch die Einwirkung von Neutronen selbst radioaktiv wurden und deswegen nicht dekontaminiert werden können. Dieser verstrahlte Schrott wird ebenfalls zwischengelagert, da bis heute kein Endlager in Deutschland existiert. Das geplante Endlager Konrad ist noch nicht fertig gestellt.

Der Rückbau gliedert sich in verschiedene Phasen

Der über lange Jahre dauernde Rückbau eines Kernkraftwerkes wird streng von der zuständigen Atomaufsichtsbehörde überwacht. Der Strahlenschutzbeauftragte muss jedes noch so kleine Bauteil auf radioaktive Strahlung testen, um die Arbeiter keiner Gefahr auszusetzen und die medizinisch unbedenklichen Grenzwerte während des Rückbaus einzuhalten. Nach der Demontage aller stark kontaminierten Anlageteile wird der nukleare Rückbau abgeschlossen. Man beginnt daraufhin mit der Reinigung und Dekontamination des Gebäudes. Dieser Reinigungsvorgang zielt darauf ab, möglichst viel von dem gereinigten Beton und Stahl zu recyceln und zu verkaufen. Das betrifft all die Gebäude- und Anlagenteile, die nur oberflächlich verseucht und damit schwachradioaktiv sind. Radioaktive Staub- und Lackschichten werden mit Hightech-Geräten abgelöst, bis keine Strahlenbelastung mehr festzustellen ist und das Material schließlich wiederverwertet oder konventionell verschrottet werden kann. Im Anschluss an diese Rückzugsarbeiten, die den Abbruch der Betonhülle einschließen, wird das Gelände auf Strahlung geprüft und freigegeben sofern alle Auflagen erfüllt sind. Nach diesem Schritt folgt die Entlassung aus der atomrechtlichen Überwachung. Wenn schließlich noch der Boden planiert und Rasen gesät wird, spricht man von einem Rückbau zur „grünen Wiese“. „Wir werden am Beispiel Würgassen vorführen, dass man ein Kernkraftwerk zur grünen Wiese umbauen kann“, sagt Peter Klimmek mit Stolz. Optisch werde nichts mehr daran erinnern, dass hier jemals ein Atomkraftwerk stand.

Der Abriss wird in der Regel immer teurer als geplant

Der Rückbau eines Kernkraftwerkes kann zwischen zehn und fünfzehn Jahren dauern. Die Rückbauzeit hängt allerdings vom Reaktortyp ab. Die Unsummen, die währenddessen verschlungen werden, sind enorm. Der Rückbau des Kernkraftwerkes Greifswald kostet über vier Milliarden Euro und läuft seit 1995, also seit über 15 Jahren, die Kosten für die Stilllegung vom AKW Rheinsberg belaufen sich bis heute auf 440 Millionen Euro. Auch die Sanierung des Endlagers Asse wird weit über eine Milliarden Euro verschlingen. Laut Angaben der Bundesregierung hat der Bund für die Stilllegung und den Rückbau von AKWs bereits 5,2 Milliarden Euro ausgegeben und wird in den nächsten zwanzig Jahren schätzungsweise weitere 5,4 Milliarden Euro investieren. Regierungsberichten zufolge sind diese Schätzungen jedoch mit Unsicherheit behaftet, da die Zwischenlagerung teurer als erwartet wird und der Bau von Endlagern enorm verzögert ist. Es kann also durchaus noch teurer werden.

Versteckte Subventionen verzerren den Atomstrompreis

Sobald man die Kosten des Baus und des Rückbaus, sowie der Zwischen- und Endlagerung des kontaminierten Abfalls berücksichtig, versteht man schnell, dass die Produktion von Atomstrom entgegen jeder Behauptung der Wirtschaft extrem teuer ist. Der Atomstrom kann nur mit anderen, erneuerbaren Energien in Konkurrenz treten, weil diese horrenden Kosten vom Steuerzahler bezahlt werden und nicht auf der Stromrechnung sichtbar werden. Sie sind sozusagen verdeckt, genau wie die vom Staat mit Steuergeldern finanzierten Subventionen, Forschungsgelder und Steuererleichterungen für Kernkraftbetreiber, die ebenfalls in die Berechnung der Kilowattstunde Atomstrom einbezogen werden müssten, um den tatsächlichen Preis für Atomstrom zu ermitteln. Von dem volkswirtschaftlichen Schaden, der bei einer Kernschmelze in Deutschland entstehen würde und sich nach Schätzungen vom Prognos-Institut auf mehrere Billionen Euro belaufen würde, nicht zu sprechen – das Land wäre nach einem derartigen Supergau bankrott.

Der strahlende Atommüll wird noch viele Genrationen belasten

Neben den nicht kalkulierbaren Unfallgefahren, den möglichen Gesundheitsschäden und dem bis heute nicht gelösten Problem der Atommüllentsorgung übernimmt die Gesellschaft über Generationen hinweg die Folgeschäden. Unseren Kindern und Enkelkindern werden die in keiner Relation stehenden und nicht überschaubaren Kosten für den Rückbau der Kernkraftwerke und den gefährlichen radioaktiven Schrott vererbt, der auch in vielen tausend Jahren noch strahlen wird.

Quelle:

  • Peter Klimmek von E.on-Kernkraft
  • deutsches Atomforum
  • BMU
  • Regierung online
  • Greenpeace