Die aktuellen Ereignisse in Japan zeigen, wie gefährlich und unbeherrschbar Atomkraft ist. Viele Experten warnen bereits seit Jahren vor den Gefahren dieser oft als „saubere und billige Energie“ bezeichneten Stromerzeugung. Denn auch ohne Störfälle oder solche tragischen Vorkommnisse wie das Erdbeben in Japan ist die Atomkraft für den Menschen nicht ungefährlich. Dies sagen nicht nur Umweltorganisationen wie Greenpeace, auch von staatlicher Seite wurden Untersuchungen in Auftrag gegeben, die eine deutliche Sprache sprechen.
Die KiKK-Studie wurde 2003 vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Auftrag gegeben
So wurde 2003 die sogenannte KiKK-Studie gestartet. Dies war nicht die erste deutsche Studie, die sich mit einem möglichen Zusammenhang von Krebs bei Kindern unter Einwirkung von Radioaktivität beschäftigte. Bereits 1992 wurde eine analog durchgeführte Studie des deutschen Kinderkrebsregisters (DKKR) veröffentlicht, die in dem Zeitraum 1980 bis 1990 bei Kindern unter fünf Jahren die Leukämie-Erkrankungsrate untersuchte. 1997 wurde eine zweite ökologische Studie veröffentlicht, die den Zeitraum von 1991 bis 1995 behandelte und erneut vom DKKR durchgeführt wurde. Beide Studien wurden kontrovers in den Medien diskutiert, da die Studien anfechtbar waren.
2001 wurde die Fall-Kontroll-Studie KiKK beschlossen
Bei einem sogenannten „runden Tisch“ auf Einladung des Präsidenten des Bundesamtes für Strahlensschutz, Wolfram König, wurde beschlossen, dass eine qualitativ hochwertige und epidemiologisch erhobene Studie in Auftrag gegeben werden sollte. Das Kürzel KiKK steht für „Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken“ und nach einer Ausschreibung wurde das Deutsche Kinderkrebsregister am Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universität Mainz beauftragt. Dazu wurde die 2003 gestartete Studie von einem externen Expertengremium aus zwölf MedizinerInnen, EpidemiologInnen, PhysikerInnen und StatistikerInnnen wissenschaftlich begleitet. Nach vier Jahren und mehreren Sitzungen des Gremiums wurde die Studie im Dezember 2007 veröffentlicht.
Das Krebs-Risiko für Kinder in der Nähe eines AKW nimmt zu
Die bisher aufwändigste Studie zu diesem Thema fand nach Veröffentlichung wenig Konsequenzen und auch die letztjährige AKW-Laufzeitverlängerung zeigt, dass nicht immer die Gesundheit der Menschen – in diesem Fall insbesondere der Kinder – im Vordergrund steht. Denn die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Kinder, die im Umkreis von bis zu fünf Kilometern um ein deutsches „sicheres“ Atomkraftwerk aufwachsen, ein um 60 Prozent erhöhtes Risiko haben, an Krebs zu erkranken. Das Risiko an Leukämie, also Blutkrebs, zu erkranken, ist sogar um 120 Prozent erhöht. Selbst im Abstand von 50 Kilometern zu einem AKW ist das Krebsrisiko bei Kindern noch erhöht. Die wissenschaftlich fundierte Studie bewies damit, dass die Häufung von Krebsfällen rund um Atomkraftwerke nicht durch Zufall erklärt werden kann.
Untersuchungsgebiet und Zeitraum der KiKK-Studie in Deutschland
Der lange Zeitraum der Studie von 24 Jahren war möglich, da das Mainzer Kinderkrebsregister seit 1980 alle neu diagnostizierten Krebserkrankungen bei Kindern statistisch erfasst. Es wurde eine sogenannten Fall-Kontroll-Studie durchgeführt, d.h. die Lebensumstände der erkrankten Kinder („Fälle“) deren Wohnort nahe bei einem Atomkraftwerk war, wurden mit gesunden Kindern gleichen Alters und Geschlechts („Kontrolle“) verglichen und der Abstand jedes Kindes auf 25 Meter genau zum nächsten Abluftschornstein eines Atomkraftwerks festgehalten. In der Kontrollgruppe befanden sich 4.735 Kinder, an Krebs waren seit 1980 1.592 Kinder unter fünf Jahren erkrankt, davon 593 an Leukämie. Untersucht wurden Landkreise im 50-km-Umkreis rund um alle 15 deutschen AKW-Standorte, wobei der Standort Lingen und Emsland als ein Standort zusammengefasst wurden. Zur Studienzeit 1980 bis 2003 waren übrigens 21 Reaktoren in Betrieb.
Die KiKK-Studie sollte drei Antworten zur Atomkraft geben
Das externe Expertengremium und das Bundesamt für Strahlenschutz bestimmte drei Fragen, die die KiKK-Studie beantworten sollte. Die drei Antworten nach der Studie lauteten:
- Ja, Kinder unter fünf Jahren in der Umgebung von Kernkraftwerken erkranken häufiger an Krebs als anderswo.
- Ja, das Erkrankungsrisiko nimmt mit der Nähe zu den Kernkraftwerken zu („negativer Abstandstrend“).
- Nein, es fanden sich, vom Abstand zwischen Wohnung und Atomkraftwerk abgesehen, trotz ausführlicher Suche keine anderen Einflussfaktoren, die das Ergebnis der Studie erklären könnten.
Mehr Informationen zur Studie finden Sie hier.
Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz
