Durch die heutige Globalisierung ist die Beherrschung einer zweiten Fremdsprache schon fast Grundvoraussetzung geworden, um einen Studienplatz, eine Ausbildung oder einen guten Job zu bekommen. Daher entscheiden sich viele Mädchen und auch immer mehr Jungen nach der Schule für einen Auslandsaufenthalt als Au-Pair. Ein solcher Aufenthalt reicht von vier bis sechs Wochen, sogenannte Sommer-Au-Pairs, bis hin zu 18 Monaten. Schon hier beginnen die ersten Überlegungen für jemanden, der sich für eine Arbeit als Au-Pair entschieden hat: Wie lange soll der Aufenthalt dauern? Bekomme ich schnell Heimweh? Möchte ich in ein Land, das weit weg oder eines, das nur wenige Flugstunden entfernt ist, sodass ich über ein Wochenende nach Hause fliegen könnte? Welche Sprache möchte ich lernen? Welche Kultur möchte ich kennen lernen?

Überlegungen zur persönlichen Eignung

Es ist sehr wichtig, sich darüber klar zu werden, ob man auch persönlich für einen solchen Job geeignet ist. Obwohl viele Familien das Au-Pair als Familienmitglied auf Zeit sehen, hat es seine Arbeit trotzdem gewissenhaft und ordentlich zu erledigen wie in einem Job. Ein Au-Pair verbringt viel Zeit mit den Kindern. Dieser Umstand beinhaltet eine große Verantwortung. Es muss Pflichtbewusstsein, Geduld und erzieherische Kenntnisse mitbringen. Zudem wird von einem Au-Pair meist leichte Hausarbeit erwartet, wie Wäsche waschen, Bügeln, Staubsaugen, Böden wischen, Badezimmer putzen oder Kochen. Allerdings sollte die Hausarbeit nicht überhand nehmen, denn das Au-Pair ist keine Putzfrau oder Nanny.

Geeignete Wege zur passenden Gastfamilie

Ist das Land und die Dauer festgelegt, stellt sich nun die Frage, auf welchem Weg eine Gastfamilie gesucht wird. Es gibt zahlreiche Seiten im Internet, auf denen sich Familien aus allen Ländern vorstellen. Diese Seiten sind jedoch oft undurchsichtig und es gibt immer wieder schwarze Schafe. Daher ist es empfehlenswert, sich bei einer Au-Pair Agentur anzumelden. Indikatoren für eine gute und vertrauenswürdige Agentur sind Mitgliedschaften bei Organisationen wie der IAPA (International Au Pair Association). Agenturen überprüfen sowohl die Eignung einer Gastfamilie sowie die eines Au-Pairs, haben vertragliche Regelungen, bieten finanzielle Sicherheit und Wechselmöglichkeiten im Falle einer unpassenden Erstplatzierung. Oftmals verlangen diese Agenturen Vermittlungsgebühren, in der Regel eine gute Investition, um aus dem Traum „Ausland“ keinen Albtraum werden zu lassen.

Wünsche und Ansprüche an das zukünftige Zuhause

Die Agenturen verlangen von dem Au-Pair neben dem Vertrag, Personalausweis und anderen Formalitäten auch einen ausgefüllten Bogen mit den Wünschen des Au-Pairs und einen Brief an die Gastfamilie, indem sich das Au-Pair vorstellt. Daher sollte man sich im Klaren sein, welche Ansprüche man stellt: Wie viele Kinder möchte ich betreuen und in welcher Altersgruppe? Sollte die Familie in der Stadt oder auf dem Land wohnen? Darf die Familie Haustiere haben? Liegt eventuell eine Allergie vor, über welche die Gastfamilie informiert sein muss? Haben die Kinder Handicaps, die eine besondere Pflege mit sich bringen? Was bietet die Familie (Zimmer, Badezimmer, Auto etcetera)? Wie sehen die Arbeitszeiten aus? Wie viel Taschengeld stellt die Familie zur Verfügung? Hat die Agentur eine passende Gastfamilie gefunden, bekommt das zukünftige Au-Pair üblicherweise einen Brief und Fotos der Familie per E-Mail. Haben beide Seiten einen positiven Eindruck, kann der persönliche Kontakt hergestellt werden.

Wegweiser durch den Versicherungsdschungel

Bevor es losgehen kann, müssen noch einige Dinge geregelt werden. Die meisten jungen Leute haben die Schule bereits abgeschlossen, wenn ihnen ein Auslandsaufenthalt bevorsteht. Sie sind daher verpflichtet, sich bei der Agentur für Arbeit abzumelden. Des Weiteren muss berücksichtigt werden, dass deutsche Krankenkassen eine Auslandskrankenversicherung nur bis zu 6 Wochen anbieten. In diesem Fall gibt es spezielle Au-Pair-Versicherungen, die viele Leistungen zu erschwinglichen Preisen anbieten. Liegt eine Langzeiterkrankung vor, bei der regelmäßige Arztbesuche und Medikamente nötig sind, muss dies bei der Wahl der Versicherung beachtet werden, da derartige Leistung oft nicht mit inbegriffen sind. Obligatorisch muss eine Auslandshaftpflichtversicherung für ein solches Vorhaben vorhanden sein!

Hinweise zu Dokumenten und sonstigen Formalitäten

Des Weiteren müssen Kündigungsfristen von Wohnung, Telefon, Zeitungsabonnements, GEZ oder anderen Verträgen beachtet werden. Häufig ist auch zu überlegen, ob das deutsche Handy während des Aufenthalts notwendig ist, da die meisten Gastfamilien eines zur Verfügung stellen. Viele Banken verlangen im Ausland hohe Gebühren. Dies sollte auf jeden Fall in Erfahrung gebracht werden. Es darf auch auf keinen Fall vergessen werden, den Personalausweis oder Reisepass auf Gültigkeit zu überprüfen und ob er in der Zeit des Aufenthalts abläuft. Es kann nach Beantragung mehrere Wochen dauern, solche Dokumente zu erhalten. Ein Ablauf während des Aufenthalts kann zur Ausreise führen.

Die letzten Schritte vor der Abreise

Der Flug ist schon lange gebucht, Geld-, Vertrags- und Versicherungsangelegenheiten sind geregelt und die Vorfreude ist groß. Der große Tag ist nah und es muss der Koffer gepackt werden. Besonders die weiblichen Abenteurer werden spätestens jetzt an die nervlichen Grenzen kommen. Üblicherweise sind 20 Kilo für Gepäck und sieben bis zehn Kilo für Handgepäck pro Person bei einem Flug erlaubt. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass man nicht für viele Monate in den Urlaub fährt, sondern in einen anderen Haushalt, in dem auch Wäsche gewaschen werden kann. Zudem wird man auch Shoppen gehen. Daher sind die Lieblingsklamotten und das Übliche wie Unterwäsche, Schlafanzug, Zahnbürste und so weiter vollkommen ausreichend. Sollte die Reise in ein Land mit anderer Währung gehen, wäre es sinnvoll, etwas Bargeld in der entsprechenden Währung schon vor Abreise zu besorgen.

Nun ist alles erledigt und das Erlebnis „Au-Pair“ kann beginnen. Ein Abenteuer, das man nie vergessen wird!

Quellen:

International Au Pair Association

Das Buch zum Thema:

"Abenteuer Au-Pair" von Corinna Nitsche