
- Au-pairs sollten die richtige Kleidung einpacken - Silke Hamann
Nach dem Schulabschluss zieht es viele Jugendliche erst einmal ins Ausland. Sie wollen ferne Länder entdecken oder eine Fremdsprache erlernen, bevor das Studium oder die Arbeitswelt der Reisefreiheit wieder Schranken setzen. Manche bevorzugen den klassischen Urlaub und erkunden ihre Reiseziele als Tourist. Work and Travel Programme ermöglichen dagegen einen tieferen Einblick in die Landeskultur und finanzieren sich zudem ein Stück weit selbst. Andere Jugendliche möchten sich eher sozial engagieren und verbringen ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland. Für kinderbegeisterte Reisewillige eignet sich wiederum ein Au-pair-Aufenthalt – nicht nur für Mädchen. Genau wie bei einer Sprachreise oder einem Schüleraustausch lässt sich auch hier bei einer der zahlreichen Agenturen das "Komplettpaket" buchen. Doch es geht auch ohne eine Agentur.
Vorteile von Au-pair Agenturen
Die Reise mithilfe einer Au-pair-Agentur zu organisieren bietet einige Vorteile. Dazu zählen vor allem die Vermittlung einer passenden Familie und die Unterstützung bei den organisatorischen Formalitäten. Üblicherweise müssen sowohl die Au-pair-Bewerber als auch die Familien dafür einige Kriterien erfüllen. Au-pairs erbringen in den meisten Fällen einen Nachweis über ihre Sprachkenntnisse, ein polizeiliches Führungszeugnis, ein Gesundheitszeugnis sowie mehrere Referenzen über ihre Erfahrungen in der Kinderbetreuung. In einem persönlichen Brief stellen sie sich ihrer zukünftigen Gastfamilie vor und beschreiben ihre Erwartungen und Wünsche. Auch die Familien stellen sich in einem solchen Brief vor.
Die Agentur sucht dann einen passenden Bewerber aus und stellt den Kontakt her. Sind sich beide Seiten sympathisch, regelt die Agentur die Formalitäten. So hilft sie zum Beispiel beim Beantragen eines Visums oder dem Abschluss einer Auslandskrankenversicherung. In einem Vertrag hält sie auch die Arbeitszeiten und das Gehalt fest. Zudem vermittelt die Agentur häufig Sprachkurse, durch die gleichzeitig der Kontakt mit anderen Au-pairs hergestellt wird. Im Idealfall gibt es lokale Mitarbeiter der Agentur als Ansprechpartner vor Ort, die bei Problemen Hilfestellung leisten können. Bei der Auswahl einer passenden Agentur empfiehlt es sich, auf eine Mitgliedschaft in einer Au-pair-Organisation zu achten, wie beispielsweise der IAPA (International Au Pair Association). Dies ist ein guter Hinweis darauf, ob es sich um eine vertrauenswürdige Agentur handelt, da es auch unter den Agenturen viele schwarze Schafe gibt.
Nachteile von Au-pair-Agenturen
Sind die Anforderungen an die Bewerber erst einmal erfüllt, ist das Verfahren mit verhältnismäßig geringem Aufwand für die Bewerber verbunden. Doch für diese Leistungen verlangen die Agenturen eine entsprechende Gebühr, die sich oft im mittleren dreistelligen Bereich bewegt. Des Weiteren sind sie meist auf bestimmte Länder spezialisiert, was den Wünschen mancher Bewerber unerwartete Schranken setzt. Häufig ist eine feste Dauer von sechs Monaten oder einem Jahr vorgesehen. Dieser Zeitraum passt jedoch nicht immer in die eigene Planung, zum Beispiel wenn nur ein kurzer Zeitraum bis zum Beginn des Studiums überbrückt werden soll. Oft wird der Vorzug von Agenturen darin gesehen, dass die Familien vorher überprüft werden.
Diese Überprüfung dürfte sich in den meisten Fällen jedoch auf die formale Erfüllung der gestellten Kriterien beschränken. Umgekehrt können die formalen Anforderungen an die Au-pair-Bewerber auch ein Hindernis sein. So dürfen die Betreuungsreferenzen beispielsweise nicht von der eigenen Familie oder Bekannten ausgestellt werden. Wer seine Erfahrungen in der Kinderbetreuung aber durch das Aufpassen auf kleine Geschwister gewonnen hat, genügt damit nicht den Kriterien. Hinzu kommt noch ein weiterer Grund, auf eine Agentur zu verzichten: die Förderung von Selbstständigkeit. Einen Au-pair-Aufenthalt eigenständig zu organisieren ist kein Hexenwerk, aber man gewinnt dadurch wichtige Erfahrungen in Bezug auf Planung und Organisation. Wer auf eine Agentur verzichtet, tut damit einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Eigenständigkeit.
Eine Au-pair-Familie ohne eine Agentur finden
Kostenlose Vermittlungsseiten ermöglichen es den zukünftigen Au-pairs, die Gesuche potenzieller Gastfamilien zu durchstöbern und sich selbst in einem Profil vorzustellen. In diesem Profil werden die Wunschländer und -sprachen sowie die Vorstellungen bezüglich der zu betreuenden Kinder und des Zeitraums angegeben. Je flexibler die Angaben sind, desto größer sind die Chancen, eine passende Familie zu finden. Die Bewerber teilen in ihrem Profil außerdem mit, ob sie auch bereit sind, sich um Haustiere zu kümmern oder im Haushalt zu helfen. In einem persönlichen Text stellen sie sich kurz vor und erklären, warum sie als Au-pair arbeiten möchten. Außerdem berichten sie von ihren bisherigen Erfahrungen in der Kinderbetreuung. Hat man bisher wenig Erfahrung, ist das für viele Familien gar kein Problem. Es sei aber dringend geraten, hier nicht zu schummeln, damit es später keine bösen Überraschungen gibt.
Wenn einem Bewerber eine Familie zusagt, kann er sie über die Webseite kontaktieren und umgekehrt. Sind beide Seiten interessiert, können die Familie und das Au-pair sich per E-Mail austauschen, Fotos schicken und telefonieren um sich näher kennen zu lernen. Im Idealfall stellt die Familie den Kontakt zu früheren Au-pairs her, wodurch der Bewerber hilfreiche Informationen und ehrliche Einschätzungen erhalten kann. Es ist nicht ungewöhnlich, mit mehreren Familien – auch aus verschiedenen Ländern – gleichzeitig in Kontakt zu stehen. Ein ausschlaggebendes Kriterium ist dann häufig das Bauchgefühl. Manchmal entscheidet sogar nur die Sympathie für eine Familie darüber, in welches Land die Reise geht. Wenn sich das Au-pair und die Familie zudem über die Rahmenbedingungen wie Arbeitszeiten, Aufgabenverteilung, Gehalt, Unterkunft und Reisedaten einig sind, kann ein Au-pair-Vertrag abgeschlossen werden. Nun gilt es, die Details zu planen. Zahlreiche Erfahrungsberichte und Informationsplattformen im Internet bieten hierzu ausreichende Hilfestellungen und Tipps zur Vorbereitung. Dann steht einer schönen Zeit mit der selbst gewählten Familie nichts mehr im Weg.
