
- Nicht nur zu Ostern schön - Ines von Külmer
Verkehrte Welt. Deutschland ist zu Ostern im April 2011 die wärmste Region Europas. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge waren jedoch die Ostertage im Jahre 1962 und 2009 ähnlich warm. Wo es traditionell wärmer ist als in Deutschland, herrschen zurzeit Temperaturen zwischen 14°C und 24°C, nämlich in Südeuropa. Schon bis Ende März 2011 gab es deutschlandweit sehr viele Sonnenstunden: In vielen Teilen Deutschlands waren es 160 bis 190 Stunden, sogar im Norden gab es mit 130 bis 150 Stunden mehr Sonnenschein als im Jahresdurchschnitt.
Kein Wassermangel in Deutschland
Das Frühjahr 2011 war bisher extrem trocken. Trotzdem: Für extremes Wassersparen gibt es in Deutschland keinen Anlass. Durchschnittlich stehen in ganz Deutschland pro Jahr nämlich 182 Milliarden Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Nur drei Prozent davon werden für die öffentliche Wasserversorgung genutzt. Seit den 1980er Jahren ist eine sinkende Wassernachfrage zu erkennen. Nach der Wende wurden im Osten große Teile der öffentlichen Wasserinfrastruktur saniert. Sanitäre Anlagen in privaten Haushalten wurden durch neue, effiziente Anlagen ersetzt.
Historisch wasserarmes Franken
Mündlichen Überlieferungen zufolge kann man den Brauch des Osterbrunnenschmückens auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückdatieren. Der Brauch steht in Zusammenhang mit den geologischen Verhältnissen des Fränkischen Juras. In diesem Mittelgebirge war das Wasser immer knapp. In früheren Zeiten musste es mühsam von den Tälern auf die trockene Hochfläche getragen werden. Tiefbrunnen waren dagegen sehr schwer zu bohren, sie waren daher selten. Die Reinigung dieser Brunnen zu Ostern war Männerarbeit. Frauen und Mädchen waren für das festliche Schmücken zuständig. Girlanden aus Fichtenzweigen und bunte Papierbänder wurden neben den bunt bemalten Eiern als Dekoration für den Brunnen verwendet.
Traditionelle Osterbräuche als Wirtschaftsfaktor
Das Schmücken der Brunnen sollte die Bedeutung des Wassers für das Leben schlechthin symbolisieren. Dem Osterwasser wurde eine besondere Wirkung zugeschrieben. Kinder, die mit diesem Wasser die Taufe erhielten, sollten später einmal sehr klug sein. Das Trinken von Osterwasser sei ein Schutz gegen Krankheiten und das Verspritzen von Osterwasser würde Ungeziefer vom Haus fern halten, glaubte man. Anfang des letzten Jahrhunderts schlief dieser Brauch jedoch ein, um in den 1960er und 1970er Jahren wiederbelebt zu werden. Manche Osterbrunnen haben sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt. So bewunderten in den vergangenen Jahren allein im Trubachtal rund um Egloffstein und Bieberach bis zu 30.000 Tagestouristen die Kunstwerke aus Eiern und Fichtengrün.
Im Guinness-Buch der Rekorde - der Osterbrunnen von Bieberach
Bei dem Brunnen in Bieberach im Trubachtal handelt es sich eigentlich um einen Löschweiher*. Mit mehr als 11.000 ausgeblasenen und bemalten echten Eiern schmücken die Einwohner ihren "Brunnen". Seit dem Jahr 2000 ist der "Star der Osterbrunnen" als größter Osterbrunnen der Welt im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet.
Viel Arbeit steckt im Osterbrunnenschmuck
80 laufende Meter lang ist der Girlandenschmuck eines Osterbrunnens in der Fränkischen Schweiz in der Regel. Etwa 20 Zentimeter lange Fichtenzweige werden mit Draht um Eisenstangen gebunden. Einen halben Tag lang dauert das Aufstellen des Gerüstes. Das Schmücken der Girlanden mit den handbemalten Eiern heimischer Hühner dauert einen Tag. Auch das Bemalen der Eierschalen macht viel Mühe. Die ausgeblasene Eierschale wird mit Essig gereinigt, danach wird ein Motiv mit Bleistift vorgezeichnet und dann bemalt. Eine Haltevorrichtung für das "Aufziehen" der fertigen Eier in Ketten wird angebracht. Anschließend erfolgt die Versiegelung mit einem wetterfesten Lack.
Osterbrunnen-Tour
BR-Online schlägt eine schöne Osterbrunnen-Tour vor, die in Forchheim beginnt, dem "Tor zur Fränkischen Schweiz". Forchheim liegt etwa 40 Kilometer von Nürnberg und zirka 25 Kilometer von Bamberg entfernt und ist mit der Autobahn gut zu erreichen. Dort ist der geschmückte Brunnen auf dem Rathausplatz zu finden. Wer dem Trubel um Ostern entgehen möchte, hat nach Karfreitag noch ungefähr zwei Wochen Zeit, die Kunstwerke der Landfrauen zu besichtigen. So lange sind normalerweise die Brunnen noch in ihrer vollen Osterpracht zu bewundern. Aber auch die kleineren Osterbrunnen im Erlanger und Forchheimer Land sind sehenswert, wie zum Beispiel der in Effeltrich, einer Ortschaft, die auch wegen ihrer mindestens 800 Jahre alten Linde bekannt ist.
*Löschwasserteiche beziehungsweise Löschweiher stammen aus einer Zeit, in der noch nicht in allen Orten eine zentrale Wasserversorgung vorhanden war. Sie dienten als Löschwasserreserve, über die man anfangs mit einer Eimerkette, später mit Pumpen, Wasser verteilen konnte.
Quellen:
- Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland
- Website "Fränkische Schweiz"
