
- Mit üblichem Apparat übers Internet telefonieren - Robert Blanken / pixelio.de
Wenn Unternehmen heute ihre Telefonanlagen erneuern, wechseln sie meist zur Internet-Telefonie, was bei Anschaffung und Betrieb beachtlich Kosten spart. Erstaunlich ist, dass gemäss tariftipp.de erst 9% der Firmen, aber bereits 11% der privaten Telefon-Anschlüsse in Deutschland über Internet laufen. Bei den 18-24-Jährigen ist es fast ein Viertel, bei den 25-29-Jährigen sind es 18%, bei den über 60-Jährigen nur 4%.
Dabei könnten auch Private damit viel Geld sparen, vor allem bei Anrufen ins Ausland oder an einen Gesprächspartner mit dem gleichen Telefonie-Provider. Was hier Internet-Telefonie heisst, nennen die Fachleute übrigens "Voice over Internet Protocol" (VOIP). Die Anrufe sollen mit einem gewöhnlichen Telefon oder einem von aussen baugleichen Internet-Telefon mit einer Festnetznummer an eine andere Nummer im Fest- oder Mobilnetz erfolgen.
Als Privatperson zur Internet-Telefonie wechseln
Voraussetzung für solche Anrufe sind ein Internet-Anschluss mit Flatrate oder Volumentarif und mindestens je 100 kbit/s Bandbreite in beiden Übertragungsrichtungen. Ferner braucht es einen Router, um das Internet-Signal für das Telefon abzweigen zu können. An diesem Router ist entweder das Internet-Telefon einzustecken oder ein VOIP-Adapter, an dem dann das bisherige Analog-Telefon angeschlossen werden kann. Internet-Telefone, eben auch VOIP-Telefone genannt, sind für Laien einfacher in Betrieb zu nehmen als Adapter, weil dazu kein Computer nötig ist. Die meisten Provider liefern geeignete Geräte aller Art mit.
Ferner sind die Dienste eines VOIP-Providers nötig, denn von Skype soll hier nicht die Rede sein. (Für den Provider Skype braucht es einen Computer oder Skype-eigene Telefone.) Eine Liste der Provider für Deutschland, für Österreich und für die Schweiz ist mit Klick auf den Ländernamen aufrufbar. Aus juristischen und praktischen Gründen ist ein Provider aus dem eigenen Land die bessere Wahl. Die Silbe "sip" im Namen des Providers zeigt an, dass Internet-Telefonie sein Kerngeschäft ist. Das erleichtert dem Kunden den Einstieg, denn die Information im Internet ist in der Regel besser. Die Wahl des Providers hängt im übrigen vor allem von den eigenen Telefon-Gewohnheiten ab bzw. von den Kosten, die diese verursachen.
Sich zu Testzwecken anmelden
Als Interessent schaue man sich also auf den Homepages dieser Provider um. Die meisten bieten Gespräche via Internet zu einem andern ihrer Kunden gratis an. So kann man die Technologie erst mit einem sogenannten Softphone, danach mit einem VOIP-Adapter oder mit einem Telefon-Apparat für VOIP- und Festnetzbetrieb ohne weitere Kosten ausprobieren. Softphones sind Computerprogramme, die der Provider zum Herunterladen anbietet und die ein Telefon abbilden, das mit der Maus zu bedienen ist. Heute ist die Tonqualität der Internet-Telefonie in der Regel ähnlich gut wie im Festnetz.
Meldet man sich auf der Website des Providers an, erhält man per Mail gleich die Adresse des Telefon-Servers, die Kenn-Nummer und das Passwort, meist auch eine Nummer. Diese Identifikationselemente haben je nach Provider verschiedene Bezeichnungen. Der neue Kunde kann sie mit der Telefon-Tastatur oder einem Computer erfassen. Zudem erhält man Kenn- und Passwort, um auf der Website des Providers ein eigenes Konto zu verwalten, wo unter anderem die getätigten Gespräche, Zahlungen und anderes mehr einzusehen sind.
Definitiv wechseln
Wem die neue Art zu telefonieren zusagt, kann die bisherige Telefonnummer portieren, das heisst, er kann den Internettelefonie-Provider beauftragen, den bisherigen Festnetz-Vertrag zu kündigen und die Nummer zu übernehmen. Dies wird mit Kosten verbunden sein. Das Vorgehen sollte auf der Website des Providers genau beschrieben sein, sonst verzichtet man besser darauf. Je nach Provider lassen sich via Internet auch SMS und/oder Faxe versenden.
Die meisten Provider bieten zudem ISDN-Komfortmerkmale wie Anrufweiterleitung, Anrufbeantworter, Konferenzgespräche und Ähnliches an. Internet-Telefone können an mehreren Orten zeitgleich klingeln, zum Beispiel daheim und im Ferienhaus. Viele dieser Funktionen wie auch die Bezahlung kann der Kunde im Internet selber verwalten.
Wer sich an diese preisgünstige und komfortable Art zu telefonieren gewöhnt hat, wird wohl kaum zur alten Telefonie zurückkehren, auch wenn zu Beginn vielleicht einige Kontakte zum Provider für den optimalen Betrieb nötig waren.
