
- Altes Land - Deichwandern mit Reetdachhäusern - Uwe Wolfrum
Wer einen Einblick ins Alte Land bekommen möchte, das größte Obstanbaugebiet Mitteleuropas vor den Toren Hamburgs, kann dies perfekt erhöht mit tollem Ausblick auf einem Deichwanderpfad tun, der von Hamburg bis Buxtehude führt. Und durch die verbesserte Verkehrsanbindung im Hamburger Umland kann man ruhig das Auto stehen lassen und die gesamte Tour nur mit einem Rucksack bestückt antreten.
Um die Tour zu starten, fährt man am besten mit der Buslinie 150 vom Bahnhof Altona eine knappe Stunde nach Cranz-Estebogen, einen ländlichen Stadtteil außerhalb Hamburgs. Wer noch etwas mehr Zeit mitbringt, kann auch am Hafen an den Landungsbrücken in eine Fähre einsteigen und entlang der Elbe bis zur Finkenwerder Landungsbrücke fahren, wo man dann die Linie 150 besteigen kann.
Mit dem Bus am Airbusgelände vorbei ins Alte Land
Das letzte Stück der Busfahrt nach Finkenwerder führt einen am großen Areal der Hamburger Airbus-Produktionsstätten und vielen Industrieanlagen vorbei. An der Endstation Cranz-Estebogen heißt es dann aussteigen, und schon nach wenigen Metern betritt man den Deich, um seine Wanderung zu starten.
Auf dem Deich passiert man schnell einige Gaststätten, die frischen Fisch, Spargel, Braten, Saisongemüse und regionale Alkoholika anbieten. An vielen Höfen, deren Hauswände direkt an den Deichweg grenzen, werden Obst und hausgemachte leckere Marmeladen für ca. 2-3 Euro auf Vertrauensbasis feilgeboten, die man auf seiner Wanderung mitnehmen kann.
Auf dem Deich an Obstplantagen und Reetdachhäusern vorbei
Schnell läuft man entlang vieler kleiner Ortschaften mit Obsthöfen und imposanten Fachwerk- und Reetdachhäusern aus dem 19. und 20. Jahrhundert vorbei sowie an weitflächigen, üppigen Feldern mit Beeten, Gewächshäusern, Bäumen und Sträuchern voller Apfel, Birnen, Erdbeeren, Kirschen und Spargel.
Dazu läuft man teilweise nur wenige Meter am schmalen Fluss Este entlang, der einen als Orientierung dient und auf der ca. vierstündigen Tour bis nach Buxtehude begleitet. Viele der bunten und urigen alten Reetdachhäuser halten Ferienwohnungen und Fremdenzimmer für Touristen bereit und haben auf der Seite zur Este hin einen direkten Zugang zum Fluss.
Erholsame Idylle und ruhiger Tourismus im malerischen Alten Land
Zu beiden Seiten hat man beim Wandern einen ungehinderten Blick über die weite und grüne Schönheit des flachen Landes an der Grenze zwischen Hamburg und Niedersachsen, welches nicht nur von Hanseaten und anderen deutschen Stadtmenschen zur Erholung genutzt wird, sondern auch von europäischen Touristen, wie man anhand der Autos aus den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und Dänemark erkennt, die an den Ferienhäusern parken.
Hat man Glück, ist der Deichpfad nicht wie an vielen Sonn- und Feiertagen bei schönem Wetter von Wanderern, Spaziergängern, Nordic Walkern und Radfahrern bevölkert, und man kann ungestört die vielen kleinen, einsamen Landstriche und Auen genießen, durch die der Deich führt.
Estebrügge und die Drehbrücke über den Fluss Este
Ungefähr in der Mitte der Tour führt der Deich durch den Ort Estebrügge, wo man sich die alte Dorfkirche, ein Soldatendenkmal von 1895 und die alte Estedrehbrücke besichtigen kann, die immer noch den Schifffahrtsverkehr überwacht und auch als Rettungsdienst fungiert. Bis in die Siebziger Jahre hinein wurde die Brücke noch rein durch Muskelkraft mit einem Drehhebel bewegt, um größere Schiffe durchzulassen.
Der Deich selber führt ebenfalls durch den kleinen Ort als erhöhter Bürgersteig entlang der Hauptstraße weiter, so dass man sich kaum verlaufen kann. Entlang der Tour kommt man noch durch viele kleine Orte mit bunten Namen wie Himmelreich und Königreich, in denen scheinbar die Zeit stehen geblieben ist und man die Ruhe förmlich greifen kann.
Picknick auf dem Deich oder am Flussufer der Este
Für ein Picknick in der freien Natur ist überall Platz, am besten auf einer Bank am Deich oder direkt am idyllischen Ufer der Este, wo man die zahlreichen Bootsfahrer beobachten kann, die den Fluss mit ihren Ruder-, Paddel- und Motorbooten bevölkern.
Ungefähr 2-3 Kilometer vor dem Ende der ca. 13 Kilometer langen Strecke nähert man sich der Stadt Buxtehude, und der Deich wird niedriger und grüner. Bald lässt man Kühe, Schafe, Pferde und Obstplantagen hinter sich, sobald Deich und Fluss einen scharfen Linksknick machen, und man sieht den Stadtrand von Buxtehude.
Buxtehude - Kleinstadt mit Flair und einem Brauhaus
Hier sollte man, wenn man noch die nötige Energie in den müden Beinen hat, den schönen, alten Stadtkern besichtigen, der eine imposante Kirche, Altbauten, ein Heimatmuseum, einen kleinen Park, eine Fußgängerzone und kleine, originale Kaffeehäuser bereit hält.
Ein kleiner Tipp für Liebhaber deftiger norddeutscher Kost ist das Brauhaus von 1913 links neben der zentralen Kirche. Hier wird das eigene Buxtehuder Brauhausbier gebraut, das man im geräumigen Gasthaus mit Spezialitäten wie dem Treberbrot mit Griebenschmalz bestellen kann.
Vom Deich und Buxtehude zurück nach Hamburg per S-Bahn
Zurück nach Hamburg kommt man direkt vom nicht weit entfernten Bahnhof Buxtehude am Ende der Fußgängerzone mit der S-Bahn-Linie S3, die auch an Wochenenden und Feiertagen bis abends jeden halbe Stunde verkehrt, werktags sogar noch öfters. Diese bringt einen zurück zum Hauptbahnhof, in die City oder nach Altona. Zu jeder vollen Stunde fährt diese Linie sogar, von Stade kommend, ca. 90 Minuten lang durch bis Pinneberg, ohne dass man umsteigen muss.
Wer also die wundervolle, malerische Landschaft des Alten Landes durchwandern will, sollte diese kleine Rundreise durch Hamburg und Niedersachsen auf dem Deich antreten.
Informationen zum Tourismus und zu den Unterkünften gibt es auf der Website des Tourismusverbandes Altes Land.
