
- Schatztruhe - tokamuwi / pixelio.de
Die spanischen Handelsschiffe brachten im 17. Jahrhundert tonnenweise Silber aus den Kolonien von Mittel- und Südamerika nach Europa. So auch die Silberflotte von 1641, die von acht Galeonen begleitet wurde. Sechs der Galeonen waren jedoch schon leck geschlagen, bevor sie vom Hafen ausliefen und so ließ der Generalkapitän das meiste Gold und Silber auf die beiden vermeintlich stabileren Schiffe bringen, auf die Capitana, das Flaggschiff des Konvois, und auf die Almiranta, das etwas kleinere Schiff des Vizeadmirals. Flankiert von schwer bewaffneten Galeonen segelten nun 22 Handelsschiffe mit Tabak, Kakao, Edelhölzern und Zucker an Bord los Richtung Heimat.
Der Untergang der Almiranta
Nach zwei Tagen befand sich die Flotte außerhalb von Havanna und geriet in der Straße von Florida in einen Hurrikan. Innerhalb kurzer Zeit sanken die Schiffe. Nur die Capitana, die einige Wochen später vor der Küste Spaniens unterging, konnte sich noch halten. Die Almiranta war voll Wasser gelaufen, sie schaukelte ohne Masten und Segel auf den Wellen und lief Gefahr zu sinken.
Tag und Nacht schöpften Offiziere, Mannschaft und Passagiere verzweifelt das Wasser aus der Galeone – vergeblich. Etwa 50 Meilen nördlich von Hispaniola (heute: Haiti) lief das Schiff auf ein Riff und sank. 600 Menschen konnten sich auf Wrackteilen schwimmend bis zu einer Sandinsel retten. 200 Seeleute segelten mit Booten und Flößen Richtung San Domingo, doch nur wenige kamen dort an.
Vergebliche Bergungsversuche
Die spanischen Behörden schickten eine Bergungsflotte los, um die Überlebenden auf der Insel zu retten und den Schatz zu bergen, doch schlechtes Wetter hinderte die Schiffe am Auslaufen. Als die Rettungsmannschaft schließlich das Riff erreichte, war es zu spät: Das heftige Unwetter hatte die Sandinsel hinfort gespült, der Bergungstrupp fand weder die Überlebenden noch das Wrack.
In den nächsten 20 Jahren versuchten über 60 spanische Bergungsgesellschaften - und in deren Sog auch zahlreiche Freibeuter - das Wrack auf den nun so genannten Silberbänken zu suchen, doch niemand fand es. Die Spanier gaben schließlich auf.
William Phips – ein Zimmermann auf Schatzsuche
Das Wrack der Almiranta war die richtige Herausforderung für den Schiffszimmermann William Phips. 1684 gab er sein Handwerk auf, um auf Schatzsuche in die Karibik zu gehen. Mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe von Piraten aus Port Royal segelte er an der Nordküste der Insel Hispaniola entlang mit dem Ziel, die spanische Galeone Nuestra Señora De la Pura y Limpia Concepción zu finden. Er fand sie bei Nassau – doch das Wrack war leer.
Also war sein nächstes Ziel die Bergung der spanischen Silberflotte. Doch ehe er überhaupt die Silberbänke erreicht hatte, meuterte seine ungeduldige Mannschaft. Phips konnte die Rebellion niederschlagen und segelte weiter nach England, um verlässlichere Matrosen anzuheuern.
Doch Phips hatte zunächst kein Glück: James II., der Thronfolger des verstorbenen König Charles II., ließ den aufdringlichen Schatzsucher in Gewahrsam nehmen, denn Phibs hatte bei einigen zuvor gescheiterten Missionen bereits viel königliches Geld verpulvert. Mehrere Monate verbrachte er nun hinter Gittern. Kaum entlassen, gelang es ihm, ein paar einflussreiche Adlige von seinen Schatzplänen zu überzeugen. Ein Herzog überredete schließlich den neuen König, sich ebenfalls finanziell an der Schatzsuche zu beteiligen.
Der größte Schatzfund des 17. Jahrhunderts
Phips segelte 1686 also wieder zu den Silberbänken. In der Karibik nahm er über zwei Dutzend afrikanische Perltaucher an Bord. Bis zur Erschöpfung suchten die Taucher das Riff ab, und nach Tagen kam endlich einer von ihnen mit den ersten Pieces of eigth-Münzen nach oben.
Die Kunde von dem Schatzfund sprach sich schnell herum. Phips sah sich in den nächsten Wochen ständigen Piratenangriffen ausgesetzt - doch er konnte alle Attacken abwehren. Seine Taucher hoben mehr als 32 Tonnen Silber, kistenweise Gold, Perlen und Edelsteine. Dann setzte schlechtes Wetter ein, der Proviant ging zur Neige, und Phips war gezwungen die Bergung abzubrechen.
Über 250.000 englische Pfund soll der Schatz damals wert gewesen sein. Ein Sechstel davon war Phips' Anteil, genug um sich eine gesicherte Existenz aufzubauen. Der König adelte ihn und ernannte ihn zum Gouverneur von Massachusetts. Doch das hielt Sir William Phips nur ein paar Monate durch, dann erwachte in ihm wieder der Abenteurer und er ging erneut auf Schatzjagd. 1694, während er in London darauf wartete, dass sein Schiff auslaufen konnte, starb er friedlich in seiner Koje.
Nach dem großen Fund von William Phips wurden in Amerika und in Europa zahlreiche neue Bergungsgesellschaften gegründet, unzählige Schiffe und Taucher begannen, die Silberbänke zu durchforsten. Doch noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts galt Phips Schatzfund als unübertroffen.
