
- Obststand am Markt - Veronica Frenzel
Früh morgens, wenn die Stadt noch schläft, herrscht auf dem Markt von Malaga, dem Mercado Municipal de Atarazanas, geschäftiges Treiben. Die Obsthändler zaubern aus Bananen und Erdbeeren kunstvollen Pyramiden, Fischverkäufer schütten Eiswürfel über ihre frische Ware und die Gewürzhändler hängen getrockneten Knoblauch und Paprika an ihren Ständen auf. Allmählich, gegen acht Uhr, nähern sich die ersten Hausfrauen dem Markt. Mit dem Fischverkäufer feilschen sie dann um den billigsten Preis, mit profesionellem Blick prüfen sie Zucchini und Tomaten und plaudern mit ihren Bekannten über das Neueste aus dem Viertel.
Für die knapp 300 Standbesitzer beginnt der Tag viel früher, wenn es draußen noch stockdunkel ist. Maria und Jaime Lopez Fernández sind jeden Tag von halb drei Uhr morgens an auf den Beinen, um vom Großhändler 20 Kilmeter außerhalb der Stadt frisches Obst und Gemüse zu holen. Seit über dreißig Jahren steht das Ehepaar zusammen auf dem Markt von Malaga und preist abwechselnd Tomaten und Wassermelonen an. Appetitlich sind an ihrem Stand rote Paprika neben nachtschwarzen Auberginen geschichtet. Beim Vorübergehen streift der Duft von frisch geschnittenen Kräutern die Nase.
Auf dem Fischmarkt
Früh aufstehen muss auch Francisco Jimenez. Der Fischhändler steigt seit vierzig Jahren um vier Uhr in seinen Lieferwagen und fährt die Costa del Sol entlang, um Fische und Meeresfrüchte von den Fischern zu holen. „Frische Garnelen im Angebot! Schwertfisch heute gefangen!" bietet er dann auf dem Markt seine Ware an. Der strenge Geruch hat ihn noch nie gestört. Auch seine Eltern haben schon an dem Stand verkauft.
Neben köstlichen, heimischen Aprikosen und Kirschen, gibt es am Markt auch Obst und Gemüse für ausgefallenere Küchen. Am Stand von Eva Moreno findet man Kochbananen und roten Kürbis. „Mittlerweile gibt es so viele Südamerikaner und Marokkaner, die bei uns einkaufen; ich richte mich mit meiner Ware ganz nach meinen Kunden." Eva ist die dritte Generation ihrer Familie, die an dem Stand im Altstadtviertel von Málaga arbeitet. Schon ihre Großmutter und ihre Mutter verkauften Gewürze und Gemüse am Mercado de Atarazanas. Die erfahrene Marktfrau mag ihre Arbeit sehr: „Der Kontakt mit verschiedenen Menschen und Kulturen gefällt mir am meisten." Auch in der Fleischabteilung geht es international zu, denn es gibt dort mehrere islamische Metzgereien. Am Samstag sind sie Anziehungspunkt für die islamische Gemeinde der Stadt.
Maurische Vergangenheit
Nicht nur die Waren des Marktes von Malaga erinnern an die maurische Vergangenheit der Küstenstadt: Auch die Konstruktion der Markthalle steht im Zeichen der muslimischen Geschichte. Der Architekt Joaquín de Rucoba entwarf 1880 die damals hochmoderne Halle. Aus Eisen und Stein ließ er neomaurische Ornamante in die Fassaden einbauen, die dem Markt heute einen orientalischen Flair verleihen. Die Markthalle ist dreigeteilt: Vom Haupteingang aus locken Obst und Gemüse auf der rechten Seite, Fleisch- und Wurstwaren findet man auf der linken Seite und Fisch und Meeresfrüchte verströmen ihren intensiven Geruch in der Mitte. Das letzte Mal wurden die Hallen vor dreißig Jahren erneuert, die nächste Renovierung steht kurz bevor. Ein Stück des ursprünglichen Lebens der Stadt wird also noch lange auf dem Mercado de Atarazanas stattfinden.
