
- Brooks Latitude - Mauersberger
Koh Samui – eine 247 Quadratkilometer große Insel im Golf von Thailand und ein beliebtes Touristenziel. Die Hauptstadt Nathon ist der Nabel der Insel, von hier aus verkehren Fähren zum Festland und die zahlreichen einheimischen Fischer bieten auf den Märkten und entlang der Hafenstraße ihre Waren an. Eine belebte kleine Stadt mit zahlreichen Shops und Märkten.
Direkt am Hafen existiert auch ein kleines Sportschuhgeschäft. Neben unzähligen Flipflop-Modellen – dem bevorzugten Alltagsschuh der Thais – umfasst das Sortiment erstaunlicherweise auch mehrere Brooks-Modelle. Zudem wirbt das Geschäft mit dem offiziellen Brooks-Logo. Laufschuhe auf einer thailändischen Insel, in einem Ort, der nicht einmal besonders touristisch ausgeprägt ist? Ein Herrenmodell sticht ins Auge – es trägt die Modellbezeichnung LATTITUDE und kostet umgerechnet rund 50 Euro. Das wäre ein Schnäppchen. Doch ein Modell mit dieser Bezeichnung ist auf der Brook-Europa-Seite nicht zu finden. Eine Fälschung? Sohle, Label, Material passen zusammen und fühlen sich gut an – der Schuh scheint echt zu sein. Ein paar kleine Details jedoch sind unstimmig: So fehlt auf den Schnürbändern das Brooks-Logo, die Innensohle ist dünner als gewohnt und im Fersenbereich treten bei näherer Betrachtung erhebliche Verarbeitungsmängel auf. Ein Damenmodell weist noch gravierendere Mängel auf, hier stimmt sogar die Brooks-Typologie nicht mehr und die Passform ist katastrophal. Es kann sich also nur um ein Plagiat handeln, was ja für den asiatischen Markt nicht ungewöhnlich ist. In zahlreichen Shops entlang der Hauptstraße gibt es Textilien mit gefälschten oder veränderten Logos. Da fällt der Puma schnell ins Koma und vom Polo-Reiter bleibt nur ein Strichmännchen übrig.
Doch zurück zum Brooks: Original oder Fälschung? Auf Probe kaufen und Laufen geht nicht, denn ein Rückgaberecht, wie wir es kennen, existiert in Thailand nicht, wie der Leiter der hiesigen Polizeistation freundlich erklärt. Zu viele Fälschungen sind im Umlauf, die Händler selbst wissen oft nicht, ob sie echte oder falsche Ware anbieten. Sicher ist sicher, und daher bleibt der echte falsche Brooks-Schuh mit dem klingenden Namen Lattitude schlussendlich auf Koh Samui.
Laufschuhe: Mangelhafte Qualitätskontrolle in Asien
Zurück in Deutschland fördert eine genauere Nachfrage jedoch Erstaunliches zu Tage. „Den Lattitude gibt es tatsächlich“, erklärt Heiner Ibing, Geschäftsführer von Brooks Deutschland. „Allerdings wird dieser Schuh nur für den asiatischen Markt von einem Lizenznehmer produziert.“ Das heißt, er durchläuft nicht die normale Qualitätskontrolle, muss nicht zwingend die uns bekannten Details aufweisen und ist auch von der Funktionalität her nicht auf die Bedürfnisse „europäischer Läufer“ abgestimmt. Der Asiat ist kleiner, leichter, und er nutzt den Schuh auch gar nicht unbedingt zum Laufen. Einen Marathon sollte man mit diesem Lattitude lieber nicht absolvieren.
Das Logo ist wichtig – die Technik nicht
Eine Fälschung ist der Schuh also nicht, ein wirkliches Original aber irgendwie auch nicht. Echte Plagiate gibt es dennoch reichlich, ein Anbieter wie Brooks jedoch ist davon kaum betroffen. Heiner Ibing: „Wir sind ein kleiner Hersteller und bedienen eine sehr spezielle Kundschaft, das ist für professionelle Fälscherbanden kein lohnendes Geschäft, insofern wäre es mir neu, wenn es von Brooks-Schuhen Plagiate gäbe.“ Anders sieht es da schon bei Asics aus, dem Marktführer in Sachen Laufschuhe. Genauere Zahlen mag der japanische Hersteller nicht nennen, jedoch kämpft die Europazentrale vom niederländischen Hoofddorp aus mit einer stetig steigenden Zahl an Fälschungen. „Das liegt natürlich auch an der wachsenden Popularität von Asics, speziell im Bereich der Freizeit-Produkte“, weiß Asics PR-Manager Remco Rietvink. Es sei kaum möglich, besondere Schuhmodelle hervorzuheben, die besonders gerne kopiert werden. „denn meist wird nur das Asics-Logo kopiert, die Technik der Laufschuhe ist davon weniger betroffen.“ Um gegen die international agierenden Fälscherbanden gewappnet zu sein, arbeitet Asics eng mit dem Zoll und der in Brüssel ansässigen Federation of European Sporting Goods Industry, kurz FESI, zusammen. Der laufenden Kundschaft empfiehlt Asics, ausschließlich bei autorisierten Händlern zu kaufen und speziell bei Billigangeboten vorsichtig zu sein. Denn neben der Tatsache, dass Plagiate oft minderwertig verarbeitet sind, ist auch das Gesundheitsrisiko nicht zu unterschätzen. Die Optik wird kopiert, nicht aber die Funktionalität.
Adidas warnt vor Internet-Verkäufern
Diese Erfahrung macht auch Adidas seit Jahren. Über 7 Millionen gefälschte Produkte hat das deutsche Traditionsunternehmen 2007 beschlagnahmt und vernichtet. Ganz oben auf der Skala der Fälscher stehen immer die Bestseller aus Herzogenaurach. „Produktpiraten haben kein unternehmerisches Risiko, da sie nur bereits erfolgreiche Produkte unter fragwürdigen Bedingungen kopieren, und das in schlechter Qualität und ohne Funktionalität wie atmungsaktive Stoffe oder Dämpfung“, erklärt Unternehmenssprecherin Kirsten Keck. Der Großteil der Fälschungen komme aus Asien, Hauptvertriebsweg ist mittlerweile das Internet. Während Adidas eine eigene Abteilung für Markenschutz unterhält und Fälschungen sofort erkennt, hat es der Endverbraucher weit schwieriger. „Plagiate können sehr stark in der „Qualität“ variieren ... über die Produkteigenschaften, die einen Großteil des Mehrwerts ausmachen, verfügen sie aber nie“, so Keck.
Nike ist besonders beliebt bei Fälschern
Am beliebtesten bei Fälschern sind Sportschuhe von Nike. 90 Prozent der beschlagnahmten Schuhe tragen das Label der US-Marke. Erst Ende letzten Jahres stellte der Zoll im Hamburger Hafen den 300. Container mit Plagiaten seit 2006 sicher. Auch diese Schuhladung kam aus China – wie fast alle Plagiate. Der asiatische Raum ist die Hochburg der Fälscherbanden, daneben tauchen auch aus Südeuropa immer mal wieder Plagiate auf.
Neben dem wirtschaftlichen Faktor ist der Imageschaden für Laufschuhhersteller wie Asics, Adidas oder Nike fast noch gravierender. Denn ein Kunde, der mit vermeintlich echten Schuhen schlechte Erfahrungen macht, wechselt schnell die Marke – so die Erfahrung. Zudem spricht sich schlechte Qualität schnell und nachhaltig herum.
Beim Fachhändler beraten lassen
Gleichwohl die weltweite Läufergemeinde von Jahr zu Jahr wächst, ist der Laufschuhsektor immer noch eher ein Nischenmarkt und damit weniger interessant für Fälscher. Kunden spezialisierter Hersteller wie Brooks oder Newline werden daher kaum mit Plagiaten in Berührung kommen. Das Beispiel der thailändischen Brooks-Schuhe jedoch zeigt, dass der Laufschuhkauf im Ausland auch mit Originalen zur Falle werden kann. Daher ist es ratsam, Laufschuhe am besten beim heimischen, autorisierten Fachhandel oder im Internet auf Seiten geprüfter Anbietern kaufen. Eine ausführliche Beratung vor dem ersten Laufschuhkauf ist zudem Pflicht.
