Auf Tauchfahrt zu den Schatzgaleeren

Galeere auf römischem Relief  - Templermeister / pixelio.de
Galeere auf römischem Relief - Templermeister / pixelio.de
1996 fanden Meeresarchälogen vor der Küste Afrikas zwei römische Galeeren - die eine vollbeladen mit griechischen Kunstschätzen, die andere mit Edelsteinen.

Die Halbinsel Mahdia vor der Küste Tunesiens ist der Schauplatz eines erstaunlichen Fundes. In der Antike lag hier das Handelszentrum eines Reiches, das sich über Ägypten bis zur Arabischen Halbinsel erstreckte. Heute sind von der Hafenstadt nur noch Ruinen übrig geblieben. Und doch machte der Ort bald von sich reden und weckte das Interesse vieler Wissenschaftler.

Die "Galeere der Götter" – eine archäologische Sensation

Im Jahre 1907 nämlich fand der Archäologe Alfred Merlaine – auf Hinweis eines Schwammhändlers – in den Gewässern Mahdias die verwitterten Planken eines 2.000 Jahre alten Wracks, das mit unzähligen Vasen, Säulen, Bronze- und Marmorstatuen beladen war. Mit Hilfe von Schwammtauchern stieß Merlaine in 40 Metern Tiefe auf die wertvolle Ladung.

Einen Teil der Fundstücke konnten die Taucher bergen, obwohl sie nur Helmtaucheranzüge trugen – damals freilich die modernste Ausrüstung für Tiefseeforscher. Es gelang Merlaine indes nicht, die genaue Lage des Schiffes zu orten, da das Wrack in großer Tiefe mit gefährlichen Strömungen liegt. Nach sechs Jahren Bergungsarbeit mussten die Tauchgänge schließlich eingestellt werden. Die französische Regierung, die das Projekt im wesentlichen gefördert hatte, wollte kein Geld mehr in die Bergung investieren. Zudem häuften sich die Krankheits- und Todesfälle in Merlaines Crew – die Arbeit unter Wasser war zur damaligen Zeit extrem riskant. So blieb ein Großteil der Schätze auf dem Meeresboden zurück.

Mensun Bound lüftet das Geheimnis

Erst 83 Jahre später, 1996, macht sich mit Mensun Bound erneut ein Meeresarchäologe auf, die so genannte "Galeere der Götter" zu finden. Zwar sind die Landmarken, die Merlaine einst als Anhaltspunkte benutzte, heute fast verschwunden. Dem britischen Forscher stehen jedoch kartografische Aufzeichnungen von Jacques Cousteau zur Verfügung, der den Fundort bereits 1948 wiederentdeckte, die Schätze aber wegen mangelnder finanzieller und technischer Möglichkeiten nicht bergen konnte.

Nach einer Woche vergeblicher Tauchversuche entdeckt Bound dann endlich den für die Archäologie so wertvollen Schatz. Doch dem Forscher geht es nicht um die Bergung der Fundstücke, sondern um deren Katalogisierung – und die Frage: Woher stammt das Schiff und warum ist es untergegangen? Die Fundstelle wird exakt kartografiert, jeder Gegenstand und jedes Detail genau eingetragen und verglichen mit alten Aufzeichnungen. Zudem kann Bound auf die schon geborgenen Säulen im Museum von Tunis zurückgreifen. Seine Arbeitsergebnisse lösen Erstaunen aus: Die fertig bearbeiteten Säulen stammen aus Griechenland und waren vermutlich für einen Tempel bestimmt. Die Scherbe einer Amphore erweist sich hingegen als ein römischer Krug aus dem ersten Jahrhundert vor Christus und wird der Schiffsbesatzung zugeordnet. Aus den Fundstücken und den Überlieferungen rekonstruierte Bound nunmehr die Geschichte um die Galeere. Die Spuren führen nach Athen.

Ein antiker Kunstraub?

Im ersten Jahrhundert vor Christus gehörte Athen zum Römischen Reich. Doch die griechische Bevölkerung lehnte sich gegen ihre römischen Besatzer auf. Der römische Konsul Lucius Cornelius Sulla zog im Jahr 88 vor Christus mit seinen Heerscharen in die prächtige Stadt und eroberte sie nach monatelanger Belagerung. Die Stadt wurde restlos geplündert und Sulla machte auch vor dem Olymp nicht halt: Allein über 60 Säulen soll er aus dem Tempel des Zeus weggeschafft haben.

Die fast 230 Tonnen schwere Fracht konnte nur über den Seeweg nach Rom transportiert werden. Doch warum die Galeere letztlich gesunken ist, und wieso dies vor Mahdia geschah, also weit entfernt vom Kurs zwischen Athen und Rom, bleibt bis heute unbeantwortet.

Noch ein antiker Fund: Das Juwelenschiff von Kaiser Augustus

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Douglas Haldane fanden britische Archäologen im Jahre 2001 vor der Küste Ägyptens eine weitere Galeere, die dort vor 2.000 Jahren unterging. Das 30 Meter lange hölzerne Schiff lag in 60 Metern Tiefe und war von Sand eingeschlossen – eine perfekte Konservierung, um die Jahrtausende unbeschadet zu überstehen.

Aus alten Aufzeichnungen, dem Fundort, der Schiffsroute sowie den bisher geborgenen Amphoren – einige sind noch mit Wein gefüllt – und Kochgeräten schließen die Forscher, dass es sich bei der Galeere um das Schiff des römischen Kaisers Augustus handeln muss.

Alte Überlieferungen berichten, die Galeere sei einst in einen gewaltigen Sturm geraten, der auf dem Roten Meer tobte. Wie eine Nussschale schleuderten die sich auftürmenden Wellen das Schiff hin und her und verschlangen es schließlich. Mit dem stolzen Schiff und hundert Rudersklaven, die in seinem Bauch angekettet waren, versank ein sagenhafter Schatz aus Juwelen, Gold und Silber, der in Indien gegen Gewürze und Seide getauscht werden sollte.

Die Bergung des Wracks zog sich über Jahre hin. Dabei wurde die Galeere Brett für Brett vom Meeresboden geholt und dann wieder aufgebaut. Allerdings konnten die Taucher nur 30 Minuten am Stück arbeiten, um dem gefährlichen Tiefenrausch zu entgehen.

Reinhard Hauke - 45 Jahre alt, Online-Redakteur und Webdesigner. Themen: Geschichte, Archäologie, Natur und Umwelt, Reisen

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