Auf Tour an der Ruhr

Industriekultur im Ruhrgebiet

Über lange Zeit zählte das Ruhrgebiet aufgrund seines Kohleanbaus zu einer der schmutzigsten und unattraktivsten Gegenden in Deutschland.

Zum Urlaub fuhr man an die See oder in den Schwarzwald und ins Theater oder in die Oper ging man in Berlin, München oder Stuttgart. Doch der „Pott“ hat sich gemausert und hat kulturell heutzutage viel zu bieten.

Ein altes Zechenwerk, ein ehemaliger Gas-Zwischenspeicher oder eine still gelegte Kokerei: Überbleibsel aus der Industriezeit gibt es im Ruhrgebiet wie Sand am Meer. Über viele Jahre hinweg standen die Bauwerke still und rotteten langsam vor sich hin. Um einen Verfall der Geschichte zu verhindern und die Zeugnisse der Vergangenheit widerzubeleben, wurden nach und nach verschiedene Kulturstätten errichtet. Heute verbinden ein 400 Kilometer langes Straßennetz und ein Netz von Radwegen, welches sich über 700 Kilometer erstreckt, die unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten des Ruhrgebietes miteinander. Die so genannte „Route der Industriekultur“ wurde vom Regionalverband Ruhr (RvR) ins Leben gerufen und zählt neben 25 Hauptattraktionen (den so genannten „Ankerpunkten“) auch sechs technik- und sozialgeschichtlich bedeutende Museen, neun Aussichtspunkte mit Panoramablick in die Industrielandschaft und zwölf Arbeitersiedlungen zu sich.

Sternenhimmel im Gasometer

Der Gasometer ist mit über 100 Meter Höhe eines der herausragendsten Kulturdenkmäler Nordrhein-Westfalens. Verschiedene internationale Künstler wie beispielsweise Christo und Jeanne-Claude haben in den letzten 14 Jahren in dem ehemaligen Gasbehälter ausgestellt. Seit März 2006 beherbergt der Innenraum der Halle die Ausstellung „Licht Himmel“ der Berlinerin Christina Kubisch. Der dunkle Gasometer wird in einen Sternenhimmel verwandelt, der dem Besucher das Gefühl vermittelt, sich im Weltall zu befinden. Begleitend dazu hat die Künstlerin verschiedene Musikstücke komponiert, die in dem hohen Innenstahlraum einen besonderen Klang erhalten. Darüber hinaus kann der Besucher auch bis zum 2. November 2008 die Ausstellung „Das Auge des Himmels“ betrachten, in der das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gemeinsam mit dem Oberhausener Gasometer 58 beeindruckende Satellitenbilder der Erde zeigt.

Zeche Zollverein

Ein weiterer Highlight in punkto Kulturgut im Ruhrgebiet bildet die Zeche und Kokerei Zollverein in Essen. Die ehemalige Industrieanlage zählt seit 2001 zur Welterbestätte der UNESCO. Auf dem 100 Hektar großen Gelände befinden sich verschiedene Kohleschächte sowie die Kokerei, die 1993 still gelegt wurde. Der Zollverein bietet heute zahlreiche kulturelle Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Konzerte, Ausstellungen etc. Zudem haben Privatunternehmen auch die Möglichkeit bestimmte Räumlichkeiten für Veranstaltungen zu mieten. Jährlich besuchen ca. 700.000 Personen die Zeche Zollverein.

Deutsches Bergbaumuseum

Ein absolutes Muss bei einer Erkundung des Ruhrgebietes ist auch das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum. Ganzjährig findet übertägig eine Ausstellung statt, die dem Besucher die Geschichte des Bergwerkes vermittelt, welche dann unterirdisch in einem Anschauungsbergwerk erkundet werden kann. Das deutsche Bergbaumuseum und sein integriertes Forschungsinstitut für Montangeschichte genießen weltweit ein hohes Ansehen.