Auf Tour: Boban Markovic Orkestar

Die serbischen Blechbläser sind auf der Bühne ein Erlebnis

Boban Markovic - www.piranha.de
Boban Markovic - www.piranha.de
Unter den vielen Blechblaskapellen des Balkans ist das Orchester von Boban Markovic das bekannteste - ein Konzertbesuch zeigt, warum.

Romamusiker verstanden es immer, die Musik, die sie in den jeweiligen Regionen vorfanden, perfekt zu adaptieren und weiter zu entwickeln. Es waren Roma, die die serbische Blasmusik über die Zeit der Tito-Herrschaft und der Milosevic-Diktatur hinüber retteten. Und heute, gespeist durch den anhaltenden Boom der Balkanmusik, stehen genau diese Combos hoch in der Gunst eines internationalen Publikums. Viele Bigbands blasen im Osten Europas, doch unter der großen Schar von Lungen- und Zungenakrobaten ist das Orchester von Boban Markovic das bekannteste und beliebteste. Nun sind er und seine Mannen wieder auf Tour im deutschsprachigen Raum.

Goldener Trompeter

Mit fast unheimlicher Regelmäßigkeit heimste Boban Markovic die "Goldene Trompete" ein, den ersten Preis beim Gipfeltreffen balkanischer Kapellen im serbischen Guca. Vor diesem Weltcup der Blechblascombos und seinen Protagonisten, so ist überliefert, zog einst sogar Miles Davis den Hut. Markovics Blasattacken sind zum einen fest verankert in der Tradition der Roma und der osmanischen Militärkapellen, zum anderen bedienen sie sich frank und frei bei "exotischen" Beimengungen: Das kann dann schon mal von Mozarts g-moll-Symphonie über Klezmer bis zu Salsa-Rhythmen und Bollywood-Kitsch reichen.

Filmstars: Vater und Sohn

Wer Emir Kusturicas Streifen "Underground" gesehen hat, kennt die Truppe: Nicht nur auf dem Soundtrack, auch im Film selbst spielen die Herren eine lautstarke Rolle. Und auch Sohn Marko, der im Orchester auch schon einen Stammplatz hat, ist mittlerweile unter die Filmstars gegangen: Im Streifen "Gucha", einer balkanischen Romeo und Julia-Geschichte mimt er derzeit den Amoroso – natürlich in Gestalt eines jungen Trompeters.

Messerscharf und pathetisch

Ein Konzert des Markovic-Orkestars gehört zu den größten Erlebnissen, die die globale Blasmusik zu bieten hat. Trompeten und Flügelhörner manövrieren sich zielgenau durch die Achterbahn der Tonketten, Tenorhörner und das Helikon schießen launig aus der zweiten Reihe, messerscharf rattert die Basstrommel drunter her. Doch es geht hier nicht nur um Potenz und Rasanz, diese Hörner haben vor allem eines: Seele. Wenn sie sich wie aus einer Kehle pathetisch und großchörig aufschwingen, geht das richtig zu Herzen. Und Vater Markovic, Typ balkanischer Al Pacino, greift als inbrünstiger Tenor auch oft zum Mikro, intoniert die Hits aus den Kusturica-Filmen.

Das taumelnde "Mesecina" und das hymnische "Ederlezi" werden mitgesungen, und man merkt, dass hinter der orgiastischen Explosion immer der Trauermarsch um die Ecke lauert. Sogar zum berühmten Lerchenflug, dem rumänischen Volkslied "Ciocarlia", schwingen sich die Hörner im Prestissimo auf. So ähnlich könnte es sich angehört haben, als die Mauern von Jericho erzitterten.

Boban & Marko Markovic auf Tour ab 13.3.2008

aktuelle CD: "Go Marko Go!" (Piranha/Indigo, VÖ: 9.11.2007)

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