Auf und davon – als Au-pair in die Ferne

Die Sonne scheint, es weht eine leichte Brise, es riecht nach Meeresluft und Olivenbäumen. An der Promenade von Marbella reihen sich die Palmen aneinander. Man kann das Meeresrauschen hören. Mittendrin steht Nina Meyer. Nina ist 19 Jahre jung und kommt aus Bayreuth. Die Fränkin lebt den Traum, den viele junge Leute träumen. Sie lebt bei einer spanischen Gastfamilie in Marbella, Südspanien, und arbeitet als Au-pair.

Die Idee, ein Au-pair-Jahr zu machen, kam Nina in der 12. Klasse. Nina ging mit einer Freundin zu einer Informationsveranstaltung. „Danach war ich Feuer und Flamme“, erzählt sie lachend. Laut der Bundesagentur für Arbeit verlassen jährlich 45 000 junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren Deutschland, um als Au-pair zu arbeiten. Das Wort „Au-pair“ kommt aus dem Französischen und heißt übersetzt „auf Gegenseitigkeit“. Au-pairs leben in Gastfamilien im Ausland, um die Kultur und die Sprache des Gastgeberlandes kennenzulernen. Als Gegenleistung werden Mithilfe im Haushalt und Kinderbetreuung erwartet.

Die Bewerbung war für Nina kein Problem. Es werden zweihundert Stunden in der Betreuung kleiner Kinder vorausgesetzt. Diese hatte sie durch verschiedene Babysitting-Jobs längst zusammen. Was sie bei möglichen Gastfamilien besonders beliebt machte, waren ihre bereits vorhandenen Spanischkenntnisse. „Wenn auch nicht fließend, aber für eine leichte Konversation reichte es aus“, so die schlanke Brünette. Insgesamt telefonierte sie mit acht Gastfamilien, bevor sie sich für die Familie Gomez-Jimenez in Marbella entschied. Doch warum unbedingt diese Familie? „Ausschlaggebend war für mich, dass sie in einer Stadt am Meer wohnt. Außerdem war mir die Familie von Anfang an sehr sympathisch“, erzählt Nina mit ihrem leicht fränkischen Akzent.

Nach ihrem Abitur ging es dann auch gleich Richtung Südspanien. Nach einem dreistündigen Flug von Nürnberg aus landete sie in der Hauptstadt der Costa del Sol, in Málaga. Der internationale Flughafen in Andalusien ist mit seinen dreizehn Millionen jährlichen Passagieren der viertgrößte Flughafen der Iberischen Halbinsel. Den Moment, in dem sie ihre Gastfamilie in der Ankunftshalle das erste Mal sah, wird sie im Leben nie vergessen. Mit einem ein Meter großen lila Plakat mit fetter schwarzer Druckschrift, auf dem „Bienvenido en Andalucia querida Nina“ stand (was so viel heißt wie „Willkommen, liebe Nina, in Andalusien“), wurde sie herzlichst empfangen. Nachdem ein kurzer Small Talk über den Flug stattgefunden, und sich die beiden Kids, Raul, vier Jahre, und Paco, fünf Jahre, mit einem schüchternen „hola“ vorgestellt hatten, ging es auch schon mit dem Auto in das 58 Kilometer entfernte Marbella. Das ist seit knapp 15 Wochen Ninas neues Zuhause.

Marbella ist eine Großstadt im Süden Spaniens an der Costa del Sol in der Provinz Málaga. Die Stadt am Mittelmeer hat 130.549 offiziell gemeldete Einwohner und ist mit ihren Yachthafen Puerto Banus auch ein Urlaubsort der überwiegend Schönen und Reichen. Das Gebiet des Verwaltungsbezirkes von Marbella umfasst eine Fläche von 114,3 Quadratkilometern. Das Klima in Marbella entspricht dem der gesamten Costa del Sol, also dem mediterranen Mittelmeerklima. Die Durchschnittstemperatur beträgt 17,8 Grad Celsius bei 2800 Sonnenstunden im Jahr.

Ninas Gastfamilie lebt in Marbella-Centro, oberhalb der imposanten Altstadt. Das kalk-weiß getünchte Stadthaus mit seinem typisch andalusischen Innenhof hat fünf Schlafzimmer und drei Bäder. Bis auf die Ikea-Leuchten hat das Haus einen sehr mediterranen Stil. Ninas Zehn-Quadratmeter-Zimmer ist mit einem Einzelbett , einem kleinen Kleiderschrank und Schreibtisch sehr einfach eingerichtet. Der einzige Luxus ist, dass sie ein eigenes Bad hat.

Nina, die nun seit drei Monaten hier lebt, erinnert sich noch genau an die Anfangszeit: „Die ersten Wochen waren sehr anstrengend. Es ist eben doch ein großer Unterschied, ob man mal einen Nachmittag oder fünf Tage die Woche jeweils sieben Stunden auf zwei Kinder aufpasst“, sagt sie. Ein gewöhnlicher Tag des Au-pairs beginnt um neun Uhr morgens. Nach dem Frühstück geht es mit den Kindern meist in das Stadtschwimmbad oder zum Strand. Mittags kocht sie den Jungs eine Kleinigkeit und nach dem Mittagsschlaf geht sie dann mit den beiden auf den Spielplatz, damit sich die wilden Jungs austoben können. Sobald ihre Gastmutter, die bis 16 Uhr in einer Bank arbeitet, nach Hause kommt, hat sie Freizeit. Die verbringt sie dann mit anderen Au-pairs in Marbellas Altstadt oder an den vielen Stränden. Und abends besucht sie eines der vielen romantischen Restaurants oder eine Tapas-Bar der Stadt. Außerdem geht die 19-jährige einmal in der Woche für zwei Stunden in einen Spanischkurs. Der Sprachkurs wird von den Gasteltern bezahlt, dazu bekommt sie noch monatlich zweihundert Euro Taschengeld von ihnen.

„Spanier sind sehr höfliche Menschen mit einem großen Herz, deshalb habe ich mich ziemlich schnell eingewöhnt, auch das Heimweh blieb bei mir bis jetzt aus“, so das Au-pair. Vielleicht liegt es aber auch an den schönen Stränden, an den kleinen, verwinkelten Gassen, die in der Altstadt zu finden sind, an den blumengeschmückten Plätzen, an den zahlreichen Shoppingmeilen und dem Nachtleben, das einfach keine Wünsche offenlässt. Womit nicht nur Nina, sondern auch die meisten Mitteleuropäer zu kämpfen haben, ist die Verschiebung der Essenszeiten. Das Abendessen in Spanien findet nie vor zweiundzwanzig Uhr statt und auch die Kinder gehen nie vor halb eins schlafen.

Neun Monate hat das Au-pair noch vor sich. Neun Monate, in denen Nina viel Geduld und gute Nerven für „ihre“ spanischen Jungs braucht, aber auch neun Monate voller Fiestas und unendlichen Sonnenstunden. Reich wird sie als Au-pair nicht werden, um eine wertvolle Erfahrung reicher aber sicherlich schon.