Aufbruch, Umbruch, Zeitenwende?

Erleuchtet - Dominik Eckold
Erleuchtet - Dominik Eckold
Revolutionen in der arabischen Welt, atomarer Supergau in Japan, Schuldenkrise in Europa, Pleitegeier über den USA, dramatische Hungersnot in Ostafrika.

Revolutionen in der arabischen Welt, atomarer Supergau in Japan, Schuldenkrise in Europa, Pleitegeier über den USA, dramatische Hungersnot in Ostafrika – bringt das Jahr 2011/12 eine Zeitenwende nie vorhergesehenen Ausmaßes?

Die Nachrichten der letzten Monate überschlagen sich mit Negativschlagzeilen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sendezeiten der Nachrichtenmagazine reichen kaum aus, über all die Ereignisse ausreichend informativ zu berichten, welche die Welt zur Zeit in Atem halten. Der atomare Supergau in Japan ist zwar längst nicht unter Kontrolle oder gar beseitigt, da gerät er schon fast in Vergessenheit neben den dramatischen Wirtschaftsnachrichten aus Europas Ländern an der Peripherie, wie Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Diese werden noch übertrumpft vom Politkrimi um die drohende Staatspleite der USA. Nun bewegen Bilder der katastrophalen Hungersnot in Ostafrika die Zeitungleser und Fernsehzuschauer. Allmählich stellt sich Ernüchterung ein angesichts all dieser drängenden Probleme in der Welt.

Wie kann der Einzelne darauf reagieren, gar unterstützen und eingreifen, um das Unheil abzuwenden? Scheinen die Katastrophen im Moment zwar im Leben der Menschen in der westlichen Hemisphäre noch keine lebensbedrohlichen Ausmaße zu erreichen, ergeben sich durchaus Beeinträchtigungen des persönlichen Wohlstands. Und doch spielt sich das Leben der meisten Menschen weitgehend in der eigenen Privatsphäre ab. Die kleinen und großen Nöte des Alltags nehmen sie in Anspruch und die Spaßkultur gleicht Frustrationen und Zumutungen des ganz normalen täglichen Wahnsinns aus. Wie lange aber noch? Könnte es helfen, Denken und Handeln über das Private hinaus auf weltpolitische und/oder gesellschaftspolitische Themen zu lenken? Wäre es nicht Belastung, sondern Bereicherung des eigenen Lebens, sich für das Geschehen in der Welt mehr zu interessieren?

Weg vom Ego

Der Buddhismismus lehrt seit über 2.000 Jahren, sich vom Ego zu verabschieden, sich als Teil eines großen Ganzen zu betrachten, Anteil zu nehmen und achtsam zu sein, und aus dieser Sichtweise inneren Frieden zu ziehen. Für den Einzelnen, der jeden Tag den Kampf ums Überleben aufnehmen muss, mag das schwer sein. Die Infomationsflut lässt ihn eher die Schotten dicht machen - aus reinem Selbstschutz. Allerdings bieten sich jeden Tag neue Möglichkeiten, das "Du" zu sehen. Kleine Gesten der Freundlichkeit, wie Zuhören, sich interessieren, oder auch mit Rat und Tat dem Nächsten zur Seite zu stehen, erweitern den eigenen Horizont, vermitteln Zufriedenheit und relativieren die eigenen Sorgen. Gemeinschaft muss mit kleinen Dingen anfangen. Mit Interesse für das Geschehen um einen herum, im eigenen Einflussbereich. Dieser kann sich entwickeln und so den Radius vergrößern.

Wie die Krisen meistern?

Stimmen nach mehr sozialer Gerechtigkeit, Mäßigung der Gier, Reglementierung der Finanzwelt werden allerorten lauter. Eine Zeitenwende, ein Umbruch aus dem Aufbruch kann aber nicht herbeigeschrieben werden. Analysen, Kommentare, Bücher und mahnende Interviews können nur Anstoß sein für Einzelne, die in der Macht von Vielen mündet. So zu sehen in den arabischen Ländern, selbst in Syrien, wo die Staatsmacht diejenigen vernichten will, die gegen sie aufzustehen wagt. Da für jeden Getöteten mindestens wieder ein Stellvertreter auf die Straße geht, kann der Ruf nach Gerechtigkeit und sozialer Teilhabe am Wohlstand nicht verklingen. Dies gelingt aber nur, weil die Menschen über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken und sich solidiarisieren mit denen, welche die gleiche Not teilen und ähnliche Träume träumen. Sie haben eine Vision von einem besseren, gerechteren Leben, die sie nicht mehr aufgeben wollen. Das Jahr 2011/2012 kann ein Schicksalsjahr werden, weil der Bogen der Mächtigen in vielen Teilen der Welt überspannt wurde und nun das Pendel in die andere Richtung schwingt. Es scheint ein physikalisches Gesetz zu sein, das hier greift, philosophisch kann man auch die Dialektik Hegels bemühen, in der es aus These und Antithese zu einer Synthese kommt – zwangsläufig kommen muss. Das ausschließlich Private wird sich den Verwerfungen in der Welt wahrscheinlich nicht mehr entziehen können.

Quellen: FAZnet, Spiegelonline, Zeitonline.

Sigrid Eckold, Privat

Sigrid Eckold - Sigrid Eckold, M.A. phil.. 16.09.1952 Magisterarbeit über Kant und Fichte, 1996. Ausgebildete Trainerin, Mediatorin, Coach. ...

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