
- Die Gorch Fock unter Segeln bei der Kieler Woche - Michael-Henry / pixelio.de
Die „Gorch Fock“ ist das Segelschulschiff der Marine. Angehende Offiziere, Ärzte und seemännische Unteroffiziere absolvieren obligatorisch auf diesem Schiff einen rund zwei Monate dauernden Ausbildungsabschnitt.
Seefahrt ist nicht ungefährlich. Auf einem Großsegler kommen noch spezifische Gefahren dazu. Denn Wind und Wetter bestimmen, wie ein Großsegler durch die Meere pflügen kann. Und die Arbeit in der Takelage ist nichts für Menschen mit Höhenangst. Auf schmalen Rahen müssen die Mitglieder der Mannschaft die Segel setzen, stellen und reffen. Und hinauf geht es über die steilen Wanten. Das sind Sprossen, die zwischen Seilen eingespannt sind. Beim Auf- und Abentern über diese Wanten sind die Menschen nicht gesichert. Und da kommt es schon mal zum Absturz. Auch die „Gorch Fock“ kam nicht ohne tödliche Unfälle über die Weltmeere. Insgesamt 6 Besatzungsmitglieder starben in den inzwischen über 50 Einsatzjahren des Schiffes.
Das letzte Unglück im November 2010 scheint eine Debatte über den Sinn und die Zukunft des Schiffes auszulösen. Nach dem tödlichen Unfall auf dem Segelschulschiff vor Bahia wurde die Offiziersausbildung an Bord ausgesetzt. Die erst seit einigen Tagen auf das Schiff gebrachten 70 Offiziersanwärter kehrten inzwischen aus Brasilien nach Deutschland zurück und setzen ihre Ausbildung an der Marineschule Mürwik in Flensburg fort.
Die „Gorch Fock“ wird ihre 156. Ausbildungsreise mit der Stammbesatzung von rund 80 Mann fortsetzen. Zum ersten Mal soll das Schiff Kap Hoorn umfahren. Zur Kieler Woche 2011 soll das Schiff am 26.Juni wieder in seinem Heimathafen Kiel einlaufen.
Unglück auf der Gorch Fock am 7. November 2010
Zu einem tragischen Unglücksfall kam es am 7. November 2010 an Bord des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ im Hafen von Salvador de Bahia in Brasilien. Im Rahmen der Segelvorausbildung stürzte die 25-jährige Offiziersanwärterin Sarah Lena Seele aus der Takelage. Aus einer Höhe von etwa 27 Metern fiel sie auf das Deck des Schiffes. Der Schiffsarzt leitete unverzüglich Rettungsmaßnahmen ein und ließ die Verunglückte in ein Krankenhaus in Salvador de Bahia bringen. Dort erlag sie ihren schweren Verletzungen.
Weitere Unglücksfälle auf der „Gorch Fock“
Im September 1998 stürzt ein 19-jähriger Matrose aus dem Großmast aus etwa zwölf Metern Höhe auf das Deck. Die „Gorch Fock" war nordwestlich von Skagen auf See. Der Verletzte wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus im schwedischen Göteborg gebracht. Dort erlag er seinen Kopfverletzungen.
Im Mai 2002 fiel der 19-jährige Manfred Baudrexl auf das Deck. Die „Gorch Fock“ befand sich etwa 60 Seemeilen südöstlich von Island. Noch vor dem Eintreffen eines Rettungshubschraubers verstarb der Wehrdienstleistende an Bord des Schiffes.
Die 18-jährige Kadettin Jenny Böken ging im September 2008 während ihrer Wache bei unruhiger See nahe der Insel Norderney über Bord. Ihr Verschwinden wurde rasch bemerkt. Eine Suchaktion wurde direkt eingeleitet. Sie blieb aber erfolglos. Zwei Wochen später fanden Fischer die Leiche der Frau. Die Umstände und Ursachen dieses Unglücks sind nicht zu klären gewesen.
Kommt das Ende der seemännischen Grundausbildung auf der „Gorch Fock“?
Die Führung der Deutschen Marine hält offiziell noch an der seemännischen Grundausbildung auf ihrem Segelschulschiff „Gorch Fock“ fest. Sie betont den Nutzen der Erfahrung ihrer jungen Offiziere mit den Elementen auf den Meeren. Und der Bildung des Mannschaftsgeistes, den die zwei Monate auf dem Segler mit sich bringen. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass viele Marinestreitkräfte aus gleichem Grund Großsegler als Schulschiffe einsetzen.
Auf der anderen Seite gibt es viel Kritik an diesem Ausbildungsteil. Bis auf die besondere Erfahrung in der Takelage und den besonderen Teamgeist sehen die Kritiker keinen Sinn in diesem Ausbildungsabschnitt. Nautische Kenntnisse sind auf einem modernen Schiff ihrer Meinung nach sogar besser vermittelbar.
Der Stand der Dinge
Zunächst wurde eine grundlegende Überprüfung des Ausbildungskonzeptes von Seiten der Marineführung in Glücksburg angekündigt. Die Aussetzung des Segeltörns für die Anfang November an Bord gegangenen Offiziersanwärter wurde erweitert. Auch die im Dezember eingeplante Crew wird an Land bleiben. Vorläufig wird die „Gorch Fock" ihre Reise nur mit der Stammbesatzung fortsetzen und die repräsentativen Aufgaben erfüllen.
Bei den Anhängern des Großseglers stellt sich bereits die Befürchtung ein, dass dieser letzte Unfall zum Anlass genommen wird, das teure Renommierschiff aus dem Dienst zu nehmen und so einen spürbaren Beitrag zur Entlastung des Bundeshaushalts zu erreichen. Der Bundestagsabgeordnete und Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels (SPD) warnte im Kölner Stadtanzeiger bereits vor dieser absehbaren Konsequenz.
