
- Model der Isenburg in Hattingen - Bertram Generotzky
Die Ausstellung „AufRUHR 1225“ lässt das Mittelalter vor den Augen der Besucher wieder lebendig werden. Für viele beginnt die Geschichte des Ruhrgebietes mit der Möglichkeit, Kohle im großen Stil abzubauen. Dass dies eine verzehrte Wahrnehmung ist, beweist die lebendige Ausstellung mit blutigen Details, Geschichten zum Staunen und Ausstellungsstücken auch zum Anfassen.
Ermordung des Kölner Erzbischofs Engelbert 1225
Die Ausstellung gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil gibt der Ausstellung den Namen und lässt die von Selbstjustiz, Machtstreben und Gewalt geprägte Zeit eindrucksvoll zum Leben erwachen: 1225 wurde der Kölner Erzbischof Engelbert ermordet. Er starb nahe dem heutigen Gevelsberg. Aber er wurde nicht nur ermordet. Ein im Jahre 1979 angefertigter Obduktionsbericht der Gebeine des ermordeten Erzbischofes beweist, das eine der über 40 Hieb- und Stichwunden, die er erleiden musste, ausgereicht hätte, um ihn zu Tode zu bringen. Heute wird diskutiert, ob er ermordet oder entführt werden sollte. Wenn sein Tod nicht geplant war, so lassen sich die vielen Wunden nur erklären, wenn man bedenkt, dass nun, da ein so wichtiger Mann zu Tode gekommen war, alle an der Tat beteiligten die gleiche Schuld treffen sollte. Daher könnte es sein, dass die Täter sich vor Ort spontan entschieden, sich alle gleichermaßen zu Tätern zu machen, so dass niemand, der glaubte, ihn träfe eine geringere Schuld, die anderen verraten könnte.
Kopfgeld auf den Grafen von Isenberg
Diese Theorie ging nicht auf. Im Verlauf der Ausstellung erfährt der Besucher mehr über den vermeidlichen Haupttäter, den Graf Friedrich von Isenberg. Auf seinen Kopf wurde die schier unglaubliche Summe von 486kg Silber ausgesetzt. Um eine Vorstellung zu bekommen wie viel das ist, ist eines der Exponate ein sehr beachtlicher Stapel Silberbarren mit dem heutigen Wert von 200.000 Euro. Kein Wunder also, dass der Graf verraten wurde. Auch sein Schicksal wird in der Ausstellung sehr deutlich: Er wurde aufs Rad geknüpft.
Das Ende der Hattinger Isenburg
Das Schicksal des Grafen von Isenberg sollte auch das Schicksal seiner gerade erst fertiggestellten Burg sein, der Isenburg in Hattingen. Sie wurde geschliffen, also so weit wie möglich abgetragen. Um eine Vorstellung zu bekommen, wie die große Burg einmal aussah kann man im zweiten Teil der Ausstellung ein originalgetreues Modell der Burg sehen.
Dieser zweite Teil der Ausstellung zeigt mittelalterliche Geschichte ohne Originalexponate, dafür aber zum Anfassen. Kinder können sich in mittelalterlicher Kleidung gewanden oder in dem Bett eines Burgherrn ruhen.
Motte, die Burg für den einfachen Ritter
Auch der dritte Teil ist wirklich familientauglich. Vor dem Museumsgebäude steht ab Ende März 2010 eine Motte in Originalgröße. Das ist eine Holzburg, wie sie in ganz Europa als Behausung des kleinen Ritters die wohl häufigste Behausung des niederen Adels war. Sie wird 24 Meter hoch sein, mit einem dreigeschossigen Turm und einer begehbaren Wehrplattform. Auf 100m² bietet sie Platz für eine ganze Familie.
Eine wirklich gelungene Ausstellung im Museum für Archäologie in Herne. Es gibt Führungen für Groß und Klein und damit eine Möglichkeit für die ganze Familie zu sehen, wie weit die Siedlungsgeschichte des Ruhrgebietes zurückreicht. Sehr spannend!
Von Rittern, Burgen und Intrigen
Ausstellung „Aufruhr 1225!“ im Museum für Archäologie in Herne
Europaplatz 1, 44623 Herne
Di, Mi, Fr 9 – 17 Uhr, Do 9 -19 Uhr
Sa, So und feiertags 11 – 18 Uhr
Eintritt zwischen zwei und sechs Euro, Gruppenrabatte möglich
