Aufstieg und Ende Attilas

Von der Reichserbschaft bis zum plötzlichen Tod des Hunnenkönigs

Attila war um 445 Alleinherrscher des hunnischen Reiches. Im Weströmischen Reich geschlagen eroberte er dennoch Städte in Italien und verstarb kurz darauf plötzlich.

Im Jahre 434 erbten Attila und sein Bruder Bleda von ihrem Onkel die Herrschaft über das hunnische Reich, das eine Reihe germanischer und anderer fremder Völker einschloss. Es erstreckte sich von den eurasischen Steppengebieten bis an die mittlere Donau und beeinflusste darüber hinaus mit seiner Kultur noch weitere Gebiete auch in Mitteleuropa: Die archäologischen Funde aus jener Zeit zeigen eine vielfältige Übernahme hunnischer "Moden" in Bewaffnung, Schmuck und auch in der künstlichen Schädelverformung.

Attila forderte schon vor seiner Alleinherrschaft Tribute

Attila wurde endgültig nach der Ermordung seines Bruders (445) Alleinherrscher, ließ aber schon vorher sein Machtbedürfnis spüren: Die Tribute, durch die der Friede mit den Hunnen nur notdürftig gewahrt werden konnte, wurden für das Byzanntische Reich bereits im Jahre 435 verdoppelt und später verdreifacht. Ein hoher Beamter aus Byzanz, Priskos, der an diesen Tributverhandlungen teilnahm, hinterließ einen anschaulichen Bericht über Attila, seine Residenz und sein Reich.

Der Zug ins Weströmische Reich, der Hunnenkönig wurde geschlagen

Die Hunnen führten als Oberschicht ein kriegerisches Reiterleben und waren bei ihrer wenig intensiven Wirtschaftsweise auf Tribute oder Beutezüge angewiesen. Wohl die Tatsache, dass der Balkan bereits intensiv ausgeplündert worden war, veranlasste Attila zu dem großen Zug ins Weströmische Reich. Im Jahre 451 wurde der Rhein überschritten, Metz erobert und zerstört. Orléans konnte sich hinter der rechtzeitig verstärkten Stadtbefestigung halten und wurde durch Aëtius, den Heermeister des Weströmischen Reiches, entsetzt.

Attila zog sich mit seinen Truppen auf die für Reiterkämpfe günstigen Katalaunischen Felder bei Troyes zurück. Dort wurde, wahrscheinlich am 20. Juni 451, die entscheidende Schlacht geschlagen, mit einer für damalige Verhältnisse erstaunlich großen Heeresstärke auf beiden Seiten. Die Westgoten, ein Teil der germanischen Hilfstruppen des Attila, wechselten während der Schlacht die Front. Der Kampf dauerte bis in die Nacht, erst am nächsten Morgen zeigte sich, dass Attila geschlagen worden war, er hatte in seiner Wagenburg schon seinen Scheiterhaufen vorbereitet. Aëtius gewährte jedoch freien Abzug, er wollte wohl nicht, dass das Attilareich im komplizierten politischen Kräftespiel jener Zeit völlig ausfiel.

Im folgenden Jahr unternahm Attila, ungebrochen, einen Zug nach Italien. Wie andere Städte wurde auch Mailand erobert, Rom blieb jedoch verschont. Auf dem Rückzug wurde Augsburg zerstört.

Attilas Tod und seine Nachwirkung auf Sage und Dichtung

Im Jahre 453 verstarb Attila plötzlich in der Hochzeitsnacht an der Seite seiner Gemahlin, einer germanischer Prinzessin. Eine prächtige Totenfeier begleitete die Verbrennung des Toten mit seinen Waffen, seinem Schmuck und anderen wertvollen Beigaben. Das Reich des Attila konnte nicht weiter bestehen, es zerfiel unter seinen Nachfolgern schnell. Der legendäre Tod, überhaupt die Gestalt Attilas, hat in Sage und Dichtung viele Spuren hinterlassen. Das deutsche Nibelungenlied sieht Attila als gerechten Fürsten, auch der gotische Name ("Attila": Väterchen, der hunnische Name ist nicht bekannt) spiegelt ein anderes Bild der Persönlichkeit als die spätere Geschichtsschreibung, die ihn als "Schreckgespenst" (im 6. Jahrhundert) oder als "Gottesgeißel" (im 9. Jahrhundert) bezeichnet.