Auge um Auge, Payback, Rache: Im Film ein beliebtes Genre

Unrecht schreit nach Rache - im Leben wie im Film! Im Leben haben wir dafür Gesetze, im Film nehmen das die Helden in die Hand. Rachefilme, eine kurze Liste

Rache ist kein Rechtsbegriff, aber ein Rechtsgefühl! Wir glauben wie selbstverständlich, ein Recht zu besitzen auf Wiedergutmachung eines erlittenen Unrechts. Rache berührt unmittelbar, sie ist nachvollziehbar und gerade deshalb so problematisch: Ja zur Rache sagt unser Gefühl – nein, sagt die Vernunft. Aus dieser Spannung gewinnen Rachefilme ihren Reiz.

Rache als Komödie: Dick und Doof und untreue Männer

Selbst die Materialschlachten von Laurel und Hardy alias Dick und Doof sind durch Rache motiviert: Wie du mir, so ich dir – Auge um Auge, Zahn um Zahn könnte auf jeder Torte aufgespüht sein, die in den Filmen der beiden Komiker durch die Luft fliegt. Ansonsten aber fühlt sich das Rache-Sujet im Thriller am besten aufgehoben.

Der Club der Teufelinnen (USA / 1996) allerdings gehört noch zu den Ausnahmen. In dem Film von Regisseur Hugh Wilson stellen Bette Midler, Goldie Hawn und Diane Keaton auf der Beerdigung der gemeinsamen Freundin fest, dass der Erfolg ihrer Ehemänner ihnen zu verdanken ist – was die Ehemänner nicht davon abgehalten hat, sie gegen jüngere Frauen „auszutauschen“ und zu betrügen. „Rache ist süß – diese auch noch saukomisch“ schrieb dazu die Zeitschrift TV Today.

Und auch Die Teufelin (USA / 1989) ist eine Komödie. Schauspielerin Roseanne Barr nimmt als schwergewichtige Ruth Patchett unter der Regie von Susan Seidelman Rache am untreuen Mann. Ihre Gegenspielerin ist Maryl Streep.

Rache und Selbstjustiz: Es gibt keine Vergebung, nur Verdammnis

In 96 Stunden (F / 2008) spielt Liam Neeson den um seine Tochter Kim besorgten Ex-Geheimagent Bryan Mills. Kim wurde in Paris von Mädchenhändlern entführt – Papa sieht rot und heftet sich auf die Fersen der Verbrecher. Ein abgesehen von Neesons Leistung durchweg eindimensionaler Film.

Vier Oscars erhielt Clint Eastwood für Erbarmungslos (USA / 1992), den Film, bei dem er Regie führte und die Hauptrolle übernahm. In dem Abgesang auf den Western wird Gewalt ad absurdum geführt. An der Seite von Eastwood brillierten Morgan Freeman und Gene Hackman.

Falling Down (USA / 1993) trägt den deutschen Untertitel „Ein ganz normaler Tag“ und signalisiert somit, wie nah Alltag und Gewalt beieinander liegen: Michael Douglas als William ‚D-Fens‘ Foster auf einer Tour de Force durch Los Angeles. Kein wirklicher Rächerfilm, aber ein durch vermeintliches Unrecht (William darf keinen Kontakt halten zu der bei seiner Ex-Frau lebenden Tochter) ausgelöstes Filmdrama.

In Gesetz der Rache (USA / 2009) nimmt Gerard Butler als Clyde Shelton Rache an all jenen, die er mitverantworlich hält für den Mord an Frau und Tochter bzw. an dem Deal zwischen Staatsanwalt Nick Rice (gespielt von Jamie Foxx) und einem der Täter. Ein Film, der im Verlauf ein nachvollziehbares Anliegen durch Selbstjustiz desavouiert.

Wie bei Quentin Tarantino üblich, spielt auch Inglourious Basterds (USA u. BRD / 2009) auf mehreren Ebenen. Das Thema Rache wird gespiegelt an der Achse Lieutenant Aldo Raine (Brad Pitt) mit seinen Basterds, einer Bande jüdischer Söldner, die Nazis abschlachten, und an der Revanche der Nazis an den Basterds. Eine zweite Rachegeschichte geht von Shosanna aus, der Jüdin, die miterleben musste, wie ihre Familie ausgelöscht wurde durch SS-Standartenführer Hans Landa (Christoph Waltz). Ein Zufall spielt Shosanna die Möglichkeit in die Hand, den obersten Stab der Nazis inklusive Hitler zu töten.

Gäbe es nicht die vielen ernstgemeinten Gewaltszenen, könnte Lucky # Slevin (USA / 2006) durchaus als Komödie durchgehen. Der komplex angelegte Thriller schildert die Rache für die Ermordung der Eltern von Slevin Kelevra (Josh Hartnett). Slevin zur Seite stehen Profikiller Mr. Goodkat (Bruce Willis) und Lindsey (Lucy Liu); die Gegenparts werden gespielt von Morgan Freeman und Sir Ben Kingsley.

Mad Max (Aus / 1979) spielte ein Vielfaches seines geringen Budgets ein. In einer durch die Apokalypse verwüsteten Zukunft tötet Polizist Max Rockatansky (Mel Gibson) den Anführer einer Rockergang. Die Rocker töten im Gegenzug Max‘ Tochter und verletzen seine Frau schwer, was wiederum für Max den Auftakt seines Amoklaufs bedeutet.

Tony Scott, Bruder von Regisseur Ridley Scott, drehte 2004 Mann unter Feuer (USA / 2004) mit Denzel Washington als John W. Creasy in der Hauptrolle. Creasy, alkoholabhängig und selbstmordgefährdet, übernimmt einen Job als Leibwächter von Pita, der jungen Tochter des Geschäftsmanns Samuel Ramos (Marc Anthony). Pita wird entführt, und Creasy, bei der Entführung schwerst verletzt, macht sich auf die Suche nach den Verantwortlichen.

Durch Verblendung,Verdammnis und Vergebung (alle S, DK, BRD / 2009), der sogenannten Millennium-Trilogie nach den Romanen von Stieg Larsson, zieht sich ein gradezu altbiblisch anmutender Rachefeldzug der Lisbeth Salander (gespielt von Noomi Rapace) – oder aber auch der einer griechischen Tragödie, wie es Lisbeths Widerpart formuliert, der Anstaltsarzt Peter Teleborian. Ihr über die drei Folgen angelegter Weg ist eingebettet in Rahmenhandlungen, in denen Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) Fälle recherchiert, die teils tief in die schwedische Geschichte der Gegenwart verwoben sind.

Payback (USA / 1999) schildert den Versuch von Porter (Mel Gibson), wieder an seinen Anteil der 140.000 Dollar heranzukommen, die er chinesischen Geldwäschern gestohlen hat; das Geld wurde ihm von seiner Frau Lynn und Partner Val Resnic (Gregg Henry) abgenommen. Porter startet eine Gewaltorgie, die in geradezu komischem Kontrast steht zu seiner immer demonstrierten Ehrenhaftigkeit: Porter will nie mehr als nur seinen Anteil.

Johannes Flörsch, Johannes Flörsch

Johannes Flörsch - Johannes Flörsch (Jahrgang 1956): Nach einer Bankkaufmannslehre, nach dem Studium der klassischen Gitarre am Konservatorium ...

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