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Betriebsnachfolge gut vorbereiten

Vorsicht bei Vermittlern, denen Branchenkenntnisse fehlen

Ein Betriebsverkauf verlangt Fingerspitzengefühl. Beratungsverträge, die eine schnelle Vermittlung versprechen, sollten sehr genau geprüft werden.

„Planen Sie den Verkauf Ihres Geschäfts oder suchen Sie nach einer Beteiligung? Unserer Käuferabteilung liegen derzeit Anfragen von potenziellen Kunden für ein Geschäft in Ihrer Branche sowie Ihrer Region vor.“ Schreiben wie diese fallen auf fruchtbaren Boden, wenn die Geschäfte schlecht gehen oder Firmeninhaber sich Gedanken über die Nachfolge machen. Aber Verträge, die eine schnelle Vermittlung versprechen, sollten sehr genau geprüft werden.

Ralf Rudolph baut Autos in Kleinserie: Sein Sportwagen sieht einem Porsche recht ähnlich. Und so wunderte er sich zunächst nicht über das Schreiben eines Dienstleisters, der An- und Verkäufe von Unternehmen abwickelt, dass es mehrere Kaufinteressenten für seine Fahrzeugentwicklung gebe. Die Besuche des Außendienstmitarbeiters der Firma, die ihm geschrieben hatte, verliefen äußerst positiv. Er stellte Rudolph den baldigen Firmenverkauf in Aussicht, noch dazu zu einem wesentlich höheren Preis als Rudolph sein Unternehmen bewertet hatte. Er habe mit den Kaufinteressenten diese Summe bereits abgeklärt, ließ der Vertreter den Firmeninhaber wissen und schloss mit ihm einen Dienstleistungsvertrag über die Abwicklung des Verkaufs ab. Dafür stellte Rudolph einen Überweisungsträger über 3.500 Euro aus. „Am liebsten hätte er das Honorar bar kassiert“, erinnert sich der Geschädigte, „aber ich war misstrauisch“. Nicht misstrauisch genug, wie sich herausstellen sollte, denn es gab weder einen Käufer noch ein ernsthaftes Bemühen des Vermittlers, einen Käufer zu finden. So schildert es zumindest Ralf Rudolph. Er erstattete bei der Staatsanwaltschaft gegen den Vertreter Anzeige wegen Betruges. Das Verfahren wurde eingestellt, weil Aussage gegen Aussage stand. Die Dienstleistungsfirma hat inzwischen ihren Namen geändert, und Ralf Rudolph hat mittlerweile eine lange Liste von Firmeninhabern, denen es mit diesem Geschäftspartner genauso ergangen ist.

Die meisten Geschädigten haben nach dem Abschluss des Dienstleistungsvertrages nie wieder etwas von der Firma gehört, die doch angeblich schon konkrete Kaufinteressenten an der Hand hatte. Der entsprechende Außendienstmitarbeiter war auch plötzlich nicht mehr erreichbar.

Psychologie spielt eine gro0e Rolle

Von dem Vermittlungsunternehmen, dessen Vorstandsvorsitzender seinen Wohnsitz im Ausland hat, erfährt man hingegen, wie schwierig das Geschäft sei, weil die Psychologie eine große Rolle spiele. Die potenziellen Verkäufer überschätzten oft den Wert ihrer Firma und seien dann entsprechend verbittert, wenn sich zu diesem Preis keine Käufer fänden oder der ausgehandelte Preis weit unter ihren ursprünglichen Vorstellungen liege.

Geprellte Verkaufswillige berichten genau das Gegenteil: Die Außendienstmitarbeiter schätzen nach nur flüchtigen Blicken in die BWA das Unternehmen meist sehr hoch ein, da der vom Unternehmer zu zahlende Preis für die Vermittlungsdienstleistung von dem so geschätzten Firmenwert abhängt. Das Misstrauen gegenüber dieser Schätzzahl hat schon manche Verkaufswillige mit realistischen Vorstellungen vor einem dubiosen Vertragsabschluss bewahrt.

Meistens funktioniert die Masche jedoch, nicht zuletzt auch deshalb, weil Vertreter des Beratungsunternehmens vorgeben, ihre Firma unterhalte gute Kontakte zu den örtlichen Banken und arbeite eng mit der zuständigen Handwerkskammer bzw. IHK zusammen. Bei der Handwerkskammer Düsseldorf, auf die zum Beispiel explizit verwiesen wurde, kennt man das Unternehmen gar nicht. Wozu auch? Die Beratung der Mitgliedsbetriebe in Übergabe- und Nachfolgefragen ist eine der traditionellen Serviceaufgaben der Kammern. Bei der Handwerkskammer Düsseldorf bieten allein zwölf kaufmännische Betriebsberater Beratung und Informationen für den betrieblichen Alltag an, persönlich, neutral, vertraulich und in der Regel kostenlos. Sie verfügen auch über ein ausgeprägtes Branchenwissen und können zum Beispiel in den Meisterkursen nach potenziellen Nachfolgern für etablierte Betriebe Ausschau halten. Die Erfolgsaussichten für eine beide Seiten zufrieden stellende Übernahme/Übergabe mit kompetenter Begleitung durch die Kammer sind dementsprechend gut.

Ob ein externes, teures Beratungsunternehmen, sei es noch so seriös, handwerksspezifische und branchentypische Besonderheiten zum Beispiel bei einem Musikinstrumentenbauer beurteilen kann, ist hingegen fraglich. Die Firma, die einem Musikalienhändler wie oben erwähnt „mehrere potenzielle Käufer Ihrer Branche“ in Aussicht stellte, konnte letztlich nur Kaufinteressenten präsentieren, die an dem Ladenlokal interessiert waren und nicht an der Fortführung des Unternehmens. Dagegen ist die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs gerichtlich vorgegangen und hat einen erstinstanzlichen Erfolg erzielt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Und selbst wenn, bedeutete das nicht, dass der getäuschte Musikfachmann das „Beratungshonorar“ zurückbekommt.

Dipl.-Volkswirt Angelika Basdorf ist ständige Aut , Basdorf

Angelika Basdorf - Angelika Basdorf Diplom-Volkswirt sozialwissenschaftliche Richtung Seit 1998 bin ich selbstständige freie Journalistin und ...

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