
- Augenfitnesstraining - Sonja v. Eisenstein
Solange man keine Probleme mit den Augen hat, macht man sich meist auch keine Gedanken darüber. Aber wenn es einmal damit anfängt, dass man den Lesestoff immer ein Stückchen weiter weg halten muss, um klar zu sehen, wenn die Arme zunehmend länger werden und man schließlich die erste Lesebrille verpasst bekommt, dann beginnt man auch seinen Augen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn von nun ab heißt es: „Nicht ohne meine Brille.“ Wehmütig erinnert man sich an die Zeit, als man das Haus noch ohne Brille im Schlepptau verlassen und überall unbekümmert in den Zeitschriften schmökern konnte. Damit ist es nun vorbei – jedenfalls, wenn man seine Brille vergessen hat! Und stößt man jetzt auf Buchtitel wie – „Ohne Brille bis ins hohe Alter“, „Besser sehen“ oder „Müssen Sie wirklich eine Brille tragen?“ – merkt man plötzlich, wie sich einem dabei die Ohren spitzen.
Schenken Sie Ihren Augen ab und zu ein paar Minuten Aufmerksamkeit
Unter den zahlreichen Fitnessangeboten, Trainings – vom Rückentraining bis zu Muskel- und Mentaltraining – und den unzähligen Wellnessangeboten, ist Fitnesstrainings für die Augen noch ein ziemliches Stiefkind bei den Anbieter und weit weniger häufig zu finden. Und dabei wäre es wichtiger denn je zuvor, auch für die Augen und die Gesundheit der Sehkraft etwas zu tun. Gerade das lange Sitzen vor dem Computer, das stundenlange Auf-den-Bildschirm-Starren, stellt hohe Anforderungen an unsere Augen. Hinzu kommt die Anstrengung des Gehirns, zu der sich physische, nervliche und auch Muskelanspannung gesellen. Mit einem kleinen Augenfitnesstraining zwischendurch, ein paar Minuten täglich, kann man viel dazu beitragen, seine Augen zu entlasten.
Das Wichtigste vor jedem Augentraining ist es, die Augen richtig zu entspannen
Die Entspannung ist Voraussetzung für jedes weiteres Augentraining. Selbst wenn Sie nur für die Augenentspannung Zeit finden, tragen Sie viel zur Entlastung Ihrer Augen bei! Diese Entspannung ist leicht durchzuführen. Sie können sie mit aufgestellten Ellbogen und teils überkreuzten Händen sogar zwischendurch an ihrem Schreibtisch neben dem Computer praktizieren. Die überkreuzten Hände sollen locker die Augen bedecken – siehe Zeichnung! – so dass die eine kleine Delle bildenden Handflächen jeweils über ein Auge gelegt sind. Halten sie dabei die Augen geschlossen und erspüren Sie die Wärme, die von den warmen Handflächen auf ihre geschlossenen Augen strahlt. Diese Wärme hilft, angespannte Augenmuskeln zu entspannen. Je schwärzer dann die „gesehene Farbe“ vor den Augen wird, desto entspannter ist der Augenzustand. Wenn Sie das zweimal am Tag fünf Minuten lang durchführen, werden Sie selber feststellen, wie angenehm sich diese Übung auf Ihre Augen und Ihr Wohlbefinden auswirkt. Sollten Sie aber mehr Zeit dafür aufbringen können, umso besser! Mit zwei- oder dreimal dreißig Minuten täglich, kann man schon positiven Einfluss auf Sehprobleme nehmen. Natürlich ersparen einem diese Übungen nicht den regelmäßigen Besuch beim Augenarzt. Aber mit dieser Augenentspannungsübung können Sie auch ihre Sehkraft verbessern.
Was bedeutet in der Fachsprache des Augentrainings „Palming“ und „Swinging“?
Das Auflegen der Hände zur Entspannung und Ruhestellung der Augen, wie in der Übung beschrieben, nennt man Palming, nach der Bartesmethode. Dr. Bartes war ein Pionier und Vorkämpfer des Augentrainings zur Verbesserung der Sehkraft. Viele Erfolge gaben seinen Theorien Recht, dass schlechtes Sehen vielfach eine Folge anstrengender Anspannung ist, die auf die äußeren Augenmuskel einwirkt und somit den Augenapfel nötigt, seine Gestalt zu ändern.
Eine weitere Übung zur Entspannung ist das Swinging (Schwenken). Die Übung wird stehend, am besten vor dem Fenster oder auch vor einem Gemälde durchgeführt. Die Beine etwa 30 cm gegrätscht, steht man mit locker an die Seite gelehnten Armen da und lässt den Körper sanft hin und her pendeln. Dabei kann man sich selbst als ein Pendel einer Pendeluhr vorstellen. Jede Ferse, jedoch nicht den ganzen Fuß, abwechselnd vom Boden erheben. Der ganze Körper soll schwingen, nicht nur Kopf und Rumpf. Vor dem Fenster (oder Gemälde) schwingend, meint man dann, das Fenster schwinge in umgekehrter Richtung mit. Nachdem man eine Minute mit offenen Augen geschwungen hat, soll man die Augen schließen und sich immer noch schwingend das schwingende Fenster/Bild vorstellen. Dann wieder die Augen eine Minute öffnen und so fort. Dabei keine Brille tragen!
Wohltätige Wirkung auf Augen und Nervensystem
Das Swinging sollte auch zweimal täglich um die fünf Minuten durchgeführt werden. Wenn man länger Zeit hat, kann man es bis dreimal täglich auch zehn Minuten durchführen. Außer dem Palming ist diese Übung das beste Mittel, die Augenüberanstrengung zu bekämpfen.
Zur Augenentspannung kann man auch das Blinzeln einsetzen. So alle zehn Sekunden ein oder zweimal zu blinzeln, ist eine wirksame Möglichkeit, beim Lesen oder langen Sitzen vor dem Bildschirm, Spannung aus den Augen aufzuheben. Die Augen ermüden dann weniger.
Lassen Sie Ihre Augen im Sonnenschein baden
Genießen sie die Sonnenstrahlen – mit geschlossenen Augen! Wenden Sie sich der Sonne entgegen und lassen Sie dabei Ihren Kopf sanft hin und herrollen, so dass die Strahlen auf alle Teile der Augen fallen können. Das wird Blut in die Augen ziehen und Muskeln und Nerven entspannen. Die Übung ist natürlich auch ohne Brille durchzuführen. Man kann sein tägliches Übungsprogramm noch mit einer weiteren Übung bereichern:
Augenmuskelübung zur Verbesserung der Akkommodation (Anpassung)
1. Übung: Kopf ruhig und entspannt halten, Augen langsam sechsmal auf- und niedergleiten lassen. Dies zwei bis dreimal mit jeweils zwei Sekunden Pause dazwischen.
2. Übung: Augen ohne Anstrengung sechsmal von einer Seite zur anderen gleiten lassen. Übung zwei bis dreimal durchführen, zwei Sekunden Pause dazwischen.
3. Übung: Malen Sie sich auf den linken Zeigefinger einen Punkt und halten sie den Finger etwa 20 cm vor die Augen. Dann blicken Sie auf den Punkt des Zeigefingers und lassen Ihren Blick davon ausgehend noch mindestens 3 m weiter zu einem anderen Gegenstand gleiten; ein Bild, eine Tür, ein Fenster. Und wechseln Sie zehnmal vom Punkt auf den Finger auf das ferner liegende Objekt. Diese Übung darf auch etwas schneller vollzogen werden.
Abschließend noch ein kleiner Tipp am Rande: Wenn Sie sich mit einem oder mehreren Bürokollegen zusammenschließen können, um das Augenfitnesstraining gemeinsam regelmäßig durchzuführen, würde das nicht nur auch anderen helfen, sondern auch enorm dazu beitragen, den inneren Schweinehund zu überwinden, der einem vom täglichen Training bisweilen abzuhalten droht!
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
