August Thyssen – ein Portrait

Begründer des Thyssen-Konzerns

August Thyssen um 1917, Gemälde von Franz J. Klemm - www.thyssenkrupp.com
August Thyssen um 1917, Gemälde von Franz J. Klemm - www.thyssenkrupp.com
Arbeitsbesessen, einfallsreich, erfolgreich. August Thyssen arbeitete sich vom mittelständischen Unternehmer zu einem der reichsten Männer des Deutschen Reiches hoch.

August Thyssen wurde am 17. Mai 1842 in Eschweiler geboren und starb am 4. April 1926 auf seinem Wohnsitz Schloss Landsberg bei (Essen-) Kettwig.

Ausbildung Thyssens

August wuchs in einer streng katholischen Unternehmerfamilie auf. Er besuchte die Rektoratsschule in Eschweiler, anschließend die Höhere Bürgerschule in Aachen und wechselte 1859 für zwei Jahre an die Polytechnische Schule nach Karlsruhe, wo er Maschinenbau und Bauwesen studierte. Nach einem Jahr Studium in Antwerpen an der dortigen Handelshochschule begann er schließlich im Bankgeschäft seines Vaters zu arbeiten.

Der Weg zum Stahlbaron: Thyssen, Fossoul & Co. - Thyssen & Co.

Den Grundstein für seine Unternehmerkarriere legte August Thyssen 1867, als er sich zusammen mit seinem Schwager Bicheroux an einer Unternehmensgründung in Duisburg beteiligte. Er wurde erster kaufmännischer Leiter der Firma Thyssen, Fossoul & Co., die sich in der Herstellung von Bandeisen spezialisierte. Vier Jahre später hatte er sein eingebrachtes Kapital vervierfacht. Er verließ Thyssen, Fossoul & Co. und gründete 1871 mit seinem Vater als Teilhaber in Styrum bei Mülheim an der Ruhr das Bandeisenwalzwerk Thyssen & Co.

Gewerkschaft Deutscher Kaiser – Erweiterung zum Vertikalkonzern

Nach der Reichsgründung 1871 boomte die Stahlindustrie. Thyssen begann nun auch, seine Produkte weiterzuverarbeiten. 1891 übernahm er die Zeche Gewerkschaft Deutscher Kaiser (ab 1919 August Thyssen-Hütte), die verkehrsgünstig am Rhein lag und einen eigenen Hafen hatte, und baute sie zum Hüttenwerk mit eigener Kohlenbasis aus. In den darauffolgenden Jahren erweiterte August Thyssen sein Unternehmen systematisch um Firmen, die sich zu einem vertikalen Konzern ergänzten (Bei einem Vertikalkonzern gehören die zusammengeschlossenen Unternehmen aufeinander folgenden Produktions- oder Handelsstufen an). Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann Thyssen seinen Konzern zu internationalisieren. August Thyssen war zu einem der reichsten Männer und sein Unternehmen zu einem der bedeutendsten des Reiches geworden.

Nach dem 1. Weltkrieg

Der verlorene Krieg bedeutete auch eine Niederlage für den Stahlbaron. Er verlor seine Auslandsbeteiligungen in den alliierten Siegerstaaten und der Sowjetunion. Die unternehmerische Expansion war beendet. Im Jahr 1926 gingen die Thyssen-Firmen weitestgehend in dem neuen Konzernzusammenschluss Vereinigte Stahlwerke AG auf. Die nach dem 2. Weltkrieg neu gegründeten Thyssen-Unternehmen fusionierten 1999 mit Krupp-Hoesch zur ThyssenKrupp AG.

August Thyssen und seine Familie

In privater Hinsicht verlief August Thyssens Leben nicht so erfolgreich wie seine Unternehmerlaufbahn. Arbeit diktierte sein Leben, Zeit für Familie blieb kaum.

Hedwig Pelzer – Hochzeit und Scheidung

Als Dreißigjähriger heiratete er 1872 die aus Mülheims Oberschicht stammende achtzehnjährige Hedwig Pelzer. Die beiden bekamen vier Kinder, Fritz (1873), August (1874), Heinrich (1875) und Hedwig (1878). Augusts arbeitsbestimmter Tagesablauf und Hedwigs eher gesellschaftlich orientiertes Leben, dem August nichts abgewinnen konnte, sorgten bald dafür, dass sich die Eheleute auseinanderlebten. Anfang der 1880er Jahre hatte Hedwig eine Fehlgeburt, deren Vaterschaft August jedoch leugnete. 1885 kam es schließlich zur Scheidung und August Thyssen erhielt das Sorgerecht für die Kinder. Um seine Frau aufgrund der vereinbarten Gütergemeinschaft nicht vollständig auszahlen zu müssen (dazu hätte er seine Firma auflösen müssen), vereinbarten die Eheleute im Scheidungsvertrag, das gemeinschaftliche Vermögen auf die vier Kinder zu übertragen, wobei August den Nießbrauch behielt. Hedwig erhielt eine großzügige Abfindung.

Thyssens Verhältnis zu seinen Kindern

Thyssen setzte sein arbeitsintensives Leben nach der Scheidung fort. Die Kinder ließ er von einem Kindermädchen versorgen. Er selbst war selten zuhause, das Unternehmen beanspruchte seine gesamte Zeit. Augusts Abwesenheit und seine sehr dominanten Erziehungsmethoden machten ein gutes Verhältnis zu seinen Kinder unmöglich.

In späteren Jahren führte der erwachsene August Thyssen junior mehrfach Prozesse wegen der Erbschaft gegen seinen Vater, woraufhin August senior sogar versuchte, seinen Sohn entmündigen zu lassen. Auch seiner Tochter Hedwig genügte die ihr zugeteilte Apanage zur Finanzierung ihres aufwendigen Lebensstils nicht. Thyssen zahlte seinen beiden Kindern schließlich eine Abfindung, woraufhin diese auf ihren Erbanspruch verzichteten.

Britta Leyk, © Britta Leyk

Britta Leyk - Die Interessen und Themenbereiche der Autorin sind vielfältig. Ihr Schwerpunkt liegt jedoch im Bereich Geschichte und der gesunden ...

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