Aus dem Leben eines Lohnschreibers

Joseph von Westphalen über den Umgang mit Auftragsarbeiten

cover von westphalen - luchterhand verlag
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Nicht jeder Autor erhält Preise und Stipendien. Joseph von Westphalen erzählt in teils wahren, teils nicht ganz wahren Geschichten, wovon Autoren tatsächlich leben.

Wir hatten es bereits geahnt, der Beruf des Schriftstellers ist nicht zwingend glamourös und romantisch. Wie genau die unglamourösen und unromantischen Aspekte des Autorenlebens aussehen können, das erfährt man nicht oft, jedenfalls nicht in der Art und Weise, wie sie von Joseph von Westphalen geschildert werden.

Auftragsarbeiten für Schriftsteller

Als Spätberufener, seinen ersten Roman schrieb er mit vierzig, gehört Westphalen zu jenen, die ohne die Unterstützung von Stipendien und Literaturpreisen auskommen müssen. Wer trotzdem vom Schreiben leben will, ist von Auftragsarbeiten abhängig, schreibt beispielsweise Festreden, Moderationstexte, Restaurant- oder andere Kritiken, Werbetexte und Zeitschriftenbeiträge – eine Situation, der manche naserümpfend gegenüberstehen. Nicht so Joseph von Westphalen, der in „Aus dem Leben eines Lohnschreibers“ zehn Geschichten erzählt, die von den Erlebnissen rund um das Auftragsschreiben handeln. Sortiert sind diese Geschichten in die Kategorien ganz wahr, halb wahr und fast wahr.

Wahre und erfundene Erlebnisse

So gut wie wahr ist etwa die Erzählung von der Einweihung eines neuen Firmengebäudes, das sich irgendwo in der Pampa befindet, für die der Autor eine Festrede schreiben soll, in der er den Anwesenden die Randlage der Firma als positiv verkauft. Ein anderes Mal erinnert sich eine Redakteurin, von Westphalen schon einmal etwas über Weihnachten gelesen zu haben, bittet ihn um einen Beitrag und wundert sich über das Erhaltene, denn ihr war entgangen, dass der Autor bekennender Weihnachts-Hasser ist. Wer sich schon einmal gefragt hat, warum die Moderationstexte bei Fernsehpreisverleihungen so gleichmäßig grässlich sind, wird einen erhellenden Einblick in ihren Verfertigungsprozess erhalten.

Herausforderung für den Autor

Das Motto Westphalens lautet „Ich schreibe alles – aber so wie ich es will“. Die Aufgaben, die an ihn herangetragen werden, betrachtet er als schriftstellerische Herausforderung, deren Erfüllung von der obersten Regel „Lass dich nicht verbiegen!“ geleitet wird. Bevor er seinen abgelehnten Weihnachtstext auf Kitschniveau entschärft, zieht er ihn lieber zurück und kassiert ein Ausfallhonorar (50 Prozent des vereinbarten Honorars). Noch lieber ist ihm allerdings, seinen Auftraggebern mit Ironie und Lust an der Provokation das zu präsentieren, was er aus ihren Erwartungen und Bedingungen produziert hat, die Narrenfreiheit, die dem Beruf bis zu einem gewissen Grad innewohnt, voll ausreizend.

Blick auf den unglamourösen Alltag eines Schriftstellers

„Aus dem Leben eines Lohnschreibers“ bietet nicht nur einen außergewöhnlichen Blick auf den Alltag eines Schriftstellers, sondern ist jederzeit auch unterhaltsam und witzig. Mehrfach gelesen werden sollte es von allen krankhaft-bescheidenen Autoren, bis ihnen der Satz „Das kostet euch fünf!“ in Fleisch und Blut übergegangen ist (obwohl in der halb-wahren Wirklichkeit letztlich nur tausend Euro und zwei Krawatten der premium edition dabei herauskamen).

Joseph von Westphalen: Aus dem Leben eines Lohnschreibers. Geschichten. Luchterhand Verlag 2009. Broschiert, 256 Seiten. 8 Euro.

Pia Helfferich, Pia Helfferich

Pia Helfferich - Pia Helfferich ist Autorin und schreibt nebenher Rezensionen und Artikel für die Zeitschriften Federwelt, TextArt und Buchkultur. Sie ...

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