Ausbilder Schmidt tourt im Moment durch ganz Deutschland. Im Gepäck hat er eine neue Show: „Er kam, sah und brüllte". Was hat sich verändert, was ist gleich geblieben?
Ausbilder Schmidt - Der Comedian mit militärischem Ton
Rotes Barett, Sonnenbrille, olivgrüne Bundeswehruniform, Koppel um die Hüften. Das Kostüm von Holger Müller, so der bürgerliche Name des Comedian, ist schlicht und einprägsam. Und bis auf eine kleine Ausnahme reicht es dem selbsternannten Retter der Nation vollkommen aus. Die Bühnendeko besteht, wie könnte es anders sein, aus einem Tarnnetz. Ein Radio und ein Teddybär kommen noch zum Einsatz - ansonsten ist Schmidt da vorne auf der Bühne auf sich allein gestellt. Seinen menschlichen Gehilfen „Hunger" und einige „freiwillige" Besucher auf der Bühne mal ausgeklammert.
Die One-Man-Show von Ausbilder Schmidt: lustig oder lästig?
Im Grunde genommen liefert „der Ausbilder" eine One-Man-Show ab - und die ist gar nicht mal schlecht. Ein wenig langatmig zur Mitte hin (das zehnminütige Spiel mit den Zuschauern war nicht lustig, sondern lästig), aber Schmidt macht das, was ein Komiker tun sollte: gute Witze.
Die drehen sich um die Hochzeit seiner Verwandten, den Umzug seiner Freundin Petra, den Blutspendetermin beim Roten Kreuz oder, das ist neu, seine weiche Seite. Meistens kommen in diesen Geschichten dann Panzer, Minen und eine Menge Luschen vor.
Schmidt wird oft böse. So spielt er mit Gehörlosen stille Post, mit Vertriebenen Siedler oder mit Alzheimerpatienten Schiffe versenken. Aber auch Obama und die Bankenkrise flechtet er gekonnt mit ein. Jedes Mal ein bisschen anders, individuell.
Als Freundin Petra nach dem Umzug fix und fertig ist und die Mitgliedschaft im Mieterbund mehr als nötig hat, fällt dem tapferen Soldaten nur ein: „Bund ist immer gut." Seine Welt ist hart, also muss der Mensch noch härter sein. „Neulich sagte mir eine Bekannte, dass es in Sierra Leone Kindersoldaten gebe. Da hab ich mir gleich 20 bestellt."
Zivigrüßer Schmidt und sein aktuelles Programm „Er kam, sah und brüllte"
Schmidtchen Schleifer weiß, dass er böse ist. Aber er will sich ändern. Er grüßt Zivis, parkt seinen Panzer im Schatten und pinkelt im Sitzen. Sogar in den Beichtstuhl drängt es ihn. Aber es ist wie es ist: Einmal Bundi, immer Bundi. Neben dem Auftritt als Luschenbekämpfer kommt der Komiker auch untypisch daher, etwa als Stimmenimitator (Dieter Hallervorden, Mario Barth) oder als Musiker auf einem wilden Ritt durch die Genres - Grönemeyer- und Rammstein inklusive.
„Er kam, sah und brüllte", heißt das aktuelle Bühnenprogramm des bösen Militaristen. Der Schwerpunkt liegt in der Tat auf letztgenanntem: KALUPPKE! LUSCHE! HOLLAND! dröhnt es mehr als einmal durch die Hallen. Der Kontakt zu den Leuten ist ihm wichtig. Immer wieder schreitet er durch den Saal und sucht sich neue Opfer aus.
Es ist eine seltsame Symbiose, die dort vorne auf der Bühne steht: Zum einen macht der Ausbilder die Leute rund, dass jeder General seine wahre Freude daran hätte. Und auf der anderen Seite kommt dieser Holger Müller im Tarnfleck äußerst sympathisch rüber. Übel nimmt man es ihm nicht, dass er gerade seinen treuen Freund und Helfer Hui Buh zum x-ten Mal vorgeführt hat. Vielleicht auch deshalb, weil er sich nach jedem Applaus artig bedankt und nach der Show noch Autogramme gibt und Klingeltöne auf fremde Handys spricht.
15 Jahre Comedy-Erfahrung als Ausbilder Schmidt
Schleifer Schmidt hat inzwischen 15 Jahre Comedy-Erfahrung, 500 Folgen von „Morgen, ihr Luschen" liefen auf den Radiosendern rauf und runter. Er tourt zum dritten Mal mit einem Liveprogramm durch halb Deutschland. Also traut er sich was. Zum Beispiel beantwortet er spontan Fragen aus dem Publikum, mal kurz und knapp, mal ausschweifend, immer um eine Pointe bemüht - und die findet er meistens. Für eine Parodie auf Militarismus reicht es nicht, für zwei vergnügliche Stunden schon.
